Eichstätt: "Nah am Menschen"
Michaela Pilters sprach über das Erfolgsrezept der ZDF-Reportage-Reihe "37 Grad". - Foto: Piechulek/Clases
Eichstätt

Die Reportage-Reihe "37 Grad" wird seit 20 Jahren im ZDF ausgestrahlt. Es gibt kein vergleichbares Format im deutschen Fernsehen, denn drei Redaktionen des ZDF produzieren "37 Grad" gemeinschaftlich. Dafür haben sie sich besondere Maßstäbe gesetzt: Sie wollen keine Geschichten inszenieren, sondern die soziale Realität in den Mittelpunkt stellen. Auch wenn die Themen immer sensibel, intim und nah an den Protagonisten sind, sollen diese nicht vorgeführt werden. "37 Grad" berichtet über Extremsituationen und Geschichten aus dem echten Leben, ohne dabei die Persönlichkeitsrechte zu verletzen.

Leihmutterschaft, Sterbehilfe und Armut im Alter - das sind Themen von "37 Grad". Themen, die einen sensiblen Umgang erfordern. Da die Autoren der Fernsehbeiträge die Schicksale der Protagonisten jedes Mal hautnah miterleben, ist neben Respekt und Nähe auch professionelle Distanz zum Geschehen wichtig. In jeder der 30-Minuten-Reportagen ist es für "37 Grad" eine Herausforderung, zwischen den beiden Polen die richtige Balance zu finden. Laut Pilters ist es wichtig, den Zuschauern von "37 Grad" dabei keine Meinung vorzugeben. Vielmehr sollen diese sich aufgrund des Films selbst eine Meinung zu den kontroversen Themen bilden können.

Im Schnitt hat die Reportage-Reihe "37 Grad" 2,13 Millionen Zuschauer. Die meisten von ihnen seien Frauen, weil diese sich durch die Themenauswahl eher angesprochen fühlten, erläuterte die Redaktionsleiterin. Besonders erfolgreich war im letzten Jahr der Beitrag mit dem Titel "Schuften bis zum Schluss", der sich dem Thema "Altersarmut" widmete. Diese Folge berührte laut Pilters die Zuschauerinnen und Zuschauer so sehr, dass viele von ihnen für die in der Sendung gezeigten betroffenen Protagonisten Spenden sammelten.

Bei allen "37 Grad"- Reportagen handelt es sich um Langzeitrecherchen, die mindestens zwei Monate dauern. "Niemand weiß, wie das Leben weiterspielt", sagte Pilters. Deshalb sei auch der Ausgang einer Reportage bei Beginn des Drehs nie absehbar. Wichtig sei es aber, das Geschehen so wiederzugeben, wie es sich ereignet hat - Mit allen guten und schlechten Seiten.