Eichstätt: "Land für alle, nicht nur für wenige"
Wieder besonders herzlich war die Atmosphäre bei der Verleihung des Shalompreises an Padre Paulo Joanil da Silva aus Brasilien. Auf dem Bild oben gratuliert ihm Margarete Müller, sozusagen der Klebstoff und die Konstante des seit 32 Jahren bestehenden Eichstätter Arbeitskreises Shalom für Gerechtigkeit und Frieden. Mit drastischen Worten und Bildern schilderte der Geistliche die Zustände in seinem Land – etwa die Vertreibung von Kleinbauern und deren Familien, wie erst wieder im April geschehen (Bild unten links) - Fotos: kno/oh
Eichstätt
Die CPT ist eine der bedeutendsten sozialen Bewegungen in Brasilien. Sie fordert im Namen der Landbevölkerung vor allem eine gerechte Landverteilung. Die Comissão Pastoral stellt sich auf die Seite der Landlosen, Kleinbauern und Indigenen (siehe auch Hintergrund).

In der brutalen Realität bedeutet das die tägliche Auseinandersetzung mit Bedrohung, Vertreibung und sogar todbringender Gewalt. Auch vor Morden schreckten die mächtigen Großgrundbesitzer nicht zurück, um ihre Ziele zu verwirklichen, wie Padre Paulo Joanil da Silva schilderte: „Die Regierenden befolgen den Willen des Kapitalismus.“ Zehn Prozent der Bevölkerung gehörten 80 Prozent des Landes in Brasilien. Kleinbauern und ihre Familien würden teils gewaltsam verjagt, und die Regierung habe „keinen Willen, solche Art von Kriminalität zu verfolgen“. Die größte Schande, so Padre Paulo Joanil da Silva, sei „die Recht- und die Straflosigkeit“. Die öffentlichen Organe seien blind und steckten „unter einer Decke mit den Auftraggebern“.

Die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger, die sie mit Michael Huhn, Referent für Brasilien bei Adveniat erarbeitet hatte, hielt Ulrike Schurr-Schöpfel vom AK Shalom: „Land ist eine Gabe Gottes für alle Menschen, nicht nur für wenige“, spielte sie auf die „Massierung von Land in Privatbesitz weniger“ in Brasilien an. „Kaum greifbare Investoren“ würden riesige Flächen in Monokulturen verwandeln, damit die Böden ruinieren und Regenwald vernichten: etwa für den Sojaanbau für Masttierfutter oder für die Produktion von Bioethanol als Beimischung für Benzin. Dadurch verlören viele Kleinbauern ihre Lebensgrundlage, und auch Sklaverei sei immer noch allgegenwärtig. Die CPT als Pastoral des Landes stehe auf der Seite der Bedrängten, so Ulrike Schurr-Schöpfel weiter. Sie kämpfe für die Sicherung von Land und Landrechten und sei „ein lästiger Störsender im Nachrichtenschwall immer neuer Erfolgsmeldungen“ im prosperierenden Brasilien.

Zuvor hatte der Schirmherr der Shalom-Aktion, Oberbürgermeister Andreas Steppberger, den Preisträger als „sehr gute Wahl und Stimme der Unterdrückten“ bezeichnet. Und Domkapitular Christoph Kühn, Leiter des Referats Weltkirche des Bistums Eichstätt, betonte vor den rund 100 Gästen im Spiegelsaal: „Frieden ohne Gerechtigkeit findet nicht statt.“

Padre Paulo Joanil da Silva meinte, er sei aufgewühlt angesichts der Solidarität, die er in Eichstätt erfahren habe: „Wir haben die gleichen Gefühle, dass eine andere Welt möglich ist.“