Bestens aufgelegt präsentierte der inzwischen pensionierte Gymnasiallehrer Hans Klaffl seine Erfahrungen aus der Schule.
Bestens aufgelegt präsentierte der inzwischen pensionierte Gymnasiallehrer Hans Klaffl seine Erfahrungen aus der Schule.
J. Traub
Eichstätt
Am Sonntagabend präsentierte er dieses binnen dreier Jahre bereits zum zweiten Mal im Alten Stadttheater vor immerhin rund 170 Besuchern.

 

Das Publikum von Klaffl-Programmen besteht zu einem Großteil aus Lehrern, wobei Klaffl Gäste der vorderen Reihen sogar nach Fächerkombination taxieren zu können glaubt ("Ihnen sieht man den Altphilologen an...!"), sein Kabarett hat Kult-Charakter in "Kollegenkreisen", besser als Klaffl kann man die Komik von Konferenzen nicht charakterisieren, Peinlichkeiten aus dem Panoptikum der Pädagogen nicht pointieren. Doch auch als Eltern und erst recht als Schüler hat man mit Lehranstalten zu tun, Vertreter dieser Spezies finden sich auch im Saal, wenn Klaffl mittels eines falschen Apostrophen als "Han's" in seine Bühnenrolle schlüpft.

Ganz im Gegensatz zu Klaffls Humor bleibt kein Auge trocken, man wird von eruptiven Lachsalven erschüttert, wenn dieser Lehrer, Schüler, Eltern oder Kultusministeriale satirisch auf die Schippe nimmt und an Ereignisse aus der Schulwelt erinnert ("Bundesjugendspiele! Warum heißt das eigentlich 'Spiele'?") oder Typen darstellt, denen man im Schulalltag schon begegnet zu sein glaubt - und das voller Pointen, brillant gefasst auch in Songs an Klavier und Kontrabass, wo köstliche Kontrafakturen auf Lou Reed ("Walk on the wild Side"), Queen ("Another one bites the Dust") oder Monty Python-Songs ("Always look…") erklingen.

Das Programm führt ein in das pädagogische Biotop des Lukas Podolski-Gymnasiums mit seinem belächelnswerten Lehrpersonal, das in vier Grundtypen kategorisiert werden kann: Da hat zum einen Kollege Sedlmaier das schlichte Leitmotiv und Lebensmotto "Jaaa - pffff!", eine Art Kurzformel für "…ist mir doch wurscht…", immerhin wirkt der Träger knallbunter Pullover bereits als "Oberstudienrat aus Altersgründen". Als dauerhafter "tief betroffener" Bedenkenträger kommt der Kollege Gütlich daher ("Uiuiuiui…!"), der doch tatsächlich kultusministerielle Post Wort für Wort liest.

Drittens trifft man "Typ C", den Kollegen Gmeinwieser mit den Fächern Sport und Chemie, der körperliche Ertüchtigung dem Gebrauch des Intellekts vorzieht und dessen weißer Kittel nach 30 Jahren an Strahlkraft eingebüßt hat. Und dann gibt es noch die "wuide Huide" mit den vor Jahrzehnten einst aufregenden Zebra-Leggins, die aber inzwischen "die Form zweier Zebras angenommen" hat: "Kennen Sie die kräftigen Gäule in Gespannen der Brauereiwägen beim Aufzug zur Wiesn? Da müssen Sie sich nun eines davon mit Streifen vorstellen!" Nicht zu vergessen schließlich Schöngeist Gregorius, "der alte Sprachen und ganz alte Sprachen" unterrichtet und mündliche Noten mit zwei Kommastellen erteilt.

Sie alle treffen sich zur Konferenz, bei der "diejenigen, die sich das gleich gedacht haben", mit jenen diskutieren, "die es schon immer gewusst haben". Dort wird dann über Gefährdungsfälle diskutiert: "Gefährdet ist ein Schüler dann, wenn er mehr Fünfer als Fächer hat."

Trotz seiner inzwischen erfolgten Pensionierung ist Klaffl noch immer nah dran an der Schule, an Lehrern, Schülern, Eltern und Mitarbeitern im Ministerium, die er mit Witz, Verve und Vitalität karikiert. Oder bildet er sie gar recht realistisch ab…? Dies zu ergründen wäre doch mal eine lohnende Aufgabe für ein schulisches W-Seminar wahlweise in den Fächern Musik, Kunst oder Deutsch...! - Man darf sich freuen auf Klaffls derzeit entstehendes ganz neues, viertes Bühnenprogramm: Mit dem kommt er 2019 nach Eichstätt!