Eichstätt: Jetzt ist wieder der Teufel los!
Kommts nur her, meine wolllüstigen Weiber: Der Gangerla (Thomas Weidenhiller) mit seinen Hexen (Martina Schmidt, Maria Baumeister und Gabi Richter, von links). - Fotos: chl
Eichstätt
Das Stück des Eichstätter Theatermachers zeigt die ganze Bandbreite, die gutes und modernes Volkstheater und besonders eine Komödie wie die „Walpurgisnacht“ bieten soll und will: Komik vom Wortwitz bis hin zum Slapstick, Romantik und gerne ein wenig Rührseligkeit, natürlich auch Dramatik, Spannung, Action. Die „Walpurgisnacht“ ist voll davon, der Stoff bietet genügend Raum für kuriose Charaktere, kurzweilige Dialoge und eine spannende Handlung, sprich: für einen rundum gelungenen Theaterabend.

Das glückt aber nur, wenn die Schauspieler mit vollem Einsatz und Herzblut agieren und von einem Profi straff inszeniert werden. Genau das, nämlich Laientheater auf höchstmöglichem Niveau zu bieten, hatte sich Florian Schmidt (45) mit seiner Altmühltalbühne vorgenommen. Ein durchaus sehr anspruchsvolles Ziel. Das der Theatermacher aber in dieser Inszenierung der „Walpurgisnacht“ voll und ganz erreicht hat.

Erfahrene Schauspieler aus seiner Truppe wie die beiden Hauptdarsteller Thomas Weidenhiller als Gangerla und Evi Vierring als Fischer-Mare agieren unglaublich grandios auf der gesamten Klaviatur der Emotionen. Um die beiden dreht sich das ganze Stück: Seit 17 Jahren ist der bayerische Teufel, der sich hier Gangerla nennt, schon hinter der reinen Seele der Hebamme Fischer-Mare her. Und in jener Walpurgisnacht des Jahres 1835 schickt er seine gesamte Höllenbrut auf Wilder Jagd durchs Dorf, wo gerade die Maibaumfeier beginnt.

Es kommt zu komischen und dramatischen Verwicklungen zwischen den Hexen, Waldschraten und Dämonen auf der einen und den braven Dorfleuten auf der anderen Seite, bevor die Fischer-Mare mit einer genialen List und großer Standfestigkeit den Teufel samt seiner Brut wieder dahin schickt, wo er hingehört . . .

Das Wunderbare an dieser Inszenierung: Jede, wirklich jede Rolle ist bestens besetzt und wirkt, als hätte sie Schmidt den Akteuren eigens auf den Leib geschrieben. Die gesamte Truppe spielt wie aus einem Guss. Und das ist bemerkenswert, weil neben den „Urgesteinen“ des Schlossleutnant-Krach-Spiele e.V., der auch Veranstalter der Altmühltalbühne ist, seit dem „Schwedenbrand“-Projekt 2011 nun Mitwirkende aus über 20 Ortschaften und sieben Theatervereinen der näheren und weiteren Umgebung mit von der Partie sind.

Fotostrecke: Walpurgisnacht Eichstätt

Markus Dirmeier, Schagg Zieglwalner, Georg Heberl, Thomas Bittl, Gabi Herzner, Georg Wenzel, Georg Kretzmann, Dominik Weidenhiller, Georg Kleesattel, Martina Schmidt, Maria Baumeister, Sabine Kulzer und andere mehr: Da agiert ein beachtlicher Querschnitt aus dem „Who is Who“ der Altmühltaler Theaterszene gemeinsam auf einer Bühne. Nahtlos fügen sich junge Talente wie Franzi Geyer, Marion Lechner, Laura Herzner, Stefan Wagner, Julian Wagner und Ramona Hirschbeck und auch absolute Bühnenneulinge wie Gabi Richter und Wolfgang Sebold in diese spielfreudige Truppe ein, die von Stefan Mack am Akkordeon musikalisch begleitet wird. Da passt es ganz gut, dass sich das Bühnenbild bewusst auf das Allernötigste beschränkt und nichts vom intensiven Spiel ablenkt. Der Lohn der Mühen bei der Premiere: brüllendes Gelächter und tosender Applaus.