Eichstätt: "Für die Frauen   gegen Prostitution"
Die Klassen- und Schülersprecher überreichten Soni Unterreithmeier einen Spendenscheck für die Organisation SOLWODI. - Foto: Trampert
Eichstätt

Soni Unterreithmeier von SOLWODI Augsburg, die von der Fachschaft Religion eingeladen wurde, erzählte in einem bewegenden Vortrag den Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen von ihren Erfahrungen und ihrem unermüdlichen Einsatz für betroffene Frauen. SOLWODI steht für "Solidarity with women in distress" ("Solidarität mit Frauen in Not").

Am Beispiel der 16-Jährigen Lena aus Osteuropa erfuhren die Schüler und Schülerinnen, wie schnell junge Mädchen in die Fänge von Menschenhändlern kommen können. Angetrieben von der Perspektivenlosigkeit in ihrem Heimatland, glaubte die junge Frau den Versprechungen eines lukrativen Jobs und fand sich kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland in einem Bordell wieder. Ohne Kenntnisse der deutschen Sprache und ihrer Rechte, ohne Pass und Geld war an Flucht nicht zu denken. Ständige Bedrohungen und Gewalt machten die junge Frau gefügig. Dank SOLWODI konnte Lena den Fängen der Zuhälter entkommen, sie fand Unterschlupf in einer Schutzwohnung, bekam Beratung und eine Lehrstelle vermittelt, berichtete Unterreithmeier. Das Schicksal von Lena teilen tausende von Frauen hier in Deutschland, etwa 90 Prozent aller Prostituierten kommen aus dem Ausland. Aber nicht nur ausländische Mädchen sind betroffen: Deutsche junge Mädchen werden hierzulande vor allem durch sogenannte "Loverboys" angelockt, die gezielt mit ihnen eine Beziehung eingehen, um sie dann an Zuhälter weiter zu verkaufen.

SOLWODI hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in ihrer Not zu helfen. Neben der konkreten Beratungsarbeit mit den Betroffenen wirbt die Organisation für mehr Verständnis für die oft verzweifelte Lage dieser Frauen und Mädchen. "Wir von SOLWODI glauben weder an die Freiwilligkeit in der Prostitution noch an Entscheidungsfreiheit", machte Unterreithmeier deutlich. Vielmehr haben die Frauen keine Alternative, wenn sie von Existenzangst und Armut bedroht sind. Allerdings sei ein Verbot des Kaufs von "sexuellen Dienstleistungen" hier in Deutschland in weiter Ferne, führte Unterreithmeier weiter aus. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wie Schweden und Frankreich poche der Gesetzgeber hierzulande auf das Selbstbestimmungsrecht und legalisierte die Tätigkeit. Dies könne SOLWODI nicht hinnehmen und drängt auf eine Verbesserung des Prostitutionsgesetzes: "Weil wir für die Frauen sind, sind wir gegen Prostitution."

Zum Abschluss des Vormittags trafen sich die Klassensprecherinnen und Schülersprecher zum persönlichen Austausch mit der Referentin. Mit einer Unterschriftenaktion wolle man im weiteren Verlauf des Schuljahrs für die Anliegen von SOLWODI werben.

Sichtlich erfreut war Unterreithmeier über die Spende in Höhe von 955,70 Euro, welche die Schülerinnen und Schüler beim Adventsmarkt für die Organisation erwirtschaftet hatten.