Eichstätt: "Für den Weltmarkt und den Wochenmarkt"
Gleich zwei „Hoheiten“ hießen die Gäste zum gestrigen „Bauerneachta“ im Festzelt willkommen: Lammkönigin Gabriela Eckstein und Wiesnkönigin Sandra Hoke. Die musikalische Umrahmung übernahm die Pollenfelder Blaskapelle - Fotos: chl
Eichstätt

Der „Bauerneachta“, wie dieser Volksfestdienstag im Zeichen der Landwirtschaft auch genannt wird, hat eine lange Tradition auf der Eichstätter Wiesn. Marlene Mortler war jedoch die erste Frau, die als Hauptrednerin eingeladen worden ist. Die gestrige Kundgebung stand ganz im Zeichen des 70-jährigen Bestehens des Bayerischen Bauernverbandes, an das Kreisobmann Josef Kroll bei seiner Ansprache mit einem Rückblick erinnerte.

Landrat Anton Knapp gratulierte dem BBV zu diesem Jubiläum, bevor er – ebenso wie die Landtagsabgeordnete Eva Gottstein – zum nächsten Termin, der Eröffnung des letzten Teilstücks der Nordumgehung, nach Etting fahren musste. Die übrigen zahlreichen Ehrengäste, darunter auch Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landrätin Tanja Schorer-Dremel sowie Oberbürgermeister Andreas Steppberger, blieben gerne. Steppberger betonte in seinem Grußwort nach seiner Gratulation, dass die heimische Landwirtschaft Lebensmittel von hoher Qualität produziere. Die Verbraucher seien aufgefordert, dafür auch einen angemessenen Preis zu zahlen, forderte der OB.

Die Hauptreferentin Marlene Mortler stieß ins selbe Horn: „Viele kennen den Preis, aber nicht den Wert unserer Lebensmittel.“ Auch die Landwirte seien als Verbraucher aufgefordert, selbst nicht in Läden zu kaufen, die Dumpingpreise anböten. Das Image der Landwirtschaft werde von einigen Institutionen, Mortler nannte hier etwa Greenpeace, bewusst schlecht gemacht um Angst zu schüren und die Menschen zu verunsichern. Sie sprach von pauschalisierender Hetze, die für die Landwirtschaft gefährlich werden könne. „Wir brauchen eine Kehrtwende, weg von dieser Skandalisierung.“

Es gebe zwar auch in der Landwirtschaft einige „schwarze Schafe“, doch das dürfe nicht Anlass zu immer strengeren Richtlinien und Verordnungen sein. Das Gros der Bäuerinnen und Bauern wisse sehr wohl, was das Beste für die Natur und auch für die Tiere sei – man lebe ja davon. Mortler, die selbst aus einer Landwirtschaft stammt und vor ihrem Einstieg in die Politik viele Jahre lang auch beim BBV aktiv gewesen ist, erklärte, „elitäre Minderheiten verbreiten heute Angstparolen“ und zögen auch pauschal über die landwirtschaftliche Tierhaltung her. Ein Milchviehbauer etwa sorge gut für seine Tiere. „Tierwohl ist eine Frage der Haltung und der inneren Einstellung. Es gibt bei uns den Spruch ,Erst die Kühe, dann die Familie’.“ Familie war ein weiteres zentrales Thema ihres knapp 50-minütigen Vortrags. „Die Diskussion um das Betreuungsgeld war für mich erschütternd“, ein „Tiefschlag“ für alle Eltern, die ihre unter Dreijährigen selbst erziehen und das nicht dem Staat überlassen wollten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei heutzutage zwar wichtig, „die Familie darf aber nicht vom Beruf verdrängt werden“. Gerade in unsicherer werdenden Zeiten sei die Familie ein „Zukunftsmodell“, denn in der Familie fänden Menschen auch Rückhalt, wenn sie Probleme hätten.

Hier sprach Mortler auch als Drogenbeauftragte der Bundesregierung und verwies darauf, dass 2,6 Millionen Kinder in Deutschland in Haushalten groß werden, in denen mindestens ein Elternteil massive Alkoholprobleme habe. „Das darf uns nicht gleichgültig lassen.“