Eichstätt: Freud und Leid auf 100 Metern
Im Eichstätter Buchtal auf Hausführungs-Tour: die beiden Grünen-Bundestagsabgeordneten Toni Hofreiter und Agnes Krumwiede mit Eva Martiny, der Vorsitzenden des Jurahausvereins (von links). - Foto: aur
Eichstätt
Während sich Agnes Krumwiede im Bundestag schwerpunktmäßig um Kultur müht, ist Toni Hofreiters Hauptbereich der Verkehr. Krumwiede ist kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Hofreiter ist Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags. Präzise gesagt des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Kultur und Stadtentwicklung: Am Beispiel der Jurahäuser wollte der Jurahausverein den beiden verdeutlichen, wie gut das zusammenpassen kann. Vereinsvorsitzende Eva Martiny, Vize Stefan Pfättisch, Schriftführerin Walburga Biller und Geschäftsstellenbetreuer Ferdinand Neuhofer führten die beiden Gäste auf kurzen Wegen zu verschiedenen Jurahäusern: zu Freud und Leid.

Toni Hofreiter zeigte sich beeindruckt von dieser einzigartigen Hauslandschaft und von den Bemühungen um den Erhalt der letzten, unersetzbaren Substanz. Was seinen „Verkehrsausschuss“ in Berlin angeht, war er durchaus selbstkritisch: „Man muss im Ausschuss noch stärker darauf drängen, dass die Bereiche Bau und Stadtentwicklung nicht zu kurz kommen. Die Stellung des Verkehrs ist zu wichtig.“ Bei der Stadtentwicklung könnte der Bund mit relativ kleinen Summen – klein zumindest im Vergleich mit Verkehrsprojekten – viel bewegen. „Das wird in Berlin oft verkannt.“

Agnes Krumwiede sah in ihrem Handlungsfeld ebenfalls Nachbesserungsbedarf: „Im Kulturausschuss ist es dasselbe: Da spielt der Denkmalschutz auch nur eine marginale Rolle. Das wird inhaltlich nicht in der nötigen Tiefe besprochen, was Denkmalschutz bedeutet.“ Ihre Antwort nach der Visite in Eichstätt: „Das ist das, was unser Erbe ausmacht. Das ist nachhaltig.“

Die Führung selbst erstreckte sich nur über wenige hundert Meter in Eichstätt. Aber da gab es alles zu sehen, was man sich zum Thema Jurahäuser denken kann. Zum markanten, denkmalgeschützten Haus am Zwinger meinte Eva Martiny: „Das ist so ein trauriges Beispiel für die fehlende Bereitschaft, so ein Gebäude zu nutzen.“ Dabei könnte man sich hier im Zusammenspiel mit benachbarten Jurahäusern durchaus ein touristisches Übernachtungskonzept vorstellen. In Italien gebe es dafür Vorbilder.

Eva Martiny schilderte das lange Bemühen ihres Vereins, das Image der als ärmlich und feucht verrufenen Jurahäuser zu heben. „In vielen Bereichen ist es uns gelungen, deutlich zu machen, dass das Jurahaus ein europäischer Schatz ist.“ Und dann ging es über das Buchtal zu „unseren eigenen Latifundien“: die vereinseigene „Lila Villa“ in der Rot-Kreuz-Gasse. Hier entsteht bald die Geschäftsstelle samt Ausstellungszentrum des Jurahausvereins. „Cool“, sagte Hofreiter. Im Haus selbst ging es unter anderem um die allgegenwärtigen Auswüchse der Wärmedämmung von Häusern durch Styroporplatten, was alten Häusern gar nicht gut tue. Krumwiede sprach von der „Gedankenlosigkeit“ vieler Hausbesitzer. Auf Dauer würden vermeintlich billige Lösungen oft teurer. Und Toni Hofreiter berichtete fröhlich, dass er als Jugendlicher einst daheim in Sauerlach eine lokale Fotoausstellung mit dem Titel „Grün kaputt in Sauerlach“ veranstaltet habe: Die Schau mit den größten Geschmacksverirrungen der örtlichen Bauherren, darunter vorzugsweise auch Kommunalpolitiker, wurde ein Publikumsmagnet.