Eichstätt: Einblicke in den "verborgenen Garten"
Foto: Dagmar Kusche
Eichstätt

Die geheimnisvolle Vergangenheit des Cobenzl-Parks, auch "verborgener Garten" genannt, kommt dank der umfassenden historischen Recherchen und Projekte der Eichstätter Lithographiekünstlerin Li Portenlänger und einiger Gleichgesinnter immer mehr ans Tageslicht. Seit mehr als sieben Jahren beschäftigt sich die kleine Gruppe mit den einst stattlichen Grünanlagen und ihrer wechselvollen Geschichte.

Nun eröffnete Portenlänger in der Galerie Christof Cebulla eine Ausstellung mit eindrucksvollen Dokumenten sowie Lithographien, in denen sie selbst und andere Künstler ihre Faszination vom Großen Cobenzl-Garten verarbeitet haben. Damit zeigt die Lithographin schon vorab einen kleinen Teil der großartigen Kunstwerke, Schriftstücke und Projektergebnisse, die in ihrem neuen Buch "Der verborgene Garten. Das Cobenzl-Projekt" zusammengeführt wurden. Im Rahmen einer Finissage und Lesung wird sie das neue Werk am Samstag, 18. November, um 11 Uhr in der Buchhandlung präsentieren.

"Diesem geschmack- und einsichtsvollen Herrn war es vorbehalten, aus Nichts Etwas zu machen und einen steilen, unfruchtbaren Berg in einen englischen Park umzuschaffen", beschrieb Andreas Strauß, Chorherr und Professor des Kollegiatstifts Rebdorf, im Jahre 1791 voller Begeisterung das Schaffen des Domherrn Ludwig Graf Cobenzl. Gemeint war damit die Idee, das 1784 erworbene Anwesen in einen großen Park der Begegnung für Adel und Bürgertum umzuwandeln.

Heute stellt sich der Große Cobenzl-Park südlich der B 13 als eine der Natur fast selbst überlassene Anlage dar. Portenlänger meint, "dieser Park ist erfahrbar nachvollziehbar, wenn man sich suchend und wissend in die kulturellen Zusammenhänge der Zeit begibt". Es wurden Recherchen, Wanderungen und Ortsbegehungen gemacht. Darüber hinaus wurde der frühere Gartenpark durch Performance- und Kunstfilmveranstaltungen wieder zum Leben erweckt.

In der kleinen Ausstellung zieht zunächst eine Tuschezeichnung des Hofgeometers Josef Xaver Effner um 1790 den Ausstellungsbesucher magisch an. Sie zeigt eine Vogelperspektive des Eichstätter Hofgartens und der umliegenden Anlagen jenseits der Altmühl. Es wird deutlich, wovon Andreas Strauß 1791 geschwärmt hatte: Ein als Gartenpark gestalteter Berghang mit Wegen, Ruheorten, einem Rosengarten mit Pavillon und vielen anderen Pflanzen. Diese Zeichnung von Effner, so Portenlänger, sei gemeinsam mit den im Park vorgefundenen Relikten einer Gartenanlage Anlass und Ausgangspunkt für die mehrjährigen Recherchen gewesen.

Das Hauptblatt der Titelei des 1750/51 in Nürnberg erschienenen Werks "Das englische Gartenbuch oder Philipp Millers Gärtner-Lexicon" bildete die Vorlage für die Lithographie "Göttergarten", die Portenlänger 2014 druckte und jetzt in der Ausstellung präsentiert. In diesem alten Gärtnerlexikon hatte der Eichstätter Filmregisseur Fred Darimont einen von Ludwig Graf Cobenzl handschriftlich verfassten "Auszug schöner Gewächse, welche kaltes Klima ertragen können" entdeckt. Das Cobenzl-Projekt zog auch Gastkünstler aus anderen Ländern an. Es sind beispielsweise die vom belgischen Lithographiekünstler Cyril Bihain 2013 gefertigten Drucke "Waldmeister" und "Noli Tangere" zu sehen. Für den Jahresdruck der Lithographiewerkstatt von Carla Neis aus dem Jahre 2011 mit dem Titel "hac itur ad astra" druckte die Berner Künstlerin verschiedene Blätter des Cobenzl-Parks lithographisch eindrucksvoll um. Und schließlich sind neben einem "Blick aus dem Cobenzl-Garten auf Eichstätt um 1900" auch zwei Pläne des Baumeisters Maurizio Pedetti zu bestaunen: Graf Cobenzl hatte an eine Vergrößerung seines Schlösschens und Pavillons gedacht. Die entsprechenden Pläne dafür hatte Darimont bei seinen Archivrecherchen entdeckt; sie bilden nun ein weiteres faszinierendes Fragment des rekonstruierten Cobenzl-Parks. Die Ausstellung macht Lust, mehr über die außergewöhnliche Idee Cobenzls von einem Park als Ort der Begegnung zu erfahren. Hier, so vermuten die Cobenzl-Freunde, tauschten möglicherweise die "Illuminaten" - die Mitglieder des 1776 vom Ingolstädter Kirchenrechtsprofessor Adam Weishaupt begründeten und 1785 verbotenen aufklärerischen Vereins - ihre Vorstellungen vom Kampf gegen die katholische Kirche und die Despotie aus. Zu ihnen gehörte auch Cobenzl, in dessen Park Gespräch, Spiel und Erneuerung möglich sein sollten und in dem man bei "anmuthigen Spaziergängen" durchaus drei Stunden verbringen konnte, wie Andreas Strauß 1791 beschrieb. Doch die Pläne stießen auf wenig Begeisterung: Der letzte Fürstbischof, Joseph Graf und Herr von Stubenberg, zerstörte den Park mutwillig nach dem Tod von Cobenzl 1792. Bäume wie überseeische Gewächse, Bienenhaus und Rosengarten, Sitzbänke und Kegelbahn wurden restlos abgetragen. Was bleibt, sind die Ergebnisse der Spurensuche: "Es war und ist unser Wunsch, diesen Spuren von Altem zu folgen. Nicht, um die Anlagen zu rekonstruieren, sondern um sie wiederzubeleben. Denn dieser Schatz landschaftlicher Gestaltung und geschichtlicher Bedeutung bedarf der Achtsamkeit", betont Portenlänger.

Die Ausstellung ist noch bis Samstag, 18. November, jeweils Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr in der Buchhandlung Christof Cebulla, Ostenstraße 2, zu sehen.