Eichstätt: Ein bunter Haufen will "die Freude leben"
Eigeninitiative: Amirah Matterstock (hinten) organisierte mit ihrer Freundin Konstanze Ferstl (Mitte) einen Schminkstand am Marktplatz. Die kleine Schwester Deliah durfte das „Modell“ sein.
Eichstätt
„Wir sind ein privater Freundeskreis von Leuten, die sich über ihre Kinder und über gemeinsame Interessen gefunden haben“, sagt Carmen Schmidt, „und wir haben festgestellt, dass wir ganz schön viele Talente haben, die wir mit anderen teilen wollen“ – eine Art kreativer Tauschring also, allerdings bewusst komplett unorganisiert: Es soll kein Verein werden, offensive Mitgliederwerbung wird es nicht geben. „Wir machen das jetzt mal diesen Sommer, und dann sehen wir weiter“, sagt Schmidt.

Die Familien kommen alle aus Eichstätt oder der näheren Umgebung, viele sind über die Montessori-Schule und den Waldkindergarten miteinander und mit anderen Eichstättern verbandelt, und bisher läuft das Meiste per Mundpropaganda und zufällige Klicks auf Schmidts Homepage (www.carmenyoga.de).

Jeder bietet an, was er kann und mag – es sind mehrheitlich Psychologen und Therapeuten dabei, bei Carmen Schmidt ist es Yoga, ihr Partner Jakob Reitberger hatte das Programm am Muttertag mit einem „Fest für die Pachamama“, also für die Mutter Erde, mit einer zeremoniellen Opfergabe und einem peruanischen Gastschamanen am Eichstätter Frauenberg eröffnet – „da waren 40 Leute da, das war toll“. Andere Angebote heißen: „Tanze deine Welle“, „das Neue willkommen heißen“, „Freies Filzen“ oder „Eintauchen in die Welt des Tönens“ und sind offen für alle, die dafür offen sind – gegen eine Teilnahmegebühr (siehe Programm).

Da wird schnell klar: Dieser „bunte Haufen“ ist alles andere als konventionell. „Es geht um die Vernetzung der Tätigkeiten, die man gerne macht“, erklärt Reitberger. Und ihm geht es auch „um die Pflege des Körpers, des Geistes und der Dinge.“ Auch wenn dieser Freundeskreis durchaus von Esoterik durchdrungen wirkt, sagt Reitberger: „Wir sind jenseits aller Ideologien und unternehmen alles im Respekt aller Möglichkeiten.“

Im Kern gehe es darum „die Freude und die Liebe zu leben“ – auf welche Weise auch immer. Und dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – und dem Alter auch nicht, weder nach oben, noch nach unten. Denn die jüngste Anbieterin des Sommerprogramms ist gerade zehn Jahre alt geworden: Amirah Matterstock hatte am Samstag auf dem Wochenmarkt einen ungewöhnlichen Stand aufgebaut. Einen Schmink- und Bastelstand für Kinder. Einfach so, ohne irgendeine Spendensammlung im Hintergrund, ohne für irgendeine pädagogische Einrichtung zu werben. Nur zum Spaß.

„Ich habe von meiner Mama von dem ,bunten Haufen' gehört und wollte da auch mitmachen“, erzählt sie. Also hat sie sich von Carmen Schmidt in das Sommerprogramm eintragen lassen und ist ins Rathaus gegangen, wo sie vom Ordnungsamtschef Karl Ziegelmeier und dem Geschäftsführenden Beamten Hans Bittl sehr freundlich behandelt wurde und ohne Probleme ihre Genehmigung bekam. Und der Stand kam am Samstagvormittag schon richtig gut an.

„An den Angeboten teilnehmen können alle, die offen und interessiert sind“, erklärt Carmen Schmidt. Beim Anbieten selber ist sie zurückhaltender: „Wir sind ja ein Freundeskreis, da wollen wir die Leute schon vorher kennenlernen und sehen, ob es passt.“