Eichstätt: Ein Ehrenplatz für das Final-Ticket
Das Ticket zum Glück? Michael Sturm ist im Finale in München jedenfalls live im Stadion dabei – mit dem Fanschal vom 2001-Titelgewinn seiner Bayern (oben). Er reiste den Bayern auch auf dem Weg ins Champions-League-Endspiel nach Neapel, Basel und Marseille hinterher, er liebt die einzigartige Atmosphäre im Stadion, kann allerdings Feuerwerkern in seiner Nähe nichts abgewinnen (unten) - Fotos: chl/Sturm
Eichstätt
Und der Eichstätter, in seiner Heimatstadt besser als „Tiger“ bekannt, ist in der Münchner Allianz-Arena eigentlich Stammgast. Der 40-Jährige ist bekennender Bayern-Fan, allerdings kein Fanclub-Mitglied. Dafür ist er Vereinsmitglied beim 1. FCB selbst. Und als solches hat er nicht nur eine Dauerkarte für alle Bundesliga-Heimspiele, sondern wie die Fanclubs auch ein bevorzugtes Zugriffsrecht auf Partien seines Vereins in den europäischen Wettbewerben. Und trotzdem brauchte er für dieses Ticket noch eine Riesenportion Glück: Bei 1,1 Millionen Ticketbestellungen insgesamt hat Sturm aus einem Mitgliedertopf von 17 500 Karten eine einzige zugestanden bekommen – zum regulären Preis von 160 Euro.

Auf dem Schwarzmarkt würde Sturm dafür sicher das Zehnfache bekommen. Er könnte damit aber auch seinen Mitgliedsstatus sofort verlieren, und überhaupt: Er will ja nicht Geld verdienen damit, sondern selber das Endspiel sehen. Dafür verzichtet der Eichstätter sogar auf die mögliche Aufstiegsfeier seines Heimatvereins VfB Eichstätt in die Bayernliga. Der hat ja quasi auch ein „Endspiel dahoam“: Dem VfB reicht ein Unentschieden gegen den TSV Eching für den Aufstieg in die fünfthöchste Liga. „Da schlagen schon zwei Herzen in meiner Brust, und mit einem Ohr werde ich am Samstag in Eichstätt bleiben.“

Aber es geht halt nichts über das große Finale in München. Sturm hat den Weg seiner Bayern durch die Champions-League hautnah mitverfolgt. Er ist einer von jenen gut 4000 Fans, die den FCB auch bei den Auswärtsspielen begleiten: Neapel, Basel, Marseille – Michael Sturm war im Stadion stets live mit dabei.

Und nicht erst seit dieser Saison: Der „Tiger“ folgt den Bayern schon seit vielen Jahren. „Die Atmosphäre in den Stadien ist einfach einzigartig, super, gigantisch“, sagt er und ergänzt im Vergleich zur TV-Übertragung scherzhaft: „. . . und du hast den Marcel Reif nicht dauern im Ohr.“

Sturm liebt das „Fußballfest“ vor Ort, auch wenn er kein Freund von Feuerwerkskörpern in seinem Fanblock ist, und scheut dafür keine Strapazen. Fürs Finale 2010 gegen Inter Mailand in Madrid war Sturm mit zwei, drei Freunden gut 36 Stunden auf den Beinen. München – Zürich – Barcelona – Madrid und nach der 0 : 2- Niederlage gleich wieder retour von Madrid über Mallorca – Zürich nach München. Eine Übernachtung hatten sie nicht eingeplant, und diese aufwendigen Zwischenstopps nahmen sie wegen der dann günstigeren Flugtickets in Kauf.

Denn auch wenn dem 40-Jährigen kaum Mühen zu viel erscheinen, um den Bayern zu folgen, kosten darf es nicht unbegrenzt. Sturm unternimmt dafür keine anderen größeren Urlaubsreisen und gilt als Mitarbeiter eines Personaldienstleisters in Ingolstadt als Normalverdiener.

Vorher hat er 14 Jahre in München gelebt und dort in einem Sportgeschäft gearbeitet – mit Bayern-Legenden wie Peter Kupferschmidt und Rudi Nafziger, die ihrem jungen Kollegen die 1960er Jahre mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1967 immer wieder detailreich schilderten: „Die mussten auch 30 Jahre nach ihrer aktiven Zeit im Geschäft immer noch Autogramme geben.“ Das hat ihm imponiert und die Bindung zum Verein bestärkt, sagt Sturm, der eigentlich aus einer Nichtfußballerfamilie stammt.

Und doch hat ihn die Fußballleidenschaft früh gepackt. „Ich war schon immer Bayern-Fan. Warum? Keine Ahnung.“ Sein erstes Heimspiel weiß er noch ganz genau: Am 3. Oktober 1981 war er mit seinem Papa im Olympiastadion, „das war mein Kommunionwunsch“. 1 : 1 spielten seine Bayern gegen den 1. FC Nürnberg, Paul Breitner hatte damals in der 33. Minute die Bayern in Führung geschossen.

Unvergessen bleibt Michael Sturm natürlich auch der legendäre Champions-League-Titelgewinn der Bayern gegen FC Valencia am 23. Mai 2001, den er live im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand miterleben durfte. Der Schal dazu ist ein Prunkstück seiner Sammlung, und die Karte von damals hat gerahmt einen Ehrenplatz in seiner Wohnung.

Jetzt liegt also der zweite Rahmen für das aktuelle Ticket zum Titel schon bereit – falls Bayern am Abend gegen Chelsea gewinnt. Michael Sturm tippt nach längerem Zögern auf ein 2 :1 oder doch ein 3 :1. „Ich hoffe nur, dass es bei 90 Minuten bleibt und es nicht in die Verlängerung geht.“

Und ein derart nervenzerfetzendes Elfmeterschießen wie vor elf Jahren in Mailand will er sich überhaupt nicht mehr antun.