Eichstätt: Dunkle Szene eines Märtyrertods
Die Darstellung der Enthauptung des Kirchenpatrons ziert den Hochaltar der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hilpoltstein. Das Bild ist Kunstwerk des Monats. - Foto: Diözesanmuseum/pde
Eichstätt

Die Darstellung des Kirchenpatrons Johannes der Täufer aus dem Jahr 1656 ist das einzige Gemälde, das Paul Bock eindeutig zugeschrieben werden kann. Ansonsten ist über den Künstler nur sehr wenig bekannt. Vorgestellt wird das Kunstwerk des Monats auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums Eichstätt.

Die Hilpoltsteiner Pfarrkirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil des Spätbarock umgebaut unter der Leitung des Hofbaumeisters Johann Puchtler aus Neuburg. Im Jahr 1702 wurde der mächtige Hochaltar aufgerichtet.

Als Hauptbild verwendete man ein älteres Gemälde, das zu diesem Zweck verändert werden musste. Es handelt sich um ein Werk des Jesuitenfraters Paulus Bock, der offensichtlich ebenfalls in Neuburg lebte. Die Signatur lautet: "1656 Paulus Bock Soci. Jes. f. zu Neuburg".

Die Darstellung des Altarbildes bezieht sich auf den Kirchenpatron Johannes und schildert seinen Märtyrertod durch Enthauptung. Die Szene spielt sich in einem tief gelegenen, dunklen, kellerartigen Verlies des Palastes von Herodes ab. Die Tiefe des Raums wird durch eine starke perspektivische Verkürzung beschrieben. Eine einzige Lichtquelle, eine hoch gelegene Bogenöffnung, durch die Salome und Herodias die Hinrichtung verfolgen, erhellt die Szene. Im Vordergrund ist Johannes mit entblößtem Oberkörper erkennbar. Er kniet auf einem hölzernen Podest. Die Hände sind gefesselt. Er senkt den Kopf, erwartet den Schwerthieb. Seine in der Ikonographie typischen Attribute, der Kreuzstab und das Lamm, sind ihm zugeordnet. Der herabschwebende Engel hat die Märtyrerinsignien, Lorbeerkranz und Palmzweig, vorbereitet.

Der Scharfrichter steht hinter Johannes. Es handelt sich um einen kräftigen jüngeren Mann in der typischen Tracht, der dabei ist, das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Auf der linken Seite erscheint König Herodes als ein korpulenter Herrscher in türkischer Tracht mit einem Beil, das er als Gehstock benutzt, mit seinem Gefolge als Zeuge der Handlung. Dem Henker ist ein bemerkenswertes zeitgenössisches Detail zugeordnet, ein sogenannter Streckgalgen, also ein Folterinstrument.

Das Gewicht hat die Form einer Glocke, und auf der Glocke hat der Maler seine Signatur angebracht. Der Künstler Paul Bock (oder auch Pock) ist - so lässt sich aus den wenigen Daten über seine Person erschließen - 1606 in Konstanz geboren.

Er trat in den Jesuitenorden ein, arbeitete als Maler und als Kunststicker. Dass er auch in der Architektur bewandert gewesen ist, erkennt man an der meisterhaften Konstruierung des Verlieses auf dem Altarbild. Stilistisch hat er sich an Peter Paul Rubens orientiert und in der dramatischen Lichtführung ist er abhängig von Caravaggio, so lautet die Bewertung des Werkes durch Dr. Emanuel Braun, Leiter des Diözesanmuseums. Ein Jahr nach Vollendung des Hilpoltsteiner Altarbildes ist Paul Bock 1657 in München gestorben.

Seit 1983 wird im Bistum Eichstätt in akribischer Detailarbeit der Bestand an Kunstwerken dokumentiert. Die systematisch durchgeführte Arbeit der Fachleute soll in den nächsten Jahren abgeschlossen werden. Erfasst wird alles, was den Kriterien eines Kunstdenkmals entspricht - vom Gebäude bis zum liturgischen Gerät. Bei der Forschung und Erfassung kommt es immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen.

Mit der Reihe "Kunstwerk des Monats" werden auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums einige dieser in der Öffentlichkeit bisher wenig bekannten Entdeckungen vorgestellt: Die Adresse lautet www.dioezesanmuseum-eichstaett.de.