Eichstätt: Die Milch macht’s
Die bayerische Milchprinzessin Anna Weidinger studiert an der KU Eichstätt-Ingolstadt – noch, denn eigentlich hat sie alle Leistungen erbracht und wartet nun auf ihr Abschlusszeugnis - Foto: oh
Eichstätt
Seit gut einem Jahr ist die 23-Jährige allerdings auch bayerische Milchprinzessin: Sie vertritt als Milchhoheit die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft. Dafür reist sie quer durch Bayern und auch vom Rest der Bundesrepublik hat sie inzwischen einiges gesehen. Über 23 000 Kilometer hat ihr Auto – natürlich milchweiß lackiert – seit der Ernennung hinter sich gebracht.

Das Schönste an ihrem Amt sind für die Studentin allerdings nicht die Termine auf Volksfesten. „Es ist immer wieder unglaublich, wenn ich mit Kindern zu tun habe“, erzählt Weidinger. Denn als Milchbotschafterin geht sie auch in zahlreiche Kindergärten.

Dabei trägt sie stets ihre Arbeitskleidung: Dirndl und Diadem. „Die Kinder halten mich für eine richtige Prinzessin und fragen, wie mein Schloss aussieht.“ Ihre Antwort: ein Bauernhof. Denn die Eltern der 23-Jährigen arbeiten selbst in der Milchwirtschaft und haben etwa 100 Kühe im Stall in Breitenberg bei Passau. Da steht auch die Milchprinzessin selbst häufig mit Gummistiefeln im Kuhmist. „Das muss man auch“, findet Weidinger. „Nur so kann man authentisch sein.“

Aber nicht nur zu Volksfesten oder in Kindergärten wird Weidinger eingeladen. Auch auf Messen ist sie häufig ein Ehrengast. Anfang des Jahres vertrat die 23-Jährige das Milchland Bayern bei der Grünen Woche in Berlin. Dort stand sie neben Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am Bayernstand. Im März ging es für Weidinger gar um die halbe Welt: In den brasilianischen Metropolregionen Sao Paulo und Porto Alegre warb die 23-Jährige für die bayerische Milchwirtschaft. „Das war mit das Aufregendste für mich“, berichtet die Studentin. Allerdings habe sie vom Land kaum etwas gesehen, da sie ein sehr straffes Programm absolvieren musste. „Natürlich ist das schade, aber ich war eben geschäftlich dort.“ Mindestens einmal pro Woche steht ein Termin in Weidingers Kalender, manchmal auch längere Reisen wie die Brasilienfahrt.

Die Konsequenz daraus lag für die Studentin von Anfang an auf der Hand: „Ich bin mitten im sechsten Semester Milchprinzessin geworden und hätte meine Abschlussarbeit nebenbei schreiben müssen.“ Daher verlängerte sie ihr Studium um ein Jahr: Ihr Studiengang „Politik und Gesellschaft“ an der KU ist auf sechs Semester ausgelegt, Weidinger hängte zwei weitere an.

Bereut hat sie diesen Schritt nicht. „Ich habe die Zeit sinnvoll genutzt“, sagt sie. Denn durch ihr Amt habe sie einerseits viel gelernt und gesehen. Andererseits habe die 23-Jährige zahlreiche Kontakte geknüpft: Nicht nur mit Ilse Aigner absolvierte sie Termine, sondern auch mit zahlreichen weiteren Bundes- und Staatsministern, darunter Helmut Brunner, Bayerns Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Da Weidinger mit dem Gedanken spielt, später vielleicht auf dem Gebiet der politischen Kommunikation zu arbeiten, seien diese Bekanntschaften eventuell „Connections für meine eigene Zukunft“. Ganz sicher ist sie sich allerdings nicht, welchen Weg sie einschlagen möchte: „Wie es für mich weitergeht, das zeigt sich noch.“

Ihre Zeit in Eichstätt neigt sich bereits dem Ende. Ihre Bachelor-Arbeit über die Integration von Migranten hat sie schon lange abgegeben, eigentlich wartet sie nur auf ihr Abschlusszeugnis. Selbst in ihrem Appartment an der Westenstraße wohnt inzwischen ein Nachmieter. „Ich habe noch engen Kontakt zu meinen Freunden hier, daher komme ich schon noch vorbei“, sagt die Studentin.

An ihre vier Jahre in der Domstadt denkt sie aber gerne zurück. Für die Milchprinzessin geht es nun allerdings zurück auf den Hof der Eltern nach Breitenberg – vorerst zumindest. Denn für ein weiteres Jahr ist sie noch als Milchprinzessin unterwegs.