Eichstätt: Die Brücke zum Endkunden steht
Foto: Richard Auer
Eichstätt

Das Allerheiligste befindet sich in einem gut abgesperrten Raum im ehemaligen Telekom-Gebäude an der Webergasse: Dort sind seit Jahrzehnten die Kupferkabel-Leitungen für die Eichstätter Kabelanschlüsse gebündelt. Vor zwei Jahren wurde Kabel Deutschland von Vodafone übernommen - und Vodafone hat seit dem vergangenen November seinen eigenen Hauptverteiler am Marktplatz über ein dickes Glasfaserkabel mit den Kabel-Anschlüssen an der Webergasse verbunden.

Es ist nur ein kleiner Lückenschluss, nur 500 Meter lang. Aber er hat große Wirkung: Vodafone kann dank dieser Baumaßnahme jetzt nahezu das gesamte Eichstätter Stadtgebiet mit schnellen Internetzugängen versorgen. Sowohl Privatkunden als auch Geschäftskunden haben Zugang zum kompletten Angebot. Vodafone muss nicht mehr auf Mietleitungen der Telekom zurückgreifen.

Privatkunden können wahlweise mit einer DSL-Flatrate bis zu 16 Megabit pro Sekunde Daten übertragen, über einen VDSL-Tarif sind sogar Surfgeschwindigkeiten bis 100 Megabit drin. Geschäftskunden aber erhalten als neues Angebot Bandbreiten bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Erste Firmenkunden werden noch in diesem Monat an das superschnelle Breitbandnetz angeschlossen.

Klaus Metzger, bei Vodafone für den Geschäftskundenbetrieb zuständig, und sein Bruder Christian, der als Projektleiter tätig ist, erklärten beim Pressegespräch, was es mit dem neuen Angebot auf sich hat. Eichstätt, so sagt Klaus Metzger, sei für Vodafone immer schon "hochinteressant" gewesen, auch zu der Zeit, als Vodafone noch ein reiner Mobilfunkanbieter war. Das Vodafone-Mobilfunknetz für die Stadt sei sehr gut, die großen Sendemasten stünden perfekt, dazu kämen weitere Antennen, etwa auf dem Dach des Osram-Werks. Jetzt, durch die Übernahme von Kabel Deutschland vor zwei Jahren, habe der Konzern eine neue Strategie - den massiven Einstieg in die Festnetz-Technik und somit die direkte Konkurrenz zur Telekom. Für die Koppelung der Netze sei ausgerechnet Eichstätt mit seiner enormen Dichte an bestehenden Kabelanschlüssen (85 Prozent der Haushalte) perfekt geeignet und sei deswegen in den Fokus gekommen. "Da ist Eichstätt jetzt ganz vorne." Und neben den Privatkunden gebe es in der Stadt eine Reihe von richtig interessanten Großkunden mit einem gewaltigen "Bandbreitenhunger". Die Großkunden brauchen im Unterschied zu den Privaten für ihren riesigen Datenverkehr eine "Bandbreitengarantie" und dicke, direkt geführte Glasfaserleitungen. Vodafone sieht denn auch den Brückenschlag zwischen Marktplatz und Webergasse nur als ersten Schritt. Schon in diesem Frühjahr wird erneut gebuddelt: Dann wird vom DSL-Knotenpunkt am Marktplatz (zwischen EICHSTÄTTER KURIER und Willibaldsbrunnen) eine unterirdische Leitung zum Residenzplatz mit seinen verschiedenen Behördensitzen geführt. "Eigentlich geht's um Geschäftskunden - und die Privaten profitieren davon", räumen die Vodafone-Leute ein. Dass sich die Investition lohnt, steht für die Metzgers außer Zweifel. Die Nachfrage sei groß, das Engagement sei "in der Hauptsache kundengetrieben". Soll heißen: Hier geht es ganz klar um ein lukratives Geschäft. "Wir bauen das Ganze ohne einen Cent Fördermittel."

Am 2. Februar ist das neue Breitbandnetz wie geplant in Betrieb gegangen. Die Technik steht, nach und nach werden im Laufe des Monats die ersten, auf einer Warteliste aufgeführten Firmenkunden aufgeschaltet.

Und auch nach der Residenzplatz-Ankopplung will Vodafone in Eichstätt am Ball bleiben. Das Gewerbegebiet Sollnau sei seit vergangenem März dank der großen LTE-Basisstation bei Osram "grundsätzlich sehr gut versorgt", mit SDSL-Bandbreiten bis zehn Megabit. Für die allermeisten Kunden, 90 bis 95 Prozent, sei das mehr als genug. Und für die anderen könnte es bei entsprechender Nachfrage vielleicht bald weitere Baumaßnahmen geben. Projektleiter Christian Metzger: "Das Gewerbegebiet ist im Fokus."