Eichstätt: Pikante Mail
Die Schuhfabrik in der Clara-Staiger-Straße in Eichstätt: Der Eigentümer denkt über eine Verlagerung der Produktion nach, anstelle des alten Gebäudes könnten hier neue Wohnhäuser entstehen. Anliegern erscheinen diese allerdings überdimensioniert. In diesem Zusammenhang tauchte eine interne Mail aus dem Stadtbauamt auf, wonach es Zweifel daran gebe, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfüge. - Foto: Knopp
Eichstätt

Eichstätt (EK) Das wirft nicht unbedingt ein gutes Licht auf die Arbeit im Eichstätter Rathaus: Es geht um eine nach außen gelangte Mail eines Bauamtsmitarbeiters an Stadtbaumeister Manfred Janner, die unterschiedliche Auffassungen zu einem umstrittenen Vorhaben offenlegt. Offiziell wird aber Einigkeit demonstriert.

Konkret handelt es sich um ein Objekt in der Clara-Staiger-Straße 86: Hier liebäugelt der Eigentümer der dortigen Schuhfabrik mit einem Umzug. Anstelle des Produktionsgebäudes soll dort ein Mehrfamilienhaus entstehen. Das Vorhaben wurde bereits im März im Bauausschuss behandelt. Das Ergebnis: Es müsse nachgebessert werden, weil der geplante Baukörper zu mächtig erschien. Vor allem Anlieger hatten sich massiv beschwert.

Am Donnerstagabend nun sollten die - überarbeiteten - Pläne erneut auf den Tisch kommen, doch der Bauausschuss stellte den Punkt kurzerhand zurück. Eine genauere Begründung gab es dafür nicht - es wurde lediglich etwas von "nachbarschaftlichen Belangen" gemurmelt. Offenbar lassen die Anlieger nicht locker: Statt eines Riegels soll es nun zwar vier dreigeschossige Baukörper mit insgesamt 15 Wohnungen geben, doch auch diese hält die Anliegergemeinschaft nicht passend für das von zweigeschossigen Häusern geprägte Wohngebiet. Ein entsprechendes Schreiben war kurz vor der Sitzung den Mitgliedern des Gremiums zugegangen.

Dieses Schriftstück hat es allerdings in sich: Denn Bestandteil ist auch der Inhalt einer Mail eines Mitarbeiters des Stadtbauamts an Stadtbaumeister Manfred Janner. Demnach habe er, der Mitarbeiter, "auf die Schnelle eine Bauausschussvorlage zu oben genanntem Bauvorhaben gezimmert, die man zur Not für die nächste Sitzung verwenden könnte". Ob sich das Vorhaben "nach dem Maß der baulichen Nutzung objektiv in die Umgebung einfügt, hängt auch davon ab, wie weit man die ,nähere Umgebung' fasst", heißt es weiter: "Dies lässt sich auf die Schnelle nicht beurteilen, es bestehen Zweifel. Dennoch habe ich die Vorlage so gestaltet, wie es nach den letzten Vorgesprächen sicherlich in Ihrem Sinne zur Beschlussfassung gestellt werden soll (,Fügt sich ein')."

Stadtbaumeister Manfred Janner bestätigte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung zunächst einmal "gar nichts". Es handle sich um einen internen Vorgang. Natürlich sei es normal, dass es auch im Bauamt "die und die Meinung" gebe, aber letztlich stehe "die gesamte Mannschaft" hinter dieser Vorlage: "Da wurde nichts zusammengeschustert."

Im öffentlichen Teil der Sitzung des Bauausschusses war von diesem Vorgang nicht weiter die Rede, in der nicht öffentlichen Vorbesprechung dagegen schon, wie zu erfahren war. SPD-Fraktionschef Stefan Schieren wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Aber: "In den Gremien wird sicherlich noch darüber zu sprechen sein." Oberbürgermeister Andreas Steppberger war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kommentar

 

Mitglieder des Bauauschusses und des Stadtrats haben sich ja scho öfter darüber beschwert, dass der Stadtbaumeister zuweilen mit ihnen Schlitten fährt. Zu wenig Informationsfluss, zu dürftige Vorlagen - das Thema ist nicht neu. Mit dem Auftauchen dieser internen Mail hat es aber eine neue Qualität bekommen. Was nicht passend ist, wird - auf dem Papier - passend gemacht, scheint zumindest in diesem Fall das Motto zu sein. Eigentlich erstaunlich, denn Manfred Janner gilt eher als harter Hund, was das Nachgeben bei "Extrawünschen" von Bauherren betrifft.

Die Luft könnte nun dünn werden für "Napoleon" Janner, denn die Mitglieder des Bauauschusses dürften sich durch das zweifelhafte Gebaren reichlich veräppeln und brüskiert vorkommen. Diese Steilvorlage werden sie sich vermutlich nicht entgehen lassen.

Jürgen Knopp