Eichstätt: Neuer Vorstoß zum Thema Jugendarbeit
Lockerer Austausch beim Billard: Für Jugendzentrums-Leiter Bernd Zengerle (rechts) ist der offene Treff eine Gelegenheit, einen Einblick in die Lebenswelt der Jugendlichen zu bekommen und gegebenenfalls zu beraten. Um neben dieser Kernarbeit beispielsweise auch Erlebnispädagogik wie Mountainbiken oder Klettern anbieten zu können, bräuchte er Unterstützung durch eine zweite Vollzeitstelle. - Foto: Poese
Eichstätt

Für Klaus Bittlmayer, den Jugendbeauftragten für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, ist der Fall klar: Eine zweite pädagogische Stelle in der Eichstätter Jugendarbeit ist schon lange überfällig. Denn das Jugendzentrum der Stadt (Juze) ist ein Ein-Mann-Betrieb: Bernd Zengerle ist Leiter und Pädagoge in einem. Das bringt ganz praktische Probleme mit sich: Wenn Zengerle einmal krank ist oder sich fortbilden will, gibt es keine Vertretung. Und in der Jugendarbeit gilt eigentlich das paritätische Prinzip, es muss Angebote für Mädchen und Jungs geben. "Ich könnte versuchen, Mädchenarbeit anzubieten, das ist aber sinnlos", meint der Juze-Leiter. Das heißt: Eine gut qualifizierte Frau zur Unterstützung würde viele Probleme lösen. Das Haus der Jugend habe neben dem sozialpädagogischen Auftrag auch eine wichtige Bildungsfunktion für Demokratieerziehung und Aufklärung in Zeiten von Fakenews und Populismus, und zwar abseits schulischer Zwänge. Um bei diesen Themen noch mehr bewegen zu können, braucht Zengerle aber Verstärkung. "Das ist absolut dringend", sagt er. Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Schon 2002 hatte das Kuratorium Haus der Jugend, in dem unter anderem Stadtratsmitglieder und auch der Oberbürgermeister sitzen, einen Bedarf für eine zweite Stelle festgestellt.

Der Stadtrat setzte bei der Haushaltsplanung für 2017 jedoch andere Schwerpunkte. Die Jugendarbeit ist zwar eigentlich im Stellenplan vorgesehen, kam dann aber nicht zum Zug. Das wollte Klaus Bittlmayer so nicht stehen lassen: In einem Schreiben hat er sich nicht nur an die Stadt, sondern unter anderem auch an die Kommunalaufsicht, an das Landesjugendamt und den Bayerischen Jugendring gewandt (wir berichteten).

Damit verfolgte Bittlmayer gleich mehrere Ziele: erstens die Stadt auf den "Fehler", wie er sagt, im Haushalt hinzuweisen. Zweitens zu klären, ob er mit dieser Ansicht aus rechtlichter Perspektive richtig liegt. Und drittens herauszufinden, ob nicht vielleicht der Landkreis bei der Finanzierung auch mit im Boot sein könnte.

"Pflichtaufgabe" ist das Stichwort, auf das Bittlmayer hinauswill. Und darin bekommt er jetzt Rückendeckung: Mehrere Behörden haben ihm in Antwortschreiben bestätigt, dass eine Stadt in der Größe Eichstätts zwei Stellen in der Jugendarbeit einrichten und bezahlen muss: Von einer Pflichtaufgabe sprechen die Kommunalaufsicht, das Jugendamt Eichstätt und das Bayerische Landesjugendamt. Im Schreiben des Bayerischen Jugendrings wird sogar darauf hingewiesen, dass er in seinen "Mindeststandards" eine "personelle Ausstattung der Jugendzentren mit mindestens zwei Fachkräften" empfiehlt. Klaus Bittlmayer sieht sich bestätigt: "Wir diskutieren hier nicht über die Kür."

Auch bei der Finanzierung bieten die Schreiben Antworten. Spannend fand der Grünen-Jugendbeauftragte die Frage, ob die Stadt überhaupt in der Lage ist, eine zweite Stelle zu stemmen. Die Kommunalaufsichtsbehörde ist laut dem Brief der Ansicht, dass die Stadt die Finanzierung der zweiten Vollzeitstelle leisten kann, "wie aus den entsprechenden Beurteilungen zum Haushalt hervorgeht". Der Bayerische Jugendring schreibt ergänzend dazu, dass aus dem entsprechenden Gesetz (Artikel 30 AGSG) Folgendes hervorgehe: Sollte die Stadt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangen, "dann hätte der Landkreis nach Satz 4 die Aufgabe, die notwendigen Leistungen und Ressourcen [...] subsidiär selbst sicherzustellen".

Klaus Bittlmayer könnte es sich vorstellen, dass eine Verteilung der Last auf Stadt und Landkreis sinnvoll sein könnte, beispielsweise in Form von Zuschüssen. Allerdings bedeute das für den Kreis nicht weniger als einen "Paradigmenwechsel", meint er. Denn bislang sei die Devise: Jugendarbeit ist vor allem Aufgabe der Kommunen. Das noch einmal zu überdenken, regt auch Bernd Zengerle an. Dem Juze-Leiter ist es zunächst wichtig, eine zweite Stelle in seinem Haus zu haben. Doch auch bei der mobilen Jugendarbeit gibt es seiner Meinung nach Bedarf: und zwar nicht nur in der Stadt, sondern auch auf den Dörfern. Das sei womöglich ein guter Punkt, an dem der Landkreis angreifen könne.

"Für mich ist es logisch, dass man sofort handelt", sagt Bittlmayer. Eine Besetzung der Stelle zum 1. Januar wäre für das Juze ein gutes Signal, meint er. Der Stadtrat hatte sich im Juli darauf geeinigt, über die Angelegenheit zu diskutieren, sobald die Antworten der Behörden vorliegen. Einige fehlen noch. Man werde die Schreiben dann auswerten und "sachlich erörtern", sagt die Zweite Bürgermeisterin Claudia Grund auf Nachfrage. Derzeit hat das Gremium Sommerpause.