28 Jahre jung, erfolgreicher Unternehmer und Chef von aktuell acht Angestellten: Thomas Hirsch. Der Eichstätter hat heuer den Gründerpreis Ingolstadt bekommen.
28 Jahre jung, erfolgreicher Unternehmer und Chef von aktuell acht Angestellten: Thomas Hirsch. Der Eichstätter hat heuer den Gründerpreis Ingolstadt bekommen.
Schneider
Eichstätt

Erst vor wenigen Monaten ist Thomas Hirsch mit seinen derzeit fünf Vollzeitangestellten und den drei Aushilfskräften aus der Innenstadt ganz ins Eichstätter Industriegebiet umgezogen, hat eine eigene, kleine Fertigungshalle. Ab September bildet sein Unternehmen aus, im Oktober fangen noch einmal drei Vollzeitangestellte an und bis Ende des Jahres will er noch einmal einen Arbeitsplatz schaffen. Das, sein Werdegang, sein Auftreten bei der „Nacht der Gründer“ in Ingolstadt und offensichtlich auch die von ihm eingereichten Unterlagen haben die Jury überzeugt: Hirschs Firma, die „Hirsch Engineering Solutions GmbH & Co. KG“ hat im April in Ingolstadt den Gründerpreis in der Sparte „Dienstleistung“ gewonnen. Und darauf ist Hirsch ziemlich stolz.

Dabei wäre es beinahe nichts geworden mit diesem Preis. Den ersten Abgabeschluss für den Businessplan hat Thomas Hirsch (28) im vorweihnachtlichen Trubel nämlich schlicht übersehen. Im Nachhinein dürfte es dann durchaus als glückliche Fügung zu sehen sein, dass die Möglichkeit zur Einreichung der Unterlagen noch einmal um vier Wochen in den Januar hinein verlängert worden ist, zwei Tage vor Schluss lag die Bewerbung im Briefkasten. Die Phase des Wartens...

„Natürlich fährt man mit einer gewissen Erwartungshaltung zu so einer Preisverleihung“, sagt Hirsch heute. Aber er habe ja auch um die Konkurrenz gewusst, die es gegeben habe. Als es dann so weit war und sein Name fiel, da hatte Hirsch nur noch einen Satz auf den Lippen: „Es ist geil, Gründer zu sein!“, rief er und holte sein Team auf die Bühne. Denn, das ist ihm wichtig: Nicht er habe gewonnen, sondern „wir“. Auch, wenn er den Anstoß für die Firma gegeben hat und es letztlich ja Hirsch alleine war, der den „Sprung ins Haifischbecken“ gewagt hat, 2016. Nach einem Jahr der gründlichen Vorbereitung. „Das ist das, was bei vielen Gründern oftmals schiefgeht: Dass man sich nicht ausreichend informiert und mit allen Details beschäftigt.“ Dafür habe er sich Zeit genommen. Denn: „Selbstständig gemacht hat man sich gleich, aber es gibt so viele Hürden.“ Außerdem hat er zu diesem Zeitpunkt schon Erfahrungen mitgebracht – nicht nur aus der Lehrzeit, die er nach dem Abschluss der Realschule 2005 in einem Eichstätter Unternehmen absolviert hat. Abgeschlossen hat er die Ausbildung mit einem Staatspreis. 2010 meldet Hirsch sein eigenes Gewerbe an, „ohne die Selbstständigkeit im Hinterkopf zu haben“, füllt den Antrag im Café aus, konstruiert nebenbei in der Freizeit und baut sich so schon einen kleinen Kundenstamm auf.

2011 wechselt er die Festanstellung, bleibt aber seinem kleinen Privatunternehmen treu. „Das habe ich immer weiter ausgebaut.“ Wobei es das „ich“ in dem Fall eigentlich nicht genau trifft. Das Ganze hat sich schon selber ausgebaut, auch durch die entsprechenden Kontakte, die Hirsch hatte und vor allem pflegte. 2014 holt er sich zwei 450-Euro-Kräfte. Und aus diesem Turbogang hat der 28-jährige Jungunternehmer nicht heruntergeschaltet in seiner eigenen Firma, als er dann langsam aber sicher aus dem Angestelltenverhältnis ausgestiegen ist – zunächst stundenreduziert und schließlich ganz. Dabei ist ihm eines bewusst: „Es geht nicht ohne die Mitarbeiter.“ Und der Gründerpreis, der in seinem kleinen Empfangsraum auf dem Tresen steht, sei eine „riesige Motivation“ für alle gewesen.

Dieses „Wir“ ist es offenbar auch, was das Unternehmen des 28-Jährigen als Arbeitgeber attraktiv macht: nicht nur, dass er zu rund 80 Prozent für die Automobilbranche in der Werkzeugfertigung, im Maschinenbau, im Entwicklungs- und Konstruktionsbereich und damit für einen boomenden Sektor arbeitet. „Wir sind ein junges Team, das etwas Neues aufbaut.“

Einen Fachkräftemangel spürt er gerade deswegen nicht. „Wir bekommen viele Initiativbewerbungen.“ Und bei Bewerbungsgesprächen fällt immer wieder der gleiche Satz, erzählt Hirsch: „Hier entsteht etwas, hier wächst etwas, an dem ich mitwirken möchte.“ Ganz aktuell übrigens: eine eigene Fertigung. Damit ist er dann auch für die Kunden, deren Referenzliste mittlerweile weit über Bayern hinausreicht, flexibler, kann gleich im Haus produzieren und muss nicht mehr an externe Firmen vergeben.

Dass er jetzt nicht nur die Halle hat, sondern daneben auch weiterhin repräsentative Geschäftsräume, ist ihm wichtig, gerade wenn man neu auf dem Markt sei. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, sagt Hirsch und lacht. Sein erster Eindruck vor der Jury des Gründerpreises hat auf jeden Fall überzeugt.

SERIE

Fünf junge Unternehmen aus der Region sind mit dem Ingolstädter Gründerpreis ausgezeichnet worden. Weil in der Berichterstattung über die Prämierung fast kein Platz für Würdigung der Ideen oder der bereits erfolgreichen Umsetzung war, stellen wir die Sieger des Wettbewerbs jetzt vor – heute die Firma Hirsch Engineering Solutions aus Eichstätt. Wer sich für die nächste Runde des Gründerpreises bewerben möchte, kann sich unter der Netzadresse gruenderpreis-in.de informieren. Die heiße Phase startet im Herbst. | EK