Jürgen Knopp
Eichstätt

Zugegeben: Der Samstag geht recht beschaulich los. Langsam tröpfeln die Leute in die Altstadt, von der Dachterrasse des Müller-Hauses am Marktplatz herunter bestreiten die Möckenloher Turmbläser und die Ehemaligen Rebdorfer Bläser sozusagen das Eröffnungskonzert. Dann geht es auf der großen Bühne Schlag auf Schlag weiter – unter anderem mit den Blas-Tast’n-Zupfa, den Dudlmädl und der Blechbuammusi. Auch die Gasthäuser werden beschallt. Zwei Ehepaare aus Roth lauschen auf der Domcafé-Terrasse begeistert der Schmankerlmusi: „Morgen kommen wir wieder.“ Und Touristen in knallbunten Fahrradklamotten strahlen so glücksselig, als seien sie mitten im bajuwarischen Paradies gelandet.

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Derweil liefern sich einige Meter weiter bei Schneiders der Wirt und die Gaudinockerl eine Art Schnapsduell: „Ihr kommt’s mir net aus. Prost!“, so der Schneider Schorsch sehr zur Gaudi des Publikums. Und so hat der Volksmusiktag überall seine kleine Ecken, in denen gefeiert und musiziert wird. Die kleinste dürfte wohl die im Innenhof von Susanne Wein in der Pfahlstraße sein: ein paar Quadratmeter, mehr nicht. Petra und Tamara Tratz aus Lippertshofen singen aber auch gern nur für eine Handvoll Zuhörer. 

Eine der Zentralen ist freilich der Domplatz: Hier drehen schon am Nachmittag Paare auf dem Tanzboden ihre Runden. Und an und in der Johanniskirche lockt der Mittendrin-Markt: beispielsweise mit einem sehr ungewöhnlichen Alphorn to go. Vogelhorn nennt sich das eigenwillig gestaltete Instrument. Motto: „Der Schall liebt es eckig.“ Am Abend brummt’s dann am Marktplatz: Hunderte Zuhörer verfolgen die einstündige Live-Übertragung von „BR Heimat“ mir der Mittendrin-Musi, der Schmankerlmusi und der Ruaßkuchlmusi. Mitttendrin-Chef Dominik Harrer und seine Gattin Ingrid geben Liedgut mit Lokalkolorit zum Besten: „In Eichstätt ist’s so wunderschön.“ Wunderschön und herrlich entspannt ist es auch anschließend am Domplatz, als die Tanngrindler Musikanten zum Volkstanz aufspielen. 

Der Sonntag beginnt mit dem großen Frühschoppen-Standkonzert am Residenzplatz mit der Stadtkapelle Eichstätt, der Blaskapelle Möckenlohe und der Blaskapelle Denkendorf – bei strahlendem Sonnenschein, aber nicht zu heiß. Etliche weitere Programmpunkte schließen sich an. Die Menschen strömen in die Stadt – die Schätzungen liegen bei 8000 bis 10 000 Besuchern pro Tag –, es herrscht eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. In der Gutenberggasse gibt es Moritaten, und der Pater-Philipp-Jeningen-Platz ist den „jungen Wilden“ vorbehalten. Hier präsentieren sich etwa die „Stadtpfeifer“ und zahlreiche Nachwuchsmusikanten der Grundschulen.