Eichstätt: Der "einzige grüne Halm" bleibt stehen
Der Sportplatz an der Westenstraße ist von der Grundschule St. Walburg nicht nur bei ihrem jährlichen Sportfest rege genutzt. Auch für die florierende Nachmittagsbetreuung ist das große Freigelände nach Ansicht von Schulleitung und Eltern unverzichtbar. ‹ŒArch - foto: Josef Praml
Eichstätt

Am Montagfrüh hatte Elternbeiratsvorsitzende Sonja Greisel als Erste bei der Zeitung Alarm geschlagen: Es bestehe konkrete Gefahr, dass die Schule das Sportgelände verlieren könnte. Die Information dazu kam vom ehemaligen Oberbürgermeister Arnulf Neumeyer, der sich auf entsprechende recht konkrete Äußerungen in der jüngsten Bauausschusssitzung berief. Der Hintergrund für die ganze Sache ist, dass die 75-Meter-Tartanbahn auf dem Sportplatz nach 30 Jahren dringend saniert werden muss und die Idee aufkam, lieber den alten Hartplatz an der Grundschule Am Graben, bisher schnöde als Parkplatz genutzt, für beide Schulen auszubauen. In diesem Zusammenhang könnte man dann gleich den ganzen Sportplatz in der Westen aufgeben. Wie konkret auch immer diese Überlegungen waren: Schulleiterin Bettina Sterner, seit 2013 im Amt, war "vom Donner gerührt", wie sie sagt. "Wir wären mit dieser Lösung auf keinen Fall einverstanden." Gegenüber unserer Zeitung schilderte sie ausdrücklich, warum die aktuell 192 Kinder ihrer Schule diesen Rasenplatz unbedingt brauchen.

Oberbürgermeister Andreas Steppberger zeigte sich im anschließenden spontanen Pressegespräch überrascht von der Dynamik - die Schulkinder zum Beispiel hatten sogar schon eine Demonstration ins Gespräch gebracht. "Es gab diese Überlegung im Stadtrat, dass dieser Hartplatz Am Graben gemeinsam genutzt werden könnte, und diese Überlegung kam aus der Verwaltung - aber da gibt's keinen Beschluss und nichts." Er ließ sich noch kurz über die Argumente der Schule informieren, und dann legte sich Steppberger fest: "Aus meiner Sicht bleibt dieser Sportplatz erhalten. Die Schulleitung spricht sich klar dafür aus, und dem schließe ich mich an. Da gibt es wirklich vernünftige Gründe, auch im Hinblick auf die Ganztagsbetreuung der Kinder." Was mit der maroden Laufbahn passiert, ist da eher zweitrangig: Ursprünglich sollte sie schon diesem Jahr erneuert werden, aber dann war die Renovierung des Bodens im Werkraum dringender und wurde deshalb im allgemeinen Einvernehmen vorgezogen. Damit muss der Stadtrat die Laufbahn nun neu in den nächsten städtischen Haushalt einstellen: mit 50.000 Euro, was bei der Sparpolitik der Stadt kein Pappenstiel ist. Aber auch da meinte der OB: "Wir werden die Laufbahn wieder anmelden."

Bei der Schulleiterin war die Erleichterung über die klare Aussage des OB gestern riesengroß. Denn wie sie schilderte, ist der noch mindestens bis zum Jahr 2022 angemietete Sportplatz für die Schule wirklich unverzichtbar. Der Platz ist für die Schulklassen leicht zu Fuß erreichbar, und er wird den ganzen Sommer über genutzt, wenn es das Wetter nur irgendwie zulässt. Und zwar nicht nur für den Schulsport, sondern mindestens ebenso sehr im Rahmen der Ganztagsschule. Die Grundschule St. Walburg ist in Sachen offene Ganztagsbetreuung ein Vorreiter: In Kooperation mit dem Kinderschutzbund und der Einrichtung Tabeki werden aktuell fünf Schülergruppen mittags und nachmittags betreut, mit 87 Kindern fast genau die Hälfte aller Kinder mit unterschiedlich intensiver Nutzung der angebotenen Zeiten. Nachdem die frisch renovierte und lärmgedämmte Sporthalle von St. Walburg sehr klein ist, ist der Rasenplatz in der Westenstraße für die Betreuer das Maß aller Dinge. Denn der Pausenhof ist zugleich der Hof des Klosters St. Walburg und seiner Gäste und nachmittags von Autos der Feriengäste, Lieferanten und Kirchgänger belegt. "Unser einziger grüner Fleck und Austobplatz ist dieser Sportplatz", sagt Rektorin Sterner. "Wir haben ansonsten nicht einen einzigen grünen Grashalm".

Das sah dann auch der Oberbürgermeister so.
 

Kommentar

Ein Sturm im Wasserglas? Man möchte es gerne glauben, dass da nur ein paar Schulleute hysterisch reagiert haben auf eine dünne Information, wonach ihr Schulsportplatz plötzlich im Feuer stünde. Aber die Erfahrung lehrt, dass es in Eichstätt nichts schadet, wenn man (bildlich gesehen) das Gras wachsen hört – und dann rechtzeitig Alarm schlägt. An der Grundschule St. Walburg erinnert man sich nur zu gut an die Situation vor etwa zehn Jahren: Damals sanken in der Stadt die Schülerzahlen, und aus heiterem Himmel brach im Rathaus die Diskussion los, ob man St. Walburg nicht einfach der größeren, moderneren und ziemlich selbstbewussten Grundschule Am Graben zuschlagen könnte. Da waren zuvor eifrig Strippen gezogen worden, denn so läuft es in der Politik. Es dauerte damals ziemlich lange, beinahe zu lange, bis man an der auf sympathische Weise altmodischen Schule St. Walburg den Kampf aufnahm. Es ging dabei nicht um die Rettung irgendwelcher Rektorenstellen, sondern durchaus um den Erhalt der Schule als solche. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist die Aufregung um den Sportplatz nachvollziehbar als ein „Wehret den Anfängen“. Auch die Salami- Taktik ist nämlich ein bewährtes Prinzip der praktischen Politik.

Richard Auer