"Eine nach wie vor günstige Situation", nennt Stephan Vielberth, Leiter der Agentur für Arbeit Eichstätt, die im vergangenen Jahr durchschnittliche Arbeitslosenquote von 1,5 Prozent (2016: 1,4 Prozent, 2015: 1,3 Prozent) und die rund 1000 Arbeitssuchenden im Landkreis Eichstätt. "Der Jahresstart war etwas holprig, unter anderem auch durch die negativen Auswirkungen des Abgasskandals auf die Wirtschaft", erklärt Vielberth. Mit Hilfe des "Sicherungsmodelles" Zeitarbeit habe man aber häufig den Weg in die Arbeitslosigkeit vermeiden können. Und zur Jahresmitte habe der Arbeitsmarkt dann wieder an Dynamik gewonnen.

Auch Peter Kundinger, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Ingolstadt, beschreibt den regionalen Arbeitsmarkt als "hoch dynamisch". Die Zahl der Beschäftigten im Landkreis ist im Vergleich zum Jahr 2016 um 787 auf insgesamt 39 449 angestiegen. Zudem hat auch die Entwicklung offener Stellen einen konstanten Zuwachs zu verzeichnen. Jahresdurchschnittlich waren bei der Agentur für Arbeit 724 zu vergebende Stellen gemeldet. "Es bleibt weiter schwer, den Fachkräftemangel zu decken", weiß Vielberth und erklärt, "dass die Passung zwischen den Anforderungen der Arbeitgeber und den Fähigkeiten sowie Kenntnissen der Arbeitssuchenden eine Herausforderung ist". Dennoch versuche man mit allen "Besetzungs- und Ausgleichsmöglichkeiten" die Situation positiv zu unterstützen.

Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt wird auch anhand der 5035 Zugänge in und 5110 Abgänge aus der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr deutlich. Hier sei zu berücksichtigen, dass es nicht nur "marktgängige" Bewerber gebe, sagt Vielberth und meint damit die unterschiedlichen Voraussetzungen - unter anderem Fachkompetenz, Mobilität, Wohnort und Alter - der Arbeitssuchenden. "Gute Beratungs- und Vermittlungsarbeit sollte frühstmöglich eingesetzt werden, dazu gehören beispielsweise Zusatz- oder Teilqualifikationen, betriebsinterne Förderungen oder Probearbeiten", erklärt der Leiter der Arbeitsagentur.

Dabei müsse auch die "Auswirkung der Migration" berücksichtigt werden, fügt Jürgen Croce, Geschäftsführer des Jobcenters, hinzu. Während 2016 noch 130 Menschen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern arbeitslos gemeldet waren, lag die Zahl vergangenes Jahr bei 64. Grund der Senkung seien Sprachkurse, denn "wer einen solchen Kurs besucht, ist nicht arbeitslos", erklärt Croce. Die Sprachbarriere sei ohnehin bei Stellenvermittlungen ein bestehendes Problem. Nach einem etwa zweijährigen Programm habe lediglich ein Drittel das B1-Niveau (Hauptpunkte in klarer Standardsprache verstehen können) erreicht.

Insgesamt 5064 ausländische Sozialversicherungspflichtige waren 2017 im Landkreis beschäftigt. Das macht eine "überproportionale Zunahme" von 549 zum Vorjahr aus. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern hat mit insgesamt 186 ein Plus von 88 zu verzeichnen. "Das ist nicht überragend, die ursprünglich erwartete Dimension bleibt aus", weiß Vielberth. Bestehende Qualifizierungen entsprächen oftmals nicht den hiesigen Ansprüchen der Arbeitgeber. Auch bei den Betriebsabläufen bestehe bei ausländischen Arbeitnehmern oftmals "Nachholbedarf" in Sachen geregelter Arbeitsalltag, -rhythmus und -zeiten. "Im Durchschnitt braucht es bis zu drei Anläufe, also Stellenwechsel, zum Einlernen", meint Croce. Daher sollen künftig Teilqualifizierungen in Branchen wie Gastronomie oder Bau verstärkt werden, in denen eine höhere Fluktuation "normal" sei.

2017 gab es auf dem Ausbildungsmarkt elf unversorgte Bewerber und 91 unbesetzte Ausbildungsstellen. "Dieses Phänomen ist nicht landkreisspezifisch, sondern zieht sich durch ganz Bayern", weiß Vielberth. Zum einen gebe es einfach nicht genug Bewerber, auch weil der Trend zu höheren Schulabschlüssen weiter anhalte. Zum anderen fehle immer wieder die Passgenauigkeit zwischen Angebot und Nachfrage. "Trotzdem treffen im Landkreis Eichstätt viele Idealstrukturen zusammen", sagt Vielberth und meint damit unter anderem Betriebsansiedlungen und daraus resultierende wirtschaftliche Entwicklungen und Stellenangebote. Auch durch den Kontakt mit Schulen und deren Abgängerzahlen könne der Ausbildungsmarkt besser kontrolliert werden. Aus Sicht von Jürgen Croce sind genauso junge Flüchtlinge für diesen Markt relevant und einsetzbar. "Hier ist eine intensivere Betreuung des Azubis notwendig und der Arbeitgeber muss dazu bereit sein, mehr Zeit und Hilfe zu investieren." Dabei scheitere es nicht unbedingt an praktischen Fähigkeiten, sondern vielmehr am Verständnis der Theorie, die meist in der Berufsschule vermittelt wird.

Grundsätzlich profitiert der Ausbildungsmarkt im Landkreis auch von den "guten und intakten familiären Strukturen". "Viele Eltern legen großen Wert darauf, dass ihre Kinder einen Beruf erlernen und unterstützen sie dabei", sagt Stephan Vielberth. "Hier gehören Ausbildung und Arbeit einfach zur Lebensperspektive."

Insgesamt betrachtet ist der Arbeitsmarkt im Landkreis "in voller Fahrt" und ohne größere Einschläge fällt die Prognose für 2018 daher sehr ähnlich aus, da sind sich alle drei einig.