Eichstätt: "Megathema"
Eröffneten gestern Abend die Tagung zu "Flucht und Migration", die den Auftakt zum gleichnamigen Zentrum markierte: Generalvikar Peter Beer, Weihbischof Anton Losinger, Professor Roland Berger, KU-Präsidentin Gabriele Gien, Professor Klaus J. Bade, Erzbischof Stefan Heße und KU-Vizepräsident Markus Eham (von links). - Foto: M. Schneider
Eichstätt

Als ein "Megathema" unserer Zeit bezeichnete der Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, die Flucht- und Migrationsbewegung. Deshalb sei er "unserer KU" dankbar, dass sie sich dieses Komplexes in einem eigenen Zentrum annehme. Heße ist seit vergangenem Herbst Sonderbeauftragter der deutschen Bischöfe für Flüchtlingsfragen und war gestern in dieser Funktion auch nach Eichstätt gekommen. Vor dem offiziellen Beginn der Tagung und einem Pressegespräch hat er sich die Erstaufnahmeeinrichtung Maria-Ward am Residenzplatz angesehen. Er zeigte sich angetan über das enorme studentische Engagement, das dort - wie im gesamten Landkreis durch die "Tun.Starthilfe" - in Sachen Integration an den Tag gelegt werde. Das sei "die" Aufgabe der Gesellschaft. "Alles, was wir hier investieren, ist gut angelegt." Hier zeige sich auch, dass Integration nicht "von oben übergestülpt werden muss": Sie könne "von unten wachsen", sagte Heße. Die KU setze beispielsweise durch die Möglichkeit, geflüchteten Wissenschaftler die Chance auf eine Fortsetzung ihrer Karriere zu ermöglichen, ganz eigene Akzente, lobte der 49-Jährige, der seit gut einem Jahr Bischof an der Alster ist. So könne man feststellen: "Wir als Kirche können unseren Beitrag leisen, dass es zu einem guten Miteinander kommt."

Das sei auch ureigene Aufgabe einer katholischen Universität, betonte der Generalvikar des Erzbistums München-Freising, Peter Beer: "Mit diesem Thema zeigt sich, für was es die KU braucht." Sie müsse sich "aus der christlichen Wertorientierung heraus in den gesellschaftlichen Diskurs aktiv einbringen".

Professor Klaus-Jürgen Bade sah das Zentrum, das wie berichtet am Eichstätter Marktplatz in eine ehemalige Kieferorthopädiepraxis einziehen soll, in der Pflicht, aktiv Flüchtlingsforschung zu betreiben. Die sei in Deutschland "unterbelichtet". Man müsse beispielsweise einen Zusammenhang herstellen zwischen der Fluchtwanderung und der Wirtschaftswanderung. "Wir müssen wegkommen von dem defizitären Bild, dass Flüchtlinge arm sind." Die, die kämen seien die "positive Auslese", so Bade. Mit dieser Forschung könnten "wesentliche Fortschritte in der Durchdringung dieser Fragen" einhergehen, sagte auch der Vorsitzende des KU-Stiftungsrates, Weihbischof Anton Losinger. Er erhoffe sich "wichtige Motivationseffekte".

Generalvikar Beer erinnerte unterdessen auch an die Flüchtlingsströme am Münchner Hauptbahnhof und am Grenzübergang Freilassing im vergangenen Jahr. Dadurch sei sein Bistum "massiv betroffen" gewesen. Nicht zuletzt deshalb wisse man, wie wichtig das Engagement der Ehrenamtlichen, deren Koordination und vor allem auch deren Weiterbildung sei. München-Freising unterstützt das Zentrum für Flucht und Migration an der KU in diesem Jahr mit 1,1 Millionen Euro. Der Beitrag soll wohl auch die kommenden Jahre fließen. Zur Finanzierung des Zentrums sind aber auch die Wissenschaftler, die sich an der KU mit den Themen Flucht und Migration auseinandersetzen, angehalten, Drittmittel einzuwerben, wie Präsidentin Gabriele Gien betonte.

Das Thema Bildung und Flucht rückte indes Professor Roland Berger - Gründer der gleichnamigen Stiftung, die unter anderem in Ingolstadt Wohngruppen für minderjährige Flüchtlinge betreibt - in den Mittelpunkt. "Das kostet Geld", sagte er. "Aber dieses Geld zahlt sich für unser Land aus."

Die Tagung zur Eröffnung des Zentrums Flucht und Migration setzt sich heute fort. Es stehen wissenschaftliche Vorträge im Mittelpunkt, die sich unter anderem aus historischer und kulturwissenschaftlicher Sicht mit Flucht und Migration auseinandersetzen werden. Zudem spricht der Geschäftsführer der Hilfsorganisation "medico international", Thomas Gebauer, zum Thema "Mit Sicherheit gegen Menschenrechte - so schaffen wir das nicht!" (Bericht über die Tagung folgt). Das Zentrum an der KU soll künftig alle Aktivitäten, was Flucht und Migration anbelangt, bündeln. Auf unterschiedlichen Ebenen und Handlungsfeldern möchte die KU Integrationsprozesse wissenschaftlich begleiten und internationale Spitzenforscher zusammenbringen. Zudem sollen neben Lehrformate praxisnahe Angebote entstehen.