Eichstätt: "Auch wir Frauen sollen mitentscheiden"
Gratulanten gaben sich gestern die Klinke in die Hand: Zum 85. Geburtstag wünschte auch der Nach-Nachfolger ihres verstorbenen Mannes, Landrat Anton Knapp, Hilde Regler "alles Gute". - Foto: Schneider
Eichstätt

Sie hat ihrem Mann, der im Januar 2012 an den Folgen einer langen Krankheit gestorben ist, aber Zeit ihres Lebens den Rücken frei gehalten.

Beim Gespräch am Kaminofen im Regler'schen Haus sitzt die zierliche Frau so, dass ihr Blick immer wieder auf das Bild ihres Mannes fällt. 26 Jahre lang hatte Regler, ein studierter Jurist, die Geschicke des Landkreises Eichstätt geprägt. Es brennt eine Kerze an seinem Porträtfoto. "Jetzt darf ich also 85 Jahre alt werden", sagt Hilde Regler. Dabei darf sie auf ein reiches Leben zurückblicken, das in Kindheit und Jugend geprägt war von Umzügen mit der Familie: Hilde Reglers Vater war Lehrer, unter anderem in Rupertsbuch und schließlich nach dem Krieg in Pfahldorf. In diesem Ort, der ihr, so sagt sie, "zur Heimat" geworden ist, lernte sie ihren späteren Mann kennen. 1956 wurde geheiratet - und für das junge Ehepaar begannen Wanderjahre. 1958 an die Regierung von Ansbach, 1960 nach Landsberg, 1962 nach Bonn an die Bayerische Vertretung.

Hier kam 1965 Sohn Michael zur Welt. Die Zeit in Bonn, immerhin acht Jahre, will Regler nicht missen: "Das war eine sehr intensive Zeit, in der ich meinen Horizont erweitern konnte." Dabei hat sie auch ihr hohes politisches Interesse geleitet, das sie aus der Zeit der Entnazifizierung mitgenommen hatte: "Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich für Politik zu interessieren begann", erzählt sie. Wo sie darüber reflektiert habe, was bestimmte Entscheidungen für Folgen haben.

Diese Zeit prägte sie und war, wie Regler selbst sagt, auch mit dafür verantwortlich, dass sie sich bei der Gründung der Frauen-Union (FU) in Eichstätt 1980 engagierte. Anstoßgeberin, diese Gruppierung aus der Taufe zu heben, war Vera Hornung-Rindfleisch. "Ich habe gerne mitgemacht, weil ich der Ansicht war, dass auch wir Frauen mitentscheiden sollten." Dass dann im Lauf der Jahre zahlreiche Frauen in politische Ämter gelangten, das freut sie: "Die Bilanz kann sich sehen lassen." Und es war das "ihre", dieses Engagement in der FU. Das politische Leben ihres Mannes das andere: So folgte sie 1970 ihrem Mann zurück in den Heimatlandkreis, wo der damals 38-jährige Konrad Regler zum Landrat gewählt wurde. Er sollte mehr als ein Vierteljahrhundert, bis 1996, an der Spitze des hauptsächlich von ihm geformten Landkreises stehen. "Mein Mann hatte einen unwahrscheinlichen Weitblick", urteilt sie heute über das politische Lebenswerk Reglers.

In dieser Zeit blieb natürlich das Familienleben auf der Strecke. Aber: "Mein Mann hat mir ein interessantes gesellschaftliches Leben mit beeindruckenden Begegnungen geboten." Ein Beispiel? Das Treffen mit Raissa Gorbatschowa. "Das war einmalig, das war eine Entschädigung für wenig Familienzeit" - die die Reglers in der Zeit des Ruhestands um so mehr genießen konnten.

Nicht nur, dass der frühere Landrat in die Kanzlei seines Sohnes einstieg, seine Frau Hilde ihm die Schreibarbeiten erledigte und so "zur Sekretärin aufstieg", wie sie selbst sagt, sondern dass sie sich auch um ihre Enkelkinder von Sohn Michael und Schwiegertochter gekümmert haben - was Hilde Regler auch über den Tod ihres Mannes hinaus bis vor Kurzem noch regelmäßig gemacht hat. "Die Pensionszeit ist in meiner Erinnerung verankert als Zeit der Annäherung für uns als Partner wie nie zuvor, bis die Erkrankung meines Mannes unser Leben schwer belastet hat", sagt Hilde Regler tief berührt. "Es ist der bedeutendste Abschnitt meines Lebens, den ich nicht missen möchte."