Der Trick mit den Spiegeln
Dollnstein (EK) Mit etwas Wehmut haben viele Krippenfreunde den heutigen Tag im Blick. Mariä Lichtmess galt in der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit. Bis heute ist es Brauch, den Weihnachtsschmuck und eben auch Krippen an diesem Tag abzubauen.

Jahr um Jahr wächst die Krippe in der Dollnsteiner Pfarrkirche und wird immer prächtiger und detailreicher. Inzwischen kommen viele Besucher, um sie zu bewundern. - Foto: oh
Der 72-Jährige kümmert sich seit zehn Jahren um die Krippe, die unter seinen Händen stets gewachsen und immer prächtiger geworden ist. Dabei hatte es im November so ausgesehen, als ob Schäfchen und Hirten in ihren Kartons bleiben müssten. Schwarz hatte einen schlimmen Unfall, von dem er sich aber erstaunlich gut erholte: Am 7. November hackte er sich beim Holzmachen den Daumen der linken Hand ab. Sein erster Gedanke: Heuer wird’s nichts werden mit der Krippe. Dann reagierte er schnell. Er packte den Daumen, presste ihn gegen die Wunde und eilte zum Arzt. Im Krankenhaus Eichstätt wurde ihm der Daumen wieder angenäht – so gut, dass er sich, mit Unterstützung, um die Krippe doch kümmern konnte.
Vor Schwarz hatten sich zwei ältere Herren um die Krippe gekümmert, die, als sie krank wurden, bei ihm nachfragten, ob er ihnen zur Hand gehen könnte. Was er gerne tat.
Dann starben die beiden, und Schwarz übernahm die alleinige Regie an der Krippe. Das war, wie gesagt, vor zehn Jahren. „Als Erstes habe ich die Krippe runderneuert“, berichtet der agile Rentner. „Die Gebäude bekamen neue Dächer.“ Auch die Gestelle richtete er bei sich zu Hause. Schwarz entdeckte eine neue Leidenschaft. „Alle Jahre ist ein Trumm dazu gekommen“, berichtet er. Ideen hat er viele und er tüftelt, bis er sie umsetzen kann.
So wollte er einen Schäferkarren und suchte so lange, bis er in Morsbach ein altes originales Vorbild fand. In akribischer Kleinarbeit bastelte er den Karren nach. Zuerst fertigte er ein Modell aus Papier, um die Größenverhältnisse auszutarieren. Der Karren soll ja zur Krippe passen. Mit Liebe zum Detail fertigte er dann das Gefährt. Innen findet sich ein Tisch, die Tür lässt sich öffnen und nicht einmal das „Brotzeittürl“, durch das die Bauern dem Schäfer das Essen in den tagsüber abgesperrten Karren schoben, fehlt.
Lange Jahre suchte Schwarz eine Wurzel im Wald. Er hatte die Zeile „Es ist ein Ros’ entsprungen, aus einer Wurzel zart“ im Kopf und wollte sie auf diese Weise umsetzen. Nie wurde er fündig, bis einmal eine passende direkt am Weg lag. Die sicherte er sich und baute sie in die Krippenlandschaft ein. Mit einem Spiegel simulierte er Tiefe und eine Art Höhle unter dem Holz.
Überhaupt arbeitet Schwarz gern mit optischen Mitteln. Hinter einem offenen Tor in einem Gebäude brachte er ebenfalls einen Spiegel an. Die Besucher dachten, die Krippe würde sich hinter dem Gebäude fortsetzen. Sogar der damalige Pfarrer Paul Schmidt sei auf diesen Trick hereingefallen, schmunzelt Schwarz.
Ansonsten setzt Schwarz auch auf Beleuchtungseffekte. Von Beruf ist er Schlosser und arbeitete später bei der Bahn im Technischen Dienst. Dort baute er unter anderem Stellwerke. Den Aufbau von elektrischen Leitungen beherrscht er aus dem Eff-Eff und die meisten Details und Neuerungen an der Krippe fertigt er selbst. Allerdings bittet er Freunde manchmal darum, ein Schäfchen oder ein anderes Tier zu schnitzen. Anregungen holt er sich beispielsweise von anderen Krippen, die er studiert und die Erkenntnisse umsetzt. Den Weiher etwa hat er sich in Rennertshofen abgeschaut.
Inzwischen hat sich die Dollnsteiner Krippe herumgesprochen: Jedes Jahr kommen Besucher, um sie zu bewundern. Wer es dieses Weihnachten nicht geschafft hat, muss sich bis Dezember gedulden. Dann wird sie noch prächtiger sein, denn Schwarz hat schon wieder Ideen. „Was mir vorschwebt, ist ein Wasserfall, vom Felsen herab oder von der Wurzel.“ Den großen Stern müsse er so verändern, dass das Licht besser einfällt, und den Bach würde er gern um einen halben Meter verlängern. „Dann muss ich aber die gesamte Krippe ummodeln“. Krippenfreunde dürfen schon jetzt gespannt sein, was sich Ernst Schwarz alles einfallen lässt.
Von Josef Bartenschlager
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