Dass justament der Himmel über dem Eichstätter Ledvance-Werk aufriss, während drinnen der Abbau von 250 Arbeitsplätzen verkündet wurde, mutet an wie ein schlechter Witz.
Dass justament der Himmel über dem Eichstätter Ledvance-Werk aufriss, während drinnen der Abbau von 250 Arbeitsplätzen verkündet wurde, mutet an wie ein schlechter Witz. Immerhin soll nun ein "Zukunftskonzept" erarbeitet werden.
Knopp
Eichstätt
Wie es darüber hinaus weitergehen soll? "Recht viel schlauer sind wir jetzt auch nicht."

Die ehemaligen Osram- und jetzigen Ledvance-Mitarbeiter sind einiges gewohnt. Spätestens seit Mitte 2014 schwebt das Damoklesschwert des Stellenabbaus über ihnen. Jetzt wird es also konkret: Von den jetzt knapp 500 Jobs sollen 250 bis zum Jahr 2021 wegfallen. Das wurde den Beschäftigten auf einem "Town Hall Meeting" von einem Mitglied der Geschäftsleitung kurz und knapp mitgeteilt. Fragen waren nicht zugelassen.

Über das, was über den Arbeitsplatzabbau hinausgeht, herrscht nach wie vor große Verunsicherung: "Eigentlich hat er nichts gesagt", lautete nicht nur eine der Stimmen, als die Beschäftigten tröpfchenweise das Werk verließen. Von einem "Zukunftskonzept" für den Standort Eichstätt sei die Rede gewesen. Wie das aussehen könnte? "Keine Ahnung. Es wird halt noch ein weiteres Rettungsboot für die Titanic angeschafft." Will heißen: Beim Untergang hilft das auch nicht mehr.

Es überwogen also deutlich die Zweifel an einer langfristigen Sicherung des Standorts Eichstätt, "dessen Profitabilität sichergestellt werden soll", wie es in der offiziellen Mitteilung von Ledvance heißt. Aber: Was das Thema neue Technologien angeht, "sind wir zu spät dran", meinte ein Mitarbeiter, der in Eichstätt schon seit 23 Jahren beschäftigt ist, "da laufen wir hinterher". Immerhin: "Besser als Augsburg und Berlin", war ebenfalls zu hören. Die beiden Werke sollen ja bis Ende 2018 gänzlich geschlossen werden. 900 Arbeitsplätze fallen dort weg. In Wipperfürth droht der Verlust von 50 Jobs.

"Die Auslastung der Ledvance-Werke liegt trotz früherer Restrukturierungsbemühungen aktuell global teilweise nur noch bei 20 bis 40 Prozent", ließ die Konzernleitung wissen. Die rapide sinkende Nachfrage nach traditionellen Produkten erfordere tiefe Einschnitte in Fertigungsstrukturen und Verwaltung. "Nur so können wir unsere Zukunftsfähigkeit gewährleisten. Diese Schritte sind schmerzhaft, aber dringend nötig. Wir wollen sehr eng mit den Arbeitnehmervertretern zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihnen konstruktive und verantwortungsvolle Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter finden", so Jes Munk Hansen, Geschäftsführer von Ledvance, das sich seit März im Besitz eines Konsortiums unter Leitung des strategischen Investors IDG Capital sowie des führenden chinesischen Lichtunternehmens MLS und des Finanzinvestors Yiwu befindet und in über 120 Ländern vertreten ist.