Die Linke stellte am Mittwochabend in Eichstätt ihr Konzept gegen Altersarmut vor (von links): Direktkandidat Roland Meier, die bayerische Spitzenkandidatin Susanne Ferschl, Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter und der Sprecher der Eichstätter Linken, Dominik Eigner..
Die Linke stellte am Mittwochabend in Eichstätt ihr Konzept gegen Altersarmut vor (von links): Direktkandidat Roland Meier, die bayerische Spitzenkandidatin Susanne Ferschl, Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter und der Sprecher der Eichstätter Linken, Dominik Eigner.
Chloupek
Eichstätt
Sie will die „Zeitbombe Altersarmut entschärfen“. Und naiv soll diese Forderung ganz und gar nicht klingen: Susanne Ferschl machte bei einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend im gut besuchten Eichstätter „Kantinchen“ klar, dass sie weiß, wovon sie spricht. Die gelernte Chemielaborantin, Jahrgang 1974, kommt aus Kaufbeuren im Allgäu und ist seit 1994 als Gewerkschaftlerin und Betriebsrätin aktiv, seit elf Jahren ist sie die Gesamtbetriebsratsvorsitzende beim Nestlé-Konzern.

 

Bevor sich Direktkandidat Roland Meier vorstellte, betonte die Ingolstädter Abgeordnete Eva Bulling-Schröter, die erstmals 1994 in den Bundestag eingezogen ist und nun nicht mehr antritt, bei ihrer Begrüßung, wie sehr es sie immer ärgere, wenn bei Debatten im Plenum beim Stichwort „Altersarmut“ gelacht werde, als ob es keine Altersarmut in Deutschland gäbe: „Es gibt sie, und sie muss nicht sein, denn es gibt Alternativen dazu.“

Susanne Ferschl ging dann zunächst auf die Rentenentwicklung ein und stellte mit Bedauern fest, dass prekäre Renten- und Arbeitssituationen auch unter SPD-Regierungen zugenommen hätten. Stichworte: Tarifflucht, Leiharbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Werkverträge. Arbeitnehmer, die davon betroffen seien, hätten trotz Vollzeitjob kaum eine Chance, fürs Alter richtig vorzusorgen und fänden außerdem immer weniger den Mut, für ihre Rechte einzutreten – eine Spirale, die in die Altersarmut führe. Eine zentrale Forderung der Linken sei deshalb das Ende dieser prekären Beschäftigungsverhältnisse. Das Argument, dass Deutschland dann im internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb Boden verlöre, könne sie nicht mehr hören: „Wir sind Weltmeister im Export, wo wollen wir denn noch hin?“ Eine anständige Bezahlung im Berufsleben sei nicht nur die beste Investition in die unternehmerische Zukunft, sondern auch die beste Vorsorge gegen Altersarmut. Dem DGB-Rentenreport zufolge hätten allerdings die Hälfte der Frauen und ein Viertel der Männer in Bayern 2016 weniger als 600 Euro Rente in Monat: „Das können wir nicht hinnehmen“, betonte Ferschl, zumal es ja Lösungen gebe und zum Beispiel Österreich zeige, wie es besser gehe. Die Linke fordert die Rückkehr zu einem Rentenniveau auf 53 Prozent; „das ist keine unverschämte Forderung von uns, sondern der Stand während der Zeit von Helmut Kohl.“ Wichtigste Säule des Rentenkonzepts der Linken ist die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, in die alle einzahlen müssten, nicht nur Arbeiter und Angestellte. Wenn der Beitrag für die Beschäftigten leicht steige, dann sei das bei fairen Löhnen kein Weltuntergang. Wichtiger sei vielmehr, dass auch die Beiträge der Arbeitgeber wieder anteilig gerecht geleistet werden müssten. Das oft gehörte Argument, dass es ja zusätzlich Betriebsrenten gebe, ließ Ferschl kaum gelten. Denn die würden mit der schwindenden Tarifbindung der Unternehmen immer seltener und könnten als gute Ergänzung dienen, jedoch nicht als Ersatz. Die Riester-Rente in ihrer jetzigen Form nütze nur den Versicherungen und müsse abgewickelt werden. Eine wesentliche Forderung der Linken ist die Mindestrente von 1050 Euro, „das hat auch mit Gerechtigkeit und Würde zu tun“. Ferschl erläuterte, dass alle Vorschläge der Linken sauber durchgerechnet und finanzierbar seien. Dazu bräuchte es allerdings auch einen stärkeren sozialen Wohnungsbau für bezahlbaren Wohnraum und vor allem ein Steuersystem, das die Reichen und das Kapital stärker in die Verantwortung nimmt. Es müssten und dürften weder Jung gegen Alt noch Einheimische gegen Flüchtlinge ausgespielt werden, erklärte Ferschl unter dem Beifall ihrer Zuhörer: „Wir sind ein reiches Land. Es ist genug für alle da. Es geht darum, dass wir in einer solidarischen Gemeinschaft allen ein ordentliches Auskommen geben.“