Im Februar 2012 wurde die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energiegenossenschaft aus der Taufe gehoben. Das Ziel: eine Windkraftanlage oder sogar deren zwei zu errichten. Etwa 220 Mitglieder zeichneten 1250 Anteile zu je 100 Euro. Die Begeisterung war groß damals, nach der Katastrophe von Fukushima wurde die Energiewende eingeleitet und der Windenergie wurde dabei eine elementare Bedeutung zugemessen.

Entsprechend elanvoll stürzte sich die Genossenschaft in die Arbeit. Die Räder sollten sich am Reisberg drehen, am höchsten Punkt mit der höchsten Windhöffigkeit. Doch nun formierte sich Widerstand im Ort: Eine BI gründete sich, die sich unter anderem wegen des befürchteten Infraschalls und des Schattenwurfs gegen das Vorhaben wandte.

"Das war aber nicht der Grund des Scheiterns", stellt Alfred Ostermeier fest. Er ist Bürgermeister von Böhmfeld und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft. "Wir sind zwei Tode gestorben", sagt er. Der "erste Tod" hat mit der Seismologischen Messstelle bei Böhmfeld zu tun. Hier bestand die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe auf einen Abstand von drei Kilometern von der Messstelle. Die Erschütterungen der Windkraftanlage könnten die Messergebnisse verfälschen, habe es geheißen, so Ostermeier.

Der "zweite Tod" kam von der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 61 in Manching. Der Reisberg liegt in der Einflugschneise des Flugplatzes, was konkret eine Bauhöhenbeschränkung bedeutet. Mit anderen Worten: Windkraftanlagen hätten errichtet werden dürfen, aber nur, wenn sie nicht höher als 90 Meter in den Himmel ragen. Ostermeier: "Wirtschaftlich lässt sich mit dieser Höhe keine Anlage betreiben." Heute käme ein "dritter Tod" dazu: die 10-H-Regelung.

Davon war damals noch nicht die Rede, aber die Seismologische Messstelle in Böhmfeld war bekannt, ebenso der Manchinger Flugplatz. Warum investierte die Energiegenossenschaft dennoch bereits Geld, ohne Fragen geklärt zu haben, die sich als essenziell herausstellten?

Ob ein Projekt realisierbar sei oder nicht, lasse sich nicht auf informellem Weg abklären, antwortet Ostermeier. Man könne nicht einfach zum Telefonhörer greifen, ein Amt oder eine Stelle anrufen und eine verbindliche Aussage bekommen. Der Weg ist vorgeschrieben und führt nur über einen förmlichen Antrag auf Vorbescheid. "Das ist vergleichbar mit einer Bauvoranfrage", so Ostermeier. Dabei müssen die Träger öffentlicher Belange eingebunden sein. Nur: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hatte niemand auf der Rechnung. Es seien bereits Windkraftanlagen im Einzugsbereich von Seismologischen Messstationen errichtet worden, sagt der Bürgermeister. "Früher hat sich niemand drum gekümmert." Doch jetzt reagierte die Bundesanstalt - und legte ihr Veto ein.

Ähnliches gilt für die WTD 61. Das zuständige Kompetenzzentrum Luft- und Raumfahrttechnik habe acht Monate gebraucht, um sich zu äußern, bemerkt Ostermeier. Auch diese Rückmeldung bedeutete ein Ausschlusskriterium.

In der Zwischenzeit waren bei der Genossenschaft aber bereits Kosten aufgelaufen: beispielsweise für den Planer oder für das erforderliche Artenschutzgutachten. "Wir haben Geld zum Fenster rausschmeißen müssen", ärgert sich Ostermeier, was durch das Verfahren bedingt gewesen sei.

Nach diesem Fehlschlag stand die Genossenschaft schon vor der Entscheidung, sich aufzulösen. Doch tauchte der Gedanke auf, sich an einem Projekt bei Hofstetten zu beteiligen. Hier ist oder genauer war angedacht, sieben Windkraftanlagen zu bauen. An einem hätten sich die Böhmfelder eventuell beteiligen können. Doch erneut tauchten die beiden bekannten Hürden auf: die WTD 61 und die Bundesanstalt, die die Tabu-Zone um die Seismologische Messstelle sogar noch ausgeweitet hat: von drei auf fünf Kilometer.

Diesen Stand der Dinge bestätigt der Hitzhofener Bürgermeister Roland Sammüller. Ganz hat er die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Momentan läuft ein Musterprozess wegen der Abstände zu einer Messstation. Ein Investor wollte bei Beilngries ein Windrad errichten und hat vom Landratsamt mit dem Hinweis auf die "Tabuzone" einen ablehnenden Bescheid bekommen. Dagegen geht er beim Verwaltungsgericht München juristisch vor. Das Gericht hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das noch nicht vorliege, so Manfred Schmidmeier, Pressesprecher des Landratsamtes über den Stand des Verfahrens. "Das Urteil könnte Folgewirkung haben", sagt Bürgermeister Sammüller.

Bleibt noch die Höhenbeschränkung, ebenfalls ein Ausschlusskriterium. Hier müsse untersucht werden, wie weit die vom Kompetenzzentrum Luft- und Raumfahrttechnik festgelegte Zonierung überhaupt reicht. "Eventuell könnten drei Anlagen doch gebaut werden", hofft Sammüller und schränkt gleich wieder ein: "Wir müssen auf das Gesamtpaket warten."

Wenn es auch mit der abgespeckten Version des Windparks nördlich von Hofstetten nichts wird, dürfte sich die Böhmfelder Genossenschaft auflösen. Das verbliebene Geld würde dann ausgezahlt werden.