"Vernichtung von Kulturgut" angeprangert
Eichstätt (hr) Ausgelöst durch den Verkauf der Schallplattensammlung von Professor Heinrich Sievers durch die Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sieht sich der Freiburger Historiker Dr. Klaus Graf in seiner Einschätzung bestätigt , dass die Leitung der Eichstätter Universitätsbibliothek "Kulturgut vernichtet".
Außerdem sollen – unbesehen und nicht katalogisiert –, hunderte von Büchern einfach per Container entsorgt worden sein. Der Umgang der UB Eichstätt mit den 300 000 B#nde umfassenden Kapuzinerbeständen sei "absolut indiskutabel und für mich ein Verbrechen", schreibt Graf. "Kapuzinerbibliotheken sind ebenso wie andere Klosterbibliotheken Geschichtsquellen, die nicht undokumentiert im Handel verscherbelt werden dürfen", stellt Graf fest.
Auch einer der führenden Esperantologen und Erforscher der Plansprachen, Reinhard Haupenthal, übt scharfe Kritik an dem Verhalten der Unibibliothek und deren "Vernichtungsaktion". Haupenthal wollte der Bibliothek seine etwa 10 000 bibliografischen Einheiten umfassende Plansprachensammlung überlassen. Eine entsprechender Vertrag war bereits unterschrieben. Doch dann kam es zum Rückzieher. Kanzler Gottfried von der Heydte habe ihm, Haupenthal, im März 2005 mitgeteilt, dass man dabei sei, "containerweise "Bücher zu vernichten, da man keinen Platz mehr in den Magazinen habe. Der Überloassungsvertrag kam nicht mehr mit der Eichstätter Unibibliothek zustande, sondern mit der Bayerischen Staatsbibliothek. Haupenthal, der in einem Schreiben an den EICHSTÄTTER KURIER von einem "Augiasstall" in der Unibibliothek spricht: "Ich hoffe und wünsche, dass die Förderer und Freunde der Katholischen Universität von all diesen Vorkommnissen erfahren und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Nur so ist größerer Schaden abzuwenden." Und: "Man sollte durchaus prüfen, ob ein Disziplinarverfahren einzuleiten ist."
Für Kanzler Gottfried von der Heydte ist das Scheitern des Vertrags ein "ganz normaler Vorgang". "Die Erwartungen von Haupenthal und unsere Möglichkeiten waren nicht in Übereinstimmung zu bringen", erklärte er. "Da hat sich die Staatsbibliothek angeboten, in den Vertrag einzutreten." Die Staatsbibliothek kann damit – neben der Österreichischen Nationalbibliothek, als Zentrum der Esperantologie und der Plansprachen-Forschung gelten.
Hermann Redl
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