Freitag, 30.07.2010 |

 

02.01.2007 20:21 Uhr | 219x gelesen
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Vorwurf: Tonträgersammlung "verscherbelt"


Bild:  Vorwurf: Tonträgersammlung

Eichstätt (EK) Die Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt ist ins Gerede gekommen. Bücher sollen "containerweise" weggeworfen und eine wertvolle Schallplattensammlung an ein Antiquariat "verscherbelt" worden sein.


Der Musikantiquar und große Mäzen sowie Ehrendoktor der Hochschule und gebürtige Eichstätter, Dr. Hans Schneider, jedenfalls hat den Kontakt zur Uni-Bibliothek "restlos abgebrochen", wie er gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER bestätigt. Der Grund: Carola Schneider, Frau des Verlegers, hatte im Jahr 2000 bereits die Sammlung an Schallplatten ihres 1999 verstorbenen Vaters Heinrich Sievers, Professor an der Musikhochschule Hannover, der Universitätsbibliothek kostenlos übereignet.

Dies sei "in Anbetracht des seinerzeit hohen Ansehens der Universitätsbibliothek Eichstätt und ihres Leiters, Dr. Hermann Holzbauer, geschehen. Der Bestand von etwa 3000 Tonträgern sollte "eine wertvolle Hilfe in der Ausbildung von Studenten auf dem Gebiet der Musik" leisten. Die Aktion sei aus ideeller Überzeugung entstanden, schließlich seien über die Universitätsbibliothek Eichstätt gewichtige Publikationen auf dem Gebiet von Tonträgern herausgebracht worden.

"Entsetzt" habe sie, Schneider, nun erfahren müssen, dass dieser Bestand vor einigen Monaten durch die nunmehrige Bibliotheksdirektorin an ein sächsisches Antiquariat "verscherbelt" worden sei. Nun sei auch ihr Mann, Dr. Hans Schneider, in großer Sorge, ob der von ihm der Uni-Bibliothek spendierten und in vier Bänden erfassten Bücherbestand im Wert von etwa 150 000 Euro "auch entsorgt wird".

Während Hans Schneider, Ehrendoktor der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und beachteter Förderer der Hochschule, diese Angaben bestätigt, weist Bibliotheksdirektorin Dr. Angelika Reich die Vorwürfe zurück. Auf Anfrage erklärte sie zunächst, von einem Verkauf überhaupt nichts zu wissen. Außerdem sei dies ein Vorgang, zu dem sie sich nicht äußern wolle.

Schließlich räumte sie ein, die Sammlung Sievers durchgesehen und etwa 1000 Schallplatten katalogisiert zu haben. Lediglich Tonträger, die bereits im Besitz der Universitätsbibliothek waren, seien an ein Antiquariat abgegeben worden. Von "Verscherbeln eines kompletten Bestandes", so Reich, könne keine Rede sein. Es werde nichts unbesehen weggegeben, erklärte Reich, und wies zugleich darauf hin, dass die Universitätsbibliothek unter Platzproblemen leide. "Unsere Magazine sind bis obenhin voll", sagte sie. Und: "Geschenkt ist geschenkt, und mit Geschenken kann die Bibliothek machen, was sie will."

Dem gegenüber befürchtet der frühere Leiter der Bibliothek, Hermann Holzbauer, in einem "aus großer Sorge" veranlassten Brief an den Präsidenten der Universität, Professor Ruprecht Wimmer, dass der gesamte Bestand der wertvollen Schallplattensammlung Sievers abgegeben worden sei. Zugleich fordert er die Unileitung angesichts von Nachrichten, dass Bücher " containerweise " weggeworfen würden, auf, von einer " übergeordneten Stelle transparent " nachprüfen zu lassen, "was ,verkauft’ beziehungsweise verschleudert, ,entsorgt’ beziehungsweise unwiederbringlich vernichtet wurde".

Wimmer, der im März 2000, der Spenderin Carola Schneider für die "Großzügigkeit sehr, sehr herzlich’" gedankt und sich sehr erfreut gezeigt hatte, "dass unsere UB einen wahren Schatz an Schallplatten enthält", erklärte auf Anfrage, es müsse zunächst geprüft werden, ob es sich bei der Überlassung um eine Schenkung oder Übereignung handle. Die Unileitung jedenfalls wolle dies hausintern genau geklärt haben und dann handeln.

 

 

 

Eichstaetter Kurier

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