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26.06.2005 19:12 Uhr | 70x gelesen
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Auch Schrumpfdemo machte noch mächtig Wirbel


Bild: Auch Schrumpfdemo machte noch mächtig Wirbel.  Eichstätt (kno) Von der Lautstärke her hätten es die anvisierten 5000 sein können: Krach mit Trillerpfeifen, Trommeln und Sprechchören (\

Eichstätt (kno) Von der Lautstärke her hätten es die anvisierten 5000 sein können: Krach mit Trillerpfeifen, Trommeln und Sprechchören ("Edmund Stoiber · Bildungsräuber") wurde jedenfalls genug gemacht. Allerdings: Von der angekündigten Großdemo war der Protestmarsch am Samstag in Eichstätt weit entfernt. Nach übereinstimmenden Schätzungen von Veranstalter und Polizei waren nur rund 500 Studenten dem Aufruf gefolgt, in der kleinen Universitätsstadt Eichstätt gegen Studiengebühren zu demonstrieren. Zuerst sei er ein wenig enttäuscht gewesen, bekannte Mitorganisator Gunther Dommel, am Schluss war er aber doch ganz zufrieden, weil immerhin das Gros der bayerischen Unis und Fachhochschulen hier vertreten gewesen sei.


So waren sie aus Regensburg, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen oder Würzburg (mit dem Fahrrad) gekommen, um in einem etwa einstündigen Marsch vom Volksfestplatz quer durch die Stadt zum Residenzplatz zu ziehen. Dort wurden in einer Kundgebung nochmals ausführlich die Argumente gegen die Einführung von Studiengebühren offengelegt. Mit nur 13 Prozent seien Kinder aus Arbeiterfamilien als Studierende an den Hochschulen vertreten, sagte Elisabeth Wendl von der IG Metall-Jugend Ingolstadt: "Das ist der Stand der 50er Jahre." Mehr denn je würde das Einkommen der Eltern über die Bildungschancen der Kinder entscheiden. Bildung sei ein Grundrecht und habe nicht zuletzt die Schlüsselfunktion zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.

Es sei noch nicht zu spät, Studiengebühren zu verhindern, rief Ulrike Gote, hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, den Demonstranten zu. Die Bundesrepublik sei kein Land, das sich die Bildung der jungen Menschen nicht mehr leisten könne. Gote sprach von einem Haushaltstrick und einem Paradigmenwechsel in der Hochschulfinanzierung: "Kein Mensch glaubt, dass sich die Qualität an den Hochschulen durch Studiengebühren verbessern wird." Zudem sei zu befürchten, dass später statt der angekündigten 500 € vier- bis fünfstellige Beträge erhoben würden. Kultusminister Thomas Goppel bezeichnete Gote als "weltfremd und ignorant". Studieren koste jetzt schon "ein Heidengeld".

"Werdet nicht durchkommen"

Deswegen würden auch zwei Drittel der Studenten jobben, fügte der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Bayern, Wolfgang Vogel, hinzu. Er wetterte gegen "naive Markteuphoriker" und "neoliberale Egoisten", die Studiengebühren durchsetzen wollten. Diese seien nicht nur unsozial, sondern auch gegen eine zukunftsfähige Entwicklung gerichtet. Von Eichstätt solle ein klares Signal an die betreffenden Politiker ausgehen: "Ihr werdet damit nicht durchkommen."

Lob bekamen Demonstranten und Organisatoren von der Polizei, die zunächst mit über 100 Beamten hier im Einsatz war: Die gesamte Veranstaltung sei sehr diszipliniert und friedlich verlaufen.

Jürgen Knopp


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