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In der Wolfsbucher Kirche stehen umfangreiche Arbeiten an.
Patzelt, Anton, Beilngries
Wolfsbuch

Die Kosten für die Instandsetzungsarbeiten im Bereich der Glockenstube in Wolfsbuch schätzt der Kirchenpfleger Konrad Schlagbauer auf rund 350 000 Euro. 17 Monate ist es nun bereits her, als mit der Herz-Jesu-Glocke die erste Stimme Gottes verstummen musste. Nachdem festgestellt wurde, dass die Schäden größer sind, als man erwartet hatte, wurden vor einigen Wochen auch die beiden anderen Glocken durch ein Läutverbot zum Schweigen gebracht.

„Begonnen hat alles im Frühjahr des vergangenen Jahres. Bei einer Routineüberprüfung der Glocken wurde festgestellt, dass sich beim Läuten nicht nur der Glockenstuhl, sondern auch der komplette Boden mitbewegt“, erinnert sich Schlagbauer zurück. „Aufgrund starker Bewegungen des Glockenstuhls sind größere Schäden zu vermuten“, hieß es im damaligen Gutachten, das vom bischöflichen Baudirektor Paul Höschl und dem Diözesanarchitekten Günther Augsburger erstellt wurde. Wie groß diese Schäden im Turminneren sind, stellte sich erst nach und nach bei weiteren Begehungen heraus.

Den Turmunterbau bildet ein ehemaliger Chor mit spätgotischem Rippenkreuzgewölbe auf kegelförmigen Konsolen. Der vorhandene Glockenstuhl besteht aus Eichenholz und ist durch Holzkeile verspannt. Die Konstruktion dürfte aus spätgotischer oder frühbarocker Zeit stammen. Ursprünglich stand der Glockenstuhl wohl eine Etage tiefer in der Glockenstube des gotischen Turmstumpfes. „Der Glockenstuhl gehört zu den ältesten Bauteilen der Kirche und ist unter allen Umständen zu erhalten“, so der eindringliche Hinweis des Diözesanarchitekten. Durch die Anschaffung größerer Glocken im 19. und 20. Jahrhundert musste der Abstand zwischen den Glockenstuhlböcken vergrößert werden. Dieser Umbau erfolgte innerhalb des Bestandes durch neue Verkämmungen im Bereich der Traghölzer und neuer Verzapfungen im oberen Aussteifungsrahmen. Die nicht mehr benötigten Aussparungen blieben offen.

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In der Wolfsbucher Kirche gibt es viel zu tun.
Patzelt, Anton, Beilngries
Wolfsbuch

Nun sind die neuen Zapfenverbindungen aufgrund der fehlenden Vorholzlängen an vielen Stellen ausgerissen. „Durch die unsachgemäße Verbreiterung des Glockenstuhles ist die Stabilität der Verbindungen nicht mehr gegeben“, so die Beurteilung durch den Sachverständigen. Das südliche, frei über den gesamten Glockenstuhl gespannte Rahmenholz wird mittig durch einen zirka 15 Meter hohen Steigbaum, der in die Turmspitze führt, belastet. Die Steighilfe wurde 1974 im Zuge der Dachstuhlerneuerung auf den Glockenstuhl aufgesetzt. Dieser Steigbaum muss aus Gründen des Unfallschutzes unbedingt entfernt werden.

Nach Westen hin wurde der Glockenstuhl im 20. Jahrhundert um ein Joch erweitert. Diese Erweiterung hat keine ausreichende statische Verbindung zum historischen Glockenstuhl – sie lehnt direkt an der Turmaußenwand. Für die Schlaghämmer wurden große Aussparungen in die Glockenstuhlhölzer geschnitten. „Das hat mit Statik nichts mehr zu tun“, ärgert sich Schlagbauer über diese Maßnahme. Die Deckenkonstruktion unter dem Glockenstuhl ist entlang der Nordwand schadhaft. Der westliche Streichbalken ist in diesem Bereich nahezu vollständig abgefault. „Durch die ungünstig ausgebildeten Schalllamellen dringt Schnee und Regen ungehindert in die Glockenstube ein. Aber auch das Kupferdach weist undichte Stellen auf“, so der Kirchenpfleger. „Durch die zahlreichen Schäden ist die gesamte Glockenstuhlkonstruktion so weich, dass sich bei vollem Geläut der Glockenstuhl um mehrere Zentimeter hebt und senkt. Der Glockenstuhl reitet förmlich auf den wenigen intakten Balkenlagern“, merkt der Sachverständige an.

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In der Wolfsbucher Kirche stehen umfangreiche Arbeiten an.
Patzelt, Anton, Beilngries
Wolfsbuch

Zur Behebung der Schäden müssen die Glocken abgehängt werden. Der Glockenstuhl wird demontiert und restauriert. Mit einem Autokran muss bei Windstille die komplette Turmspitze abgehoben und auf einem nahen Grundstück zur Instandsetzung abgestellt werden. Die Bodenkonstruktion der Glockenstube ist instand zu setzen und der Dielenbelag zu erneuern. Die Aufleger der Deckenkonstruktion müssen statisch überprüft, gegebenenfalls repariert und die teilweise lückenhaften Dielenbeläge ergänzt werden.

Aber auch der Turmhelm benötigt dringend eine Restaurierung. An der Innenseite zeigen sich an der Schalung dunkelbraune bis schwarze Verfärbungen. „Die Flecken resultieren daraus, dass über die Stehfalze der Grade Feuchtigkeit eindringen konnte“, so die Feststellung des Kirchenpflegers. Außerdem ist der südwestliche Gradsparren im Auflagerbereich schadhaft. „Statisch sehr bedenklich ist auch das Fehlen von Aussteifungsebenen“, stellt der bischöfliche Baudirektor fest. Im Turm sind daher im Abstand von drei Metern Zwischenebenen einzufügen, die untereinander mit fest montierten Metallleitern verbunden werden.

In der Wolfsbucher Kirche stehen umfangreiche Arbeiten an.
Patzelt, Anton, Beilngries
Wolfsbuch

Die 1975 aufgebrachte Kupfer-Spiegeldeckung wurde entlang der Grade nur einfach überfalzt. Auch das Einlegen von Dichtungsbändern war damals noch nicht üblich. „Dies alles wollen wir nun natürlich nachholen und auf den neuesten Stand bringen“, blickt Schlagbauer voraus. Und wenn die Spitze wieder auf dem Unterbau sitzt und alle Schäden so weit wie möglich beseitigt sind, soll der gesamte Turm einen neuen Farbanstrich erhalten. Die Architektin Melanie Scheugenpflug zeigt sich optimistisch: „Wenn alles gut geht und auch das Wetter mitspielt, kann eventuell im November bereits wieder geläutet werden“. Auf alle Fälle sollen die Weihnachtsglocken wieder zur Christmette rufen.