Wolfsbuch: Dörfer mit bewegter Geschichte
Foto: Anton Patzelt
Wolfsbuch

PAULUSHOFEN

Für Paulushofen hat der Dorfchronist Nikolaus Rieger in den vergangenen Jahren Buch geführt und die wichtigsten Ereignisse niedergeschrieben. Anno 1688, also vor 330 Jahren, erhielt Paulushofen zusammen mit Amtmanndorf und Eglofsdorf einen eigenen Mesner. Dieser Dienst wurde vom Schmied ausgeführt. Trotzdem bekam der Lehrer Balthasar Lobzelter aus Kottingwörth in Paulushofen von jedem Haus "vier Mäßel Getreide". Am 23. Juni 1838 war trotz heftigen Widerstands die Erweiterung des Schulgebäudes in Paulushofen beendet. "Nach Weigerung der Gemeinde Paulushofen - die widerspenstigen Gemeindemitglieder verharren in ihrem bekannten Starrsinne - wurden erst nach mehrfacher Androhung der Exekution und einer empfindlichen Geldstrafe am 12. März 1838 die ersten Bäume gefällt und die Steine gebrochen", heißt es in den alten Unterlagen zur Schulbauerweiterung vor 180 Jahren.

Am 30. Juni 1908 wurde Schwester Agledrude (bürgerlicher Name: Kreszentia Weigl) in Paulushofen geboren. Mit 27 Jahren legte sie ihre Profess als Franziskanerin im Kloster Mallersdorf ab. Am 31. August 1908 wurde der in Paulushofen geborene Geistliche Josef Reinhard in Eberfing Kaplanbenefiziumsvikar.

Vor 100 Jahren beauftragte die Kirchenverwaltung den Münchener Maler Franz Hartmann mit der Aufgabe, das Bildnis des Hochaltares zu restaurieren. Inklusive der Fassung von zwei Figuren mussten die Paulushofener Pfarrangehörigen dafür 2930 Mark aufbringen. Die Schreinerarbeiten verursachten weitere Kosten in Höhe von 1070 Mark. Hartmann fertigte auch die Decken- und Hochaltargemälde des Gotteshauses. Den Tabernakel erstand die Kirchenverwaltung von der Gemeinde Jachenhausen.

Anlässlich einer Jubiläumsveranstaltung im April 1928 in der Prinstnerschen Wirtschaft wurde dem Gründungsmitglied der Feuerwehr Paulushofen, Johann Rösch, das Ehrenkreuz verliehen. Parallel zur Freiwilligen Feuerwehr bestand damals noch eine Pflichtfeuerwehr. Am 30. November 1928 mussten die Wehrmänner zu einem großen Scheunenbrand beim Landwirt Josef Schneider in Neuzell ausrücken.

In den Beschreibungen von Franz Xaver Buchner des Bistums Eichstätt aus dem Jahr 1938 befinden sich auch einige Daten zur Pfarrei Paulushofen. Vor 80 Jahren lebten 281 Katholiken und ein Protestant im heute größten Ortsteil der Stadt Beilngries. Organist und Kantor war der Lehrer, der hierfür 200 Reichsmark erhielt. Der Mesnerdienst wurde von einem Dorfbewohner ausgeführt,der mit dem Nutzungsrecht über 1,07 Tagwerk Acker und 2,65 Tagwerk Wiesen entlohnt wurde. Im gleichen Jahr, am 28. April 1938, übernahm der gebürtige Paulushofener Geistliche Leonhard Reinhard die Pfarrei Huttenwang. 1948 ist in den historischen Unterlagen der Anbau eines Gerätehäuschens an die Sakristei für 643 Mark vermerkt. Im gleichen Jahr erhielt die Paulushofener Feuerwehr die erste Tragkraftspritze TS8/8. Zehn Jahre später wurde die Landjugend gegründet. 1968 musste die Pfarrkirche restauriert werden, da die Feuchtigkeit in den Mauern hoch stieg und größere Schäden anrichtete. Vor 30 Jahren erfolgte eine erneute Innenrestaurierung der Pfarrkirche Pauli Bekehr und vor 20 Jahren hoben die Feuerwehrler das Fundament des nicht unterkellerten Feuerwehrhaus aus. Bereits am 1. Mai 1998 konnte der Zimmerer Josef Hackner den Richtspruch zur Hebfeier verkünden. 2008 beschädigte ein Brand die Kirchenorgel.

 

WOLFSBUCH

Für Wolfsbuch hat der Dorfchronist Anton Patzelt in der Statistik gekramt. Anno 1158, also vor 860 Jahren, erscheint Chuno de Wolvespuch als Zeuge in einer Eichstätter Urkunde. Er wird als "Bischofes Ministerialis", als Dienstmann des Bischofs, bezeichnet. 680 Jahre später, 1838, schreibt der Geistliche Franz-Xaver Mayer, Pfarrer in Pondorf, dass sich "die Wolfsbucher Einwohnerschaft von 271 Seelen in 52 Gebäuden von der beträchtlichen Feldbau und der Viehzucht gut ernährt". Vor 160 Jahren wird der Pfarrhof gebaut und 1898 lässt die selbstständige Gemeinde ein neues, einklassiges Schulhaus mit Lehrerwohnung errichten.

Am 26. Juni 1958 beschließt die damalige Kirchenverwaltung, eine dritte Glocke für die Pfarrkirche anzuschaffen. Man zieht den Kauf des Klangkörpers der Restaurierung der Dorfkapelle vor. Im Protokoll heißt es: "In der heutigen Sitzung wurde beschlossen, dass zuerst die noch fehlende und notwendige Glocke angeschafft und dann erst, mit Unterstützung der Kulturämter, die Kapelle gebaut wird. Das gesammelte Geld für die Kapelle wird also für die Glocke gebraucht, weil der Kapellenbau noch nicht in Angriff genommen werden kann." Am Christkönigstag des Jahres 1958 erhält die neue Glocke den kirchlichen Segen und die baufällige Kapelle gegenüber des alten Schulhauses fällt zumindest mal der Spitzhacke zum Opfer.

Im Juni 1958 wird auch die Andreaskirche neu eingedeckt und der Dachstuhl restauriert. Einen Monat später flimmern in der Wohnung des Lehrers Kobl erstmals im Dorf Bilder über ein Fernsehgerät - genau 30 Jahre, nachdem der Ungar Dénes von Mihály in Berlin einem kleinen Kreis die erste Fernsehübertragung in Deutschland präsentiert hat. Am 10. April 1968 wird mit dem Bau der Umgehungsstraße begonnen. Die Bauzeit der 5,50 Meter breiten Straße beträgt rund 22 Wochen. Ebenfalls vor 50 Jahren, im September 1968, errichtet die Gemeinde die Ortsbeleuchtung mit 35 Brennstellen völlig neu.

Im Dezember 1978 wird das nach der Pfarrkirche älteste Gebäude des Dorfes, der ehemalige Zehentstadel des Landwirtes Georg Götz, abgerissen. In einem neuen Kleid präsentiert sich die Andreaskirche im Mai 1998. Die Renovierungsarbeiten verschlingen in zwei Bauabschnitten rund 837 000 Mark. Generalüberholt werden die Lautsprecheranlage, die Glockenmotoren, Teile des Hochaltares und der historische Weihwasserkessel im Eingangsbereich. Aber auch im sportlichen Bereich der 1966 gegründeten Spielvereinigung Wolfsbuch/Zell tut sich etwas. Durch einen 2:0-Sieg im Relegationsspiel gegen den TV 1861 Ingolstadt schafft die Fußballmannschaft am 20. Juni 1998 den Aufstieg in die A-Klasse, die heutige Kreisliga. Ein Jahr später spielt das Team unter Trainer Siegfried Kobras sogar in der Bezirksliga.

Der 30. März 2008 ist das Gründungsdatum des Heimat- und Traditionsvereins. 55 Versammlungsteilnehmer lassen sich spontan als Gründungsmitglieder eintragen. Vor nun mittlerweile zehn Jahren fungiert Christoph Völp als erster Vorsitzender und Max Randlkofer als dessen Stellvertreter.