Der alte Paulushofener Berg wird derzeit als Radweg ertüchtigt. Er weist eine bewegte Geschichte auf.
Rieger, Fabian, Beilngries
Beilngries

Das Volksfest weckt bei vielen Menschen Erinnerungen. So manchem Paulushofener dürfte in den vergangenen Tagen wieder der „Alte Berg“ in den Sinn gekommen sein, wie der Heimatforscher Wolfgang Brand im Gespräch mit unserer Zeitung mutmaßt. Zumindest habe er schon manches Mal Sätze gehört, die folgendermaßen klingen: „Mein Gott, früher, da habe ich im Volksfest mal ein bisschen zu viel erwischt, dann habe ich mit meinem Roller den Alten Berg genommen.“

Die alte Verbindungsstrecke zwischen Beilngries und Paulushofen, die derzeit zu einem Teil des neuen Radwegs umfunktioniert wird, war aber keinesfalls nur ein Bierweg. Vielmehr war sie beispielsweise ein Teil der europaweiten Salzstraße, wie Brand berichtet. Er hat sich eingehend mit diesem Weg beschäftigt und kann viele Details zur Entstehungsgeschichte berichten.

So sei der Paulushofener Berg seit jeher ein topografisches Hindernis gewesen, das den Reiseweg aus dem südlichen Raum – unter anderem Venedig und Salzburg – in nördlichere Gegenden erschwert habe. Bei Pförring überquerte man die Donau, dann ging es über Pondorf und Mindelstetten in Richtung Eglofsdorf. Viele Händler wählten den Weg hinab ins Tal nach Kottingwörth, dort erinnert noch heute die Alte Salzstraße an diese Begebenheiten. Der Paulushofener Berg wurde lange Zeit über geschlängelte, unbefestigte Wege bewältigt. „Das war hochgefährlich“, sagt Brand mit Blick auf die damals gebräuchlichen Viehgespanne.

Ein idyllischer Blick auf Beilngries bot sich dem Betrachter schon vor knapp 200 Jahren.
Marianne Schlosser
Beilngries

Zum Ende des 18. Jahrhunderts sollte sich diese Situation grundlegend ändern. Seit 1795 gab es den neuen Verbindungsweg zwischen Paulushofen und Beilngries, der später im Volksmund zum „Alten Berg“ wurde. Diese Straße erhielt eine Breite von vier bis fünf Metern – genug, dass auch einmal zwei Wagen aneinander vorbeifahren konnten, so Brand. Beim Bau kam die Technik der Rollierung zur Anwendung. Das Material, das aus dem Gesteinshang gefördert wurde, kam dazu als gute Grundlage für die künftige Fahrbahn in den Boden. Als Absicherung zum Hang wurde eine hüfthohe Mauer angelegt.

Dass dieser Ausbau des Verbindungswegs erfolgte, war kein Zufall. Den Reisenden öffnete sich – etwas hochtrabend ausgedrückt – das Tor zur Welt. Denn hinter Beilngries ging es für sie weiter bis zur Wegscheid auf Höhe Erasbach. Dort konnten sie entweder in Richtung Osten oder gen Nürnberg abbiegen, das damals bereits eine „Weltstadt“ war, so Brand. Unterwegs waren die Menschen auf diesen Wegen zwar schon seit Ewigkeiten – aber nun hatten sie es beim diffizilen Paulushofener Berg wesentlich leichter und sicherer.

Der Beilngrieser Wolfgang Brand beschäftigt sich mit der Geschichte seines Heimatortes.
Skrobanek,Paulina,-
Beilngries

„Dieser Weg wurde dann aber schnell von der Entwicklung überholt“, berichtet Brand. Nicht einmal 100 Jahre später – zum Ende des 19. Jahrhunderts – entstand die Straße am Paulushofener Berg, die noch heute bekannt und stark befahren ist. Durch ihre geringere Steigung eignete sie sich wesentlich besser für die Fortbewegung. Der Alte Berg hingegen ging ruhigeren Jahren entgegen – was so manchem Volksfestbesucher auf dem Heimweg aber vermutlich ganz gelegen kam.

 

JEDE MENGE INFORMATIONEN

Heimatforscher Wolfgang Brand würde sich wünschen, dass die Geschichte des Alten Wegs zwischen Beilngries und Paulushofen nicht in Vergessenheit gerät. Seine Idealvorstellung wären zwei Informationstafeln, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Eine könne man im Tal – im besten Fall am Parkplatz vor dem Berganstieg – anbringen, die andere weiter oben, wo sich die Radfahrer bereits nach einer erholsamen Rast sehnen, so Brands Idee.

Auf einer Tafel würde er gerne die Geschichte dieser wichtigen Verbindungsstrecke darstellen – mit menschelnden Details. Wer war hier unterwegs? Klar, die Händler. Ihnen schlossen sich einst aber auch Pilger, Kreuzzügler und Leute, die auf der Flucht vor der Pest waren, an, wie Brand erzählt. Man reiste gerne in Gruppen, um nicht auf sich allein gestellt einer Räuberbande in die Hände zu fallen. Übernachtet wurde in Städten wie Beilngries, in denen die Wagen und Tiere durch eine bewachte Stadtmauer geschützt waren.

Auf der anderen Tafel könnte man laut Brand dann mehr ins Technische gehen. Dort könnten sich Informationen und Daten zum Bau des Weges am „Alten Berg“ wiederfinden, so Heimatforscher Brand im Gespräch mit unserer Zeitung. | rgf