Unterbürg: Wanderung zu seltenen Tieren und Pflanzen
Viel Interessantes wusste Marlene Gmelch-Werner bei der Wanderung durch das Tal der Weißen Laber zu berichten. - Fotos: Patzelt
Unterbürg

Im Mittelpunkt der naturkundlichen Wanderung standen dabei Besonderheiten, sowohl der außergewöhnlichen Pflanzen- als auch der Tierwelt dieses Lebensraumes. Hubert Stockmeier vom Bund Naturschutz Ortsgruppe Beilngries begrüßte die Wanderer an der Laberbrücke von Unterbürg. "Wir haben diese Tour sehr gerne in unser Jahresprogramm aufgenommen. Es wurden nämlich immer wieder Stimmen laut 'Da hab ich als Kind gerne gespielt und da möchte ich mal wieder hin'", begründete der Ortsgruppenvorsitzende die Routenauswahl.

Aus Deuerling war das Ehepaar Nowak angereist. "Wir haben in der Fachzeitschrift BayernTourNatur über die Wanderung gelesen und sind schon gespannt darauf, was wir alles entdecken", freute sich Fritz Nowak zu Beginn der Wanderung und schnallte sich dabei seinen Rucksack auf den Rücken. Und der Deuerlinger sollte auf der Tour durch die herrliche Landschaft des Labertals so einiges zu Gesicht bekommen. Auch die Zwillinge Andreas und Gregor Leopold aus dem nahen Mallerstetten freuten sich auf die Wanderung - hatten sie doch vorher von Gmelch-Werner Becherlupen bekommen, mit denen sie sowohl kleine Tierchen als auch Pflanzen genauestens inspizieren wollten.

"Wir haben heute Zeit. Wir wollen keinesfalls hetzen sondern unsere Augen und Ohren offen halten, für alles, was uns auf unserer Wanderung begegnet", forderte Gmelch-Werner, die seit 25 Jahren Naturführungen leitet, die Teilnehmer vor dem Start im romantisch in das Labertal eingebettete Unterbürg auf.

Schon nach kurzer Zeit stieß die Gruppe auf die ersten Gäste. Einige Bläulinge hatten sich auf Wildblüten niedergelassen und hoch oben in den Lüften zogen zwei Mäusebussarde ihre majestätisch anmutenden Kreise. Entlang der Weißen Laber tappte in gemächlichem Schritt ein Graureiher durch die naturbelassenen Wiesen. "Er ernährt sich überwiegend von Mäusen, aber natürlich stehen auch Fische auf seiner Speisekarte", wusste die Naturführerin über den von vielen Anglern recht ungern gesehenen Gast zu berichten. Laut Gmelch-Werner würden die Wiesen leider viel zu oft niedergemäht. "Insekten haben daher oft keine Chance, sich zu vermehren", bedauerte die Wanderführerin diese Entwicklung.

Am Waldrand wurde die fünfjährige Emma fündig. Sie hatte kleine Rüsselkäfer entdeckt, die sie in ihre Becher genauestens unter die Lupe nahm. "Schau mal, wie schön grünlich sie glänzen", freute sich das Mädchen aus Oberndorf und gab die Lupe an ihre Mama weiter. An herrlich erblühten Heckenrosen und der schon etwas verwelkten Waldakelei ging die Tour an der Nordseite der Weißen Laber weiter in Richtung Staadorf. Die Wanderer stießen auf einige Baldrianpflanzen, von denen die Wurzeln zur Herstellung von Beruhigungsmitteln Verwendung finden und rochen an den Blättern der Pfefferminze. Zum Spitzwegerich wusste der neunjährige Gregor sofort, dass dieser bei Insektenstichen eine wohltuende Wirkung zeige und Emma fügte hinzu: "Auch wenn man sich an den Brennnesseln verbrannt hat, kann man ihn hernehmen".

Dass man allerdings nicht jede Pflanze auch anfassen sollte, wurde sowohl den Kindern als auch den Erwachsenen schnell klar, als Gmelch-Werner auf eine hellgelbe, lang gestielte Blume mit walzenförmigen Blüten stieß, die sich recht unscheinbar am Wegrand ausbreitete. "Das ist der Wolfs-Eisenhut. Bevorzugt wächst er in schattigen Lagen, feuchten Wiesen und Hochstaudenfluren. Er benötigt durchlässig feuchte, nährstoff- und humusreiche Böden und blüht zwischen Juni und August", so die Wanderführerin. Dann kam sie allerdings auf etwas ganz Wichtiges zu sprechen: "Der Wolfs-Eisenhut ist äußerst giftig. Er enthält in allen Pflanzenteilen, vor allem im kräftigen Wurzelstock und in den Samen, das Alkaloid Lycaconitin. Wenige Gramm der Pflanzenteile können schon tödlich sein. Die Berührung der Pflanze mit ungeschützter Haut kann bereits zu Hautschäden, Ausschlägen, Brennen bis zur Taubheit führen. Über die Schleimhäute wird das Gift direkt aufgenommen."

Gmelch-Werner wusste aber auch Allgemeines über die Laber zu erzählen: "Laber bedeutet so viel wie 'lauter Fluss', während man bei der Altmühl eher von einem 'stillen Fluss' sprechen kann, da dieser nicht plätschert". Die Weiße Laber sei ein 45 Kilometer langer, linker Nebenfluss der Altmühl und entspringe im Aubrunnen südlich des Stadtteils Voggenthal von Neumarkt in der Oberpfalz. Die Weiße Laber fließe durch den Oberpfälzer Jura in Richtung Süden. Bei Dietfurt teile sie sich auf und münde in einen Altarm der Altmühl.

Am Südhang des Tales führte die lehrreiche Wanderung von Staadorf, wo die Teilnehmer auf die Wochenstube der Fledermäuse im Turm der Kirche aufmerksam gemacht wurden, wieder zurück an den Ausgangspunkt nach Oberbürg.