Mühlbach: Neuigkeiten aus der Unterwelt
Bizarres Erdinnere und gefahrvolle Vorstöße: Rund 300 Besucher tauchten in der Mühlbacher Kaminkehrerschule ein in die düstere und beeindruckende Unterwelt der Mühlbachquellhöhle. - Foto: Behringer
Mühlbach
Mit dem friedlichen Rauschen des Mühlbaches stimmten die Forscher in die Materie ein. Seit den 1990er Jahren sind sie – damals noch nicht unter dem Namen Karstgruppe – in der Gegend zur Erforschung unterwegs, begann Christian Schöffel den Vortrag. Dabei wäre ihnen zu Ohren gekommen, dass es im Jahr 1909 ein katastrophales Ereignis gegeben habe, sagte er. Ein Sturzbach aus dem Fels hatte weite Teile des Ortes in Mitleidenschaft gezogen.

Diesbezüglich hat das königlich-hydrologische Büro – eine Art Vorläufer des Wasserwirtschaftsamtes – eine Studie vorgelegt. „Das waren Impulse für uns, der Sache auf den Grund zu gehen“, erinnerte sich Schöffel. Einwohner, die das Hochwasser von der Erzählung vorhergehender Generationen her kannten, sind befragt worden. „Uns war angesichts der Fakten klar, dass wir es mit einem groß dimensionierten System zu tun haben.“

Am 20. Juni 1998 haben die Arbeiten begonnen, nach 140 Tagen Einsatzgrabung war es Ende Dezember 2000 soweit; der erste natürliche Höhlenraum lag vor den Forschern. Es folgte „ein bis ins kleinste durchgeplanter Vorstoß über mehrere Kilometer Höhlenstrecke“, erzählte Christian Schöffel.

Immer begleitet vom Wasser, wie es in der ganzen Höhle der Fall sei. Eine ganz andere Welt im Gegensatz zu dem betongesicherten Such- und Sondierstollen im Eingangsbereich, den er mit einer Mine verglich. „In langen Jahren nach der Erstbegehung“ sind die Erkenntnisse vertieft worden. Besonders beeindruckend: „Der Donnerdom, der seinen Namen zu Recht trägt mit seinem respektablen Wasserfall“, betonte der Redner. „Wie überall in viele Bereichen ist es so laut, dass man sich auf Distanz nicht verständigen kann, man muss schon nah nebeneinander sein“, erklärte er.

Weiter oben würde in den Wasserlauf wieder Ruhe einkehren, es folgen demnach längere Seen und Flusssequenzen, Tonnengewölbe, und immer wieder „wirklich aufregende Tropfsteingewächse“.

Schöffel stellte auch die Ausrüstung vor. „Um sich bei neun Grad Jahr ein, Jahr aus gegen die Kälte zu schützen, ist der Trockentauchanzug gänzlich unverzichtbar“, sagte er. Dazu kommen Helm, Lichtquellen, Kletterausrüstung, Vermessungsgegenstände und einiges mehr wie die Kletterausrüstung. Er verwies auf die „besonderen, auch unangenehmen Herausforderungen, nicht nur beim freien Klettern, sondern vor allem beim Durchqueren der vielen Siphons oder beim richtigen Tauchen. „Manchmal muss man sich irgendwo durchzwängen, Sauerstoffflasche am Mann, und dabei aufpassen, dass man das Sediment nicht aufwirbelt, um nicht die Sicht und die Orientierung zu verlieren“, beschrieb Schöffel die Schwierigkeiten.

Übernachten würden sie noch nicht in der Höhle, aber die 14- bis 15-stündigen Touren seien physisch und psychisch ermüdend, sagte er. Neben der „diffizilen Ausrüstung“ seien Erfahrung und „das entsprechende Nervenkostüm“ Grundvoraussetzung. Schöffel und sein Koreferent, der Geologe Stefan Glaser, berichteten von den aufwendigen geologischen, biologischen und hydrologischen Untersuchungsmethoden und ihren Erkenntnissen für ganz verschiedene Wissenschaftszweige daraus. An einem „gefahrlosen virtuellen Rundflug“ durch den bisher begangenen Höhlenkomplex in voller Länge nahmen die Besucher Teil. Immer wieder war ein bewunderndes „Wow“ im Saal zu vernehmen. Den Abschluss bildete eine mystisch anmutende 20-minütige 3-D-Schau.