Die Kevenhüller erinnern sich an ihre Ehrenbürgerin Prinzessin Hella von Bayern, die vor Kurzem gestorben ist.
Harrer, Tanja, Kevenhüll
Kevenhüll

Der Grund für diese Ehrenbürgerschaft war, dass man beiderseits den gemeinsamen Ursprung in Ehren halten und die jahrzehntelangen Beziehungen auffrischen wollte. Kevenhüll wird nämlich bis heute eine Verwandtschaft zum Grafengeschlecht der "Khevenhüller" nachgesagt. Dieses ist mittlerweile in Hochosterwitz, Kärnten, angesiedelt und seit etwa 470 Jahren Eigentümer der dortigen Burg - eine der imposantesten Österreichs. Ursprünglich, so zeigen es historische Belege, sei jedoch anzunehmen, dass die Wiege das Adelsgeschlechts in Khevenhüll in der Oberpfalz (seit 1972 Oberbayern) liegt - erstmalige Erwähnungen stammen ungefähr aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Das Erdgeschoss des damaligen Wohnturms der Adelsfamilie ist vermutlich bis heute erhalten und Teil des Kevenhüller Kirchturms.

Die Khevenüller zogen in etwa im 14. Jahrhundert vom Kevenhüller Berg nach Kärnten und etablierten sich dort im Laufe der Jahrhunderte erfolgreich. 1763 wurde dann Johann Josef Khevenhüller von Kaiserin Maria Theresia in den Fürstenstand erhoben.

Das Interesse der vergangenen Generationen an dieser gemeinsamen Geschichte war auf beiden Seiten groß und die Beziehung wurde auf Anregung von Prinzessin Hella 1967 intensiviert. So reisten seitdem Kevenhüller des Öfteren nach Österreich, zum Beispiel im Juli 1968 auf Einladung von Hellas Vater, um die Burg anzusehen. Aber auch Mitglieder der Adelsfamilie kamen ab und an nach Kevenhüll. Besonders Prinzessin Hella maß der Verbindung mit der Ortschaft Kevenhüll sehr viel Bedeutung zu. Ab ihrer Ernennung zur Ehrenbürgerin des Dorfes brachte sie bei ihren zahlreichen Besuchen immer wieder die Freude zum Ausdruck, am Ursprung ihrer Herkunft zu stehen. Zudem stiftete sie 1967 eine Amtskette aus dem Familienbesitz des Adelsgeschlechts für den Kevenhüller Bürgermeister, die bis zum heutigen Tag von dem jeweiligen Ortssprecher zu feierlichen Anlässen getragen wird. Als der Ort noch eine Schule besaß, kam sie auch des Öfteren in der Adventszeit zu Besuch und brachte den Kindern Geschenke mit. Zudem benannte man in Kevenhüll einen Aussichtspunkt nach der Ehrenbürgerin. Vom Hellafelsen auf dem Kevenhüller Berg aus hat man einen schönen Ausblick auf Beilngries.

Die Kevenhüller erinnern sich an ihre Ehrenbürgerin Prinzessin Hella von Bayern, die vor Kurzem gestorben ist.
Harrer, Tanja, Kevenhüll
Kevenhüll

Außerdem war Prinzessin Hella Gast, als die Kevenhüller 1972 das 900-jährige Bestehen ihres Ortes feierten. Im Jahr 1974 übernahm sie zudem das Amt der Fahnenmutter bei der Fahnenweihe der Kevenhüller Feuerwehr. Damit setzte sie ganz bewusst ihre Bindungen zu Kevenhüll fort. Zum 100. Vereinsgeburtstag der Feuerwehr im Sommer 1993 kam Hellas Bruder, Fürst Max Khevenhüller-Metsch, der das Amt des Schirmherrn übernahm, nach Kevenhüll gereist. Prinzessin Hella stärkte die Beziehung weiter, indem sie bei einem Besuch im Jahr 2001 spontan zusagte, sich aktiv an den Festlichkeiten zur Fahnenweihe des Schützenvereins Jurahöhe Kevenhüll beteiligen zu wollen. Sie übernahm auch für diesen Verein das Amt der Fahnenmutter und kam zu dem Fest im Sommer 2003 für zwei Tage nach Kevenhüll. Dort nahm sie eine aktive Rolle beim Zeremoniell der Segnung der neuen Vereinsfahne ein und marschierte zu Fuß selbst bei dem Festzug mit, worauf sie sich damals besonders freute. Auch per Post hielt man bis vor wenigen Jahren regelmäßig Kontakt. Nun betrauern die Bürger in Kevenhüll den Verlust einer engagierten und stets willkommenen und hoch geschätzten Ehrenbürgerin.

BIOGRAFIE

Prinzessin Hella wurde am 4. April 1921 als Tochter von Franz-Eduard Fürst von Khevenhüller-Metsch und Anna Prinzessin von Fürstenberg in Wien geboren. Sie heiratete im Jahre 1953 den Wittelsbacher Konstantin Prinz von Bayern und später kam die gemeinsame Tochter Isabell zur Welt. Nach dem Tod von Prinz Konstantin durch einen Flugzeugabsturz im Jahre 1969 heiratete Hella 1970 Eugen Prinz von Bayern. Mit ihm ließ sie sich im Allgäu nieder.

Prinzessin Hella war Photobildnerin, sie fotografierte und gestaltete Figuren aus Ton. Seit 1957 arbeitete sie den Angaben der Familie nach als Modelleurin für die Porzellanmanufaktur Nymphenburg und organisierte Ausstellungen - unter anderem in New York. In Bad Hindelang führte sie zudem Generationen von Kindern in die Kunst der Hinterglasmalerei ein.

Am 25. Dezember 2017 starb sie in Bad Hindelang-Hinterstein. Das Requiem ist für den 12. Januar in der Wallfahrtskirche Andechs geplant. Die Beisetzung erfolgt auf Wunsch der Prinzessin im engsten Familienkreis, teilt die Verwaltung mit. | jah