Kevenhüll (jah) Die Kevenhüller sind erleichtert: Fast ein Jahr mussten sie sich mit massiven Problemen bezüglich der Internetversorgung herumschlagen, was viele Nerven kostete und zu einigen hitzigen Diskussionen führte. Nun können sie sich endlich wieder im Internet bewegen und telefonieren, ohne von ständigen Ausfällen oder niedrigen Bandbreiten unter einem Megabit pro Sekunde (Mbit: Die Kevenhüller atmen auf
Auf verschiedenen Endgeräten Videos streamen, im Internet surfen, telefonieren, E-Mails versenden - das alles ist in Kevenhüll nun wieder ohne Einschränkungen möglich, denn seit Anfang November ist der Ort an das Glasfasernetz angeschlossen, wodurch wesentlich höhere Bandbreiten möglich sind. - Foto: Harrer
Kevenhüll

Dies hat ein Ende, da die Firma Inexio über einen eigenwirtschaftlichen Ausbau für Kevenhüll Anfang November den lang ersehnten Glasfaseranschluss realisiert hat und somit die alte Richtfunkverbindung abgeschaltet werden konnte.

Damit ist man auf dem Weg zur Gigabit-Gesellschaft einen Schritt vorangekommen - am Ziel ist man aber noch nicht. Nun seien zwar schon Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s möglich, so das Kommunikationsunternehmen. Solch optimistische Versprechen müssten aber mit Vorsicht genossen werden, warnte Georg Harrer (CSU), Stadtrat und Ortssprecher von Kevenhüll, die zahlreich erschienenen Bürger im Rahmen einer Ortsversammlung zum Thema "Internet" am vergangenen Samstagabend. So ist die Glasfaser zwar in Kevenhüll am Verteilpunkt angekommen, von dort aus würde die Verbindung in die einzelnen Haushalte aber nach wie vor über Kupferkabel hergestellt. "Momentan müssen wir uns auf der letzten Meile noch mit Kupfer herumschlagen, die erreichbaren Bandbreiten sind dadurch eingeschränkt. Irgendwann stoßen wir mit der Kupferleitung an Grenzen. Die momentane Technik VDSL2+ ist deshalb eigentlich nur ein Zwischenschritt. Der Glasfaserhausanschluss bleibt weiterhin das große Ziel", betonte Harrer.

Generell müsste nun aber jeder Kunde seine momentan gebuchte Leistung bekommen. Mit dem Glasfaseranschluss seien nun höhere Bandbreiten möglich, die man durch einen Tarifwechsel erhalten kann - bis zu 100 Mbit/s seien buchbar. Diese seien aber schwer zu erreichen, denn schon bei mehr als 50 Mbit/s werde es zunehmend problematischer, da die letzte Meile dort der limitierende Faktor ist. Dies sei technisch bedingt, was Harrer den Kevenhüllern mithilfe einiger Grafiken erklärte. Die Internettelefonie (VoIP) dürfte nun bei allen Tarifen auf keine Schwierigkeiten mehr stoßen und auch das Fernsehen über Internet (IPTV) müsste bei höheren Bandbreiten nun funktionieren, fasste der Ortssprecher zusammen.

Des Weiteren habe man einige der Forderungen an Inexio, die in den Versammlungen im Sommer besprochen wurden (wir berichteten), umsetzen können. Dazu gehörte die Festlegung der Mindestbandbreiten, die Möglichkeit, ein kostenloses Downgrade zu buchen, falls die gebuchte Leistung aufgrund der Kupferleitung nicht erreicht wird, ebenso ein Sonderkündigungsrecht für diesen Fall und eine festgelegte Mindestverfügbarkeitsrate. Auch Störungen sollen zukünftig in der Regel innerhalb von 48 Stunden behoben werden. Der Fall, der im Sommer für Unmut sorgte, als über Wochen nichts passierte, sollte nun der Vergangenheit angehören.

Die Bestandskunden könnten den Tarifwechsel bis Ende November kostenlos vornehmen. Damit dies schnell und unkompliziert über die Bühne geht, können die Anträge in einem verschlossenen Briefumschlag bis 30. November beim Ortssprecher abgeben werden. Diese werden dann geschlossen mit den notwendigen Zusatzinformationen an das Unternehmen weitergereicht. Zum Jahresbeginn sollten die Kunden dann über die neuen Bandbreiten verfügen können, heißt es.

Nach drei Monaten wollen sich dann die Verantwortlichen der Stadt Beilngries, von Inexio und Harrer selbst noch mal zusammensetzen, um die Situation zu reflektieren. Auch die Kevenhüller werden in nächster Zeit gewiss ein Auge darauf haben, ob vertraglich vereinbarte Leistungen eingehalten werden oder Störungen auftreten. Denn obwohl Harrer sich Zeit nahm und versuchte, alle Details und Fragen zu klären sowie die weitere Vorgehensweise zu beschreiben, blieb am Ende eine leichte Skepsis im Gemeinde- und Schützenhaus spürbar - zu prägend waren die schlechten Erfahrungen der vergangenen Monate. Man bleibe mit dem Unternehmen jedoch in Kontakt und Harrer werde auch die offenen Punkte noch mal ansprechen: "Ich wünsche mir für alle, dass die Störungen nie mehr so markant sind wie im vergangenen Sommer, und dass mit der Glasfaser alles besser wird."