Jede Menge zu erzählen hatten Roland und Christa Klötzel zu ihrem Jurahaus in Grampersdorf.
Jede Menge zu erzählen hatten Roland und Christa Klötzel zu ihrem Jurahaus in Grampersdorf. Dabei mussten sie sich für das Kamerateam des Bayerischen Rundfunks auch in Pose stellen.
Patzelt
Grampersdorf
Kameramann Stefan Held, dessen Assistentin und Ton-Verantwotliche Kirsten Lüttjohann und Fernsehautorin Isabella Schels, eine gebürtige Riedenburgerin, waren mit Feuereifer bei der Sache. Das Magazin wird seit 1997 stets von Montag bis Freitag live aus München-Freimann, jeweils von 16.15 bis 17.30 Uhr, ausgestrahlt. Auf der Entdeckungsreise quer durch den Freistaat unter dem Titel „Höfe in Bayern“ werden dem Zuschauer regelmäßig geschichtsträchtige Anwesen vorgestellt, die in Schönheit und Perfektion durchaus mit der Landschaft konkurrieren können.

 

Für Roland Klötzel, seine Ehefrau Christa und die beiden Söhne Timo und Manuel ist es heute das Paradies auf Erden – das ehemalige Stoffelbauern-Anwesen in Grampersdorf. „Als wir 1999 den um 1720 errichteten Jurahof erworben haben, bot das einst ebenso stattliche wie charakteristische Juraanwesen einen eher trostlosen Anblick“, erinnert sich Roland Klötzel an die Anfänge zurück. Das Wohnstallhaus mit einem einstigen Kalkplattendach war völlig entstellt und mit Eternitplatten verkleidet. Sämtliche originalen Fenster waren herausgerissen und die Maueröffnungen vergrößert. Der Bauerngarten vor der typisch breiten Fassade war asphaltiert, der Backofen abgetragen und die für ein Jurahaus typische, gewölbte „Ruaßkuchl“ zerstört. „Die barocke Bohlen-Balken-Decke in der guten Stube hatte man zugeschalt und versteckt“, so der Hausbesitzer.

„Bei der Sanierung haben wir dem Stoffelbauern-Anwesen seine alte Schönheit wieder zurückgegeben“, freut sich auch Christa Klötzel über das äußerst gelungene Werk. Mit riesigem Ehrgeiz machte sich die Familie an die Arbeit. Rund 19 000 Arbeitsstunden steckten die beiden Idealisten in die Renovierung, die Stunden zahlreicher freiwilliger Helfer aus der Verwandtschaft und dem Freundeskreis gar nicht mitgerechnet. Die Arbeiten am Haus mit den Außenanlagen dauerten rund sieben Jahre und wurden überwiegend während der Ferien- und Urlaubszeit durchgeführt. „Die beiden Buben konnten uns dabei noch nicht helfen – der Timo war ja noch ein Stopsel und der Manuel ging in Rebdorf auf die Realschule“, erinnert sich Roland Klötzel zurück.

Bei der Renovierung entdeckten die Arbeiter ein zugemauertes, originales Fenster. Nach diesem Vorbild rekonstruierten sie auch die anderen. „Wir bargen aus Abbruchhäusern alte Bodenplatten, Dielenböden und Kalkbruchsteine und verwendeten sie wieder“, erzählt der Hauseigentümer. Mit dem Ausbau des alten Heubodens in eine 85 Quadratmeter große Wohnhalle bewies das Paar, dass modernes Wohnen in alten Bauten auch ohne Substanzverluste möglich ist. In dieser ehemaligen Tenne fanden bereits Benefizkonzerte mit der bekannten Ruaßkuchlmusi oder dem Ensemble für alte Musik namens Mille Fontane statt.

„Das hohe Alter des Hofes hat einen ganz besonderen Charakter, den wir unbedingt beibehalten wollten. Wir haben das Ganze mit neuer Technik kombiniert und so steht das urige Gebäude einem Neubau in nichts nach. Und wir haben einen ganz anderen Bezug zu diesem historischen Anwesen, weil wir so viel Zeit investiert haben“, stellt Roland Klötzel fest. Das Paar hat seine Erfahrungen aber auch an andere weitergegeben. Laut dem Eigentümer habe man so manchen Skeptiker und sogar Denkmalgegner überzeugen können, das Werk nachzumachen.

Im angrenzenden Hofladen verkaufen die Klötzels selbst gefertigtes Dekoratives aus Holz und Metall. Der gelernte Werkzeugmacher hat sich das Schmieden selbst angeeignet und Christa Klötzel beweist besonderes Geschick vor allem an der Carwingsäge. „Wir wurden von der Dorfbevölkerung ausgezeichnet aufgenommen und fühlen uns sehr wohl hier. Einer hilft dem anderen. Allerdings sind auch wir, wie die ältere Dame vorher, nur Bewohner auf Zeit. Aber ich bin mir sicher, dass es auch nach uns weitergehen wird“, schließt der Wahl-Gramperdorfer seinen kleinen Rundgang durch das aus dem Dornröschenschlaf erwachte Stoffelbauern-Anwesen ab.

Isabella Schels hat für den Bayerischen Rundfunk zwei Tage lang in Grampersdorf gedreht.
Patzelt, Anton, Beilngries
Grampersdorf

„Ausgesprochen schön und liebevoll renoviert“

Es ist ein ausgesprochen schöner, liebevoll und individuell renovierter Hof. Wir können hier die persönliche Note der Bewohner zeigen. Ebenso die mutige Rettungsgeschichte durch die die Familie Klötzel. Mit wenig Geld, aber hohem persönlichen Einsatz wurde das historische Ensemble restauriert. Es ist wirklich bemerkenswert, was man hier geleistet hat – vor allem, wenn man die Hofbilder von früher und heute vergleicht. Auch die vielen, selbst geschaffenen Kunstwerke sind äußerst interessant. Es handelt sich dabei um echte Unikate bis ins letzte Detail.

 

Wie lange haben die Dreharbeiten in Grampersdorf gedauert?

Schels: Wir arbeiten auf jedem Hof immer zwei volle Tage. Und das acht bis zehn Stunden pro Tag. Da dauert natürlich der Aufbau mit Beleuchtung der Innenräume schon eine gewisse Zeit. Es soll ja für den Zuschauer vor dem Fernsehgerät alles gut rüberkommen. Hier haben wir ein Riesenangebot an Motiven vorgefunden. Der Beitrag wird etwa sechs bis acht Minuten lang sein.

Und wann wird er gesendet?

Schels: Es steht noch kein fester Sendetermin fest. Der Beitrag wird wohl im Herbst laufen. Momentan ist Sommerpause. Am 4. September geht es wieder los mit „Höfe in Bayern“. Allerdings kommt dann auch noch das Oktoberfest. Während dieser Wochen wechseln wir immer ab – mal live von der Wiesn und dann wieder aus dem Studio in Freimann.

 

Das Gespräch führte

Anton Patzelt.