Der Smiley begleitet das Mut-Tour-Team auf der Reise und steht stellvertretend für alle unerkannten Depressionserkrankten.
Der Smiley begleitet das Mut-Tour-Team auf der Reise und steht stellvertretend für alle unerkannten Depressionserkrankten.
Berger
Beilngries
Dies ist ein Aktionsprogramm, das sich gegen Vorurteil bei Depressionen einsetzt und heuer auf seiner Reise auch Halt in Beilngries machte.

 

Die Aufteilung ist klar geregelt. Drei Teams mit je einem besetzten Tandem bilden eine Etappengruppe. „Es geht um die gegenseitige Unterstützung, unseren Teilnehmern zu helfen und die Scheu zu bewältigen, mit einem Fremden auf ein Rad zu steigen,“ sagt die 31-jährige Sarina Krebs, Teilnehmerin an der Etappengruppe von Fulda bis Regensburg. „Aber da braucht jeder unterschiedlich lange.“

Die Leipzigerin machte vor fünf Jahren das erste Mal Erfahrung mit der Erkrankung. „Ich dachte damals, das ganze ist nach drei Monaten wieder weg, aber es dauerte deutlich länger, ehe sich etwas änderte.“ Um einer Depression entgegenzuwirken, sei Vertrauen auch über längere Zeit ein wichtiger Faktor. Dieses Vertrauen soll durch die MUT-Tour geweckt und verstärkt werden. Dabei legt das Projekt, initiiert vom Künstler Sebastian Burger, den Fokus auf die Gemeinschaft. Die Teilnehmer bewältigen die Tourkilometer im Kollektiv auf dem Tandem, im Zweierkanu oder per Wanderung in der Gruppe. Seit 2012 radeln, paddeln und laufen die gemischten Gruppen aus Teilnehmern mit und ohne Depressionserfahrung durch Deutschland. Dieses Jahr ist eine Strecke von 3200 Kilometern geplant. Start war am 10. Juli in Bremen und auf verschiedensten Etappen quer durch die Bundesrepublik endet die Tour am 25. August in Leipzig. Durch die Einflüsse der Gruppenarbeit, Sport und Natur soll es gelingen, Abstand von der Depression zu gewinnen, und zeigen, dass Depressionen gut behandelt werden können. Allerdings ist die Fahrt keine Therapie, sondern sie soll lediglich den betroffenen Teilnehmern einen Anstoß zur Veränderung geben. Die Initiatoren wollen zeigen, dass es einen Ausweg aus der Depression gibt. „Die Tour war für mich der Beweis, dass ich vieles noch kann“, erzählt Jürgen Fischer, als er über neu gewonnenes Selbstvertrauen spricht. Er ist mit 56 Jahren einer der älteren Teilnehmer.

Zudem geht es darum, Aufmerksamkeit zu wecken und das Gesellschafts-Bild der Depression als Erkrankung zu korrigieren. Neben den zahlreichen Presseterminen kommen die Mut-Tour-Teilnehmer in den knalligen Trikots mit den unterschiedlichsten Menschen schnell ins Gespräch und können so leicht Aufklärungsarbeit betreiben. „Wir überzeugen die Leute davon, dass Personen mit Depressionen nicht durch Faulheit und Antriebslosigkeit bestimmt sind. Diese Vorurteile verursachen eine Scham bei den Betroffenen. Da wollen wir entgegenwirken,“ erklärt Sarina Krebs. Viele Betroffene hielten ihre Depression dennoch zurück, weil sie es sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht trauen würden oder leisten könnten, wie berichtet wurde. Als Symbol der Unterstützung für diejenigen hat der Reisetrupp immer einen Smiley dabei, der all die unerkannten Erkrankten repräsentiert. Nach dem Stop in Beilngries ging es für die Tandemfahrer weiter entlang der Altmühl, um über den Radweg an der Donau ihr Ziel Regensburg zu erreichen.

Die Stiftung der Deutschen Depressionshilfe bietet unter der Nummer (0800) 334 45 33 Hilfe an. Interessierte an der Mut-Tour finden im Internet unter www.mut-tour.de alle Informationen zur Teilnahme an der Reise im kommenden Jahr.