Dietfurt: "Wer sich verbiegt, hat schon verloren"
Setzt sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein: Hannelore Spangler war selbst alleinerziehende Mutter. - Foto: Firma Spangler
Dietfurt

Frau Spangler, wie haben Sie von der Ehrung erfahren?

Hannelore Spangler: Etwa zweieinhalb Wochen vor der Verleihung erhielt ich die Einladung per Post und war völlig überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Den Brief von Horst Seehofer habe ich dann erst ein paar Mal durchgelesen.

 

Was war Ihr Gefühl, als Sie den Verdienstorden dann aus der Hand von Horst Seehofer empfangen haben?

Spangler: Richtig bewusst wurde es mir in dem Moment, als ich im wunderschönen Antiquarium in der Münchner Residenz saß. Alles war sehr festlich und feierlich. Es waren für mich bewegende Momente. Dass ich persönlich diese Auszeichnung erhalten habe, ist für mich eine besondere Ehre, die mich mit Stolz erfüllt.

 

Wurde auch daheim gefeiert?

Spangler: Da ich weiß, dass ich es vielen Menschen verdanke, die dazu beigetragen haben, gab es nicht nur eine kleine Feierstunde in der Familie, sondern auch in der Firma. Neben der Information über den Ablauf der Verleihung, konnten die Mitarbeiter einen Blick auf den Orden werfen, die Laudatio nachlesen und Weißwürste oder Wiener essen. Mir war es wichtig, mich bei ihnen zu bedanken. Schließlich ist es die Summe an Menschen, die dazu beigetragen hat, dass ich diese Auszeichnung erhalten habe.

 

Sie haben im Jahr 2003 die Leitung der Firma gemeinsam mit Familienmitgliedern übernommen, als ihr Mann plötzlich starb. Wie war die Situation damals und hatten Sie schon einen konkreten Plan, wie es weitergehen sollte?

Spangler: Mein Mann Franz hatte die Firma als Elektroinstallations- sowie Radio- und Fernsehtechnikermeister im Jahr 1981 als einen Einmannbetrieb für Gebäudeinstallation gegründet. Im gleichen Jahr bauten wir die erste Schaltanlage. 1991 gründeten mein Mann, mein Bruder Helmut Graspointner und ich die Elektro Franz Spangler GmbH.

 

Welche Voraussetzungen brachten Sie dafür mit?

Spangler: Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und in dieser Zeit bei einer anderen Firma in Teilzeit gearbeitet, meine beiden Töchter betreut, meinen Haushalt erledigt und mich ehrenamtlich engagiert, zum Beispiel im Frauenkreis oder bei Kolping Töging. Immer, wenn Zeit war, habe ich meinem Mann quasi als Lehrling beiseitegestanden, habe Schalterdosen eingegipst, Kabel eingezogen, Steckdosen gesetzt oder Material bestellt. Da wächst man langsam über das eigene Tun in die Firma hinein.

 

Wie konnten Sie parallel noch Ihre Kinder großziehen?

Spangler: Ich bin froh, dass wir, unter anderem was die Kinderbetreuung betrifft, großen Rückhalt von meiner Mutter und Schwiegermutter hatten. Denn Tagesmütter oder Kinderkrippen hat es zu dieser Zeit noch nicht so gegeben. Als mein Mann plötzlich gestorben war, haben wir, mein Bruder mit Familie und ich mit Familie, uns an einen Tisch gesetzt, und überlegt, ob wir und wenn ja, wie wir das Unternehmen weiterführen. Damals hatten wir bereits 50 Mitarbeiter.

 

Was waren die ersten Maßnahmen?

Spangler: Wir haben angefangen, in den ersten beiden Jahren alles komplett umzustrukturieren, wie etwa die Arbeitsabläufe und Organisationsstrukturen. Und wir hatten bereits ganz konkrete Pläne und Ziele. Wichtig war uns immer, die Kunden, mit denen wir zusammenarbeiteten, beizubehalten und zufriedenzustellen.

 

Mussten Sie auch an sich selbst arbeiten?

Spangler: Für mich persönlich war und ist es wichtig, dass ich mich ständig weiterqualifiziere. So habe ich mich vor allem am Anfang in viele Themen intensiv eingearbeitet. Unser großes Ziel nach dem Tod meines Mannes war es, das Unternehmen für die nächste Generation gut aufzustellen, eine Firma zu haben, die gesund dasteht und für die Zukunft ausgerichtet ist. Sichere, attraktive Arbeitsplätze, innovative Lösungen, Zuverlässigkeit und Planungssicherheit für unsere Kunden hatten und haben dabei stets oberste Priorität.

 

Wer ist oder war Ihr persönliches Vorbild?

Spangler: Meine Eltern. Sie waren immer wahnsinnig fleißig und haben fünf Kinder großgezogen, die alle beruflich erfolgreich sind. Meine Eltern waren stets gerecht. Sie sind für mich sehr starke Vorbilder: Menschen, die uns Kindern Flügel und Freiheiten gegeben und uns laufen ließen. Meine Eltern haben es geschafft, mir den richtigen Weg zu weisen, ohne mich dabei einzuengen. Ich konnte mich entwickeln.

 

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

Spangler: Dass ich etwas bewegen, etwas anschieben kann. Ich finde es immer spannend, wenn ich mich auf neue Themen einlassen darf, die Mitarbeiter mit ins Boot holen und etwas verändern oder Neues starten kann. Ohne Veränderung wäre es langweilig.

 

Welche Ihrer Eigenschaften halten Sie für unverzichtbar, bezogen auf Ihren unternehmerischen Erfolg?

Spangler: Meine Hartnäckigkeit und die Fähigkeit, konsequent zu sein. Wenn man sich ein Ziel gesetzt hat, muss man dieses verfolgen, allerdings nicht immer bis zur bitteren Neige. Man muss ebenso erkennen, wenn der Weg nicht passt und diesen gegebenenfalls verlassen oder korrigieren - mitunter einen anderen Weg einschließlich eines neuen Ziels suchen. Unverzichtbar sind auch Ehrlichkeit und die Gabe, sich selbst treu zu bleiben. Wer sich verbiegt, hat schon verloren.

 

Wer oder was inspiriert Sie?

Spangler: Begegnungen und Gespräche mit anderen Menschen, egal, ob privat oder beruflich. Man muss sich vernetzen und dabei aktiv sein. Kontakte zu anderen Firmen und Firmenchefs. Bei meiner privaten Kniffelrunde beispielsweise, einmal im Monat in Töging-Grögling - das ist immer eine Mordsgaudi. Überhaupt sind mir soziale Kontakte und Freunde sehr wichtig. Ich lese auch gerne. Man muss offen sein für alles. Inspirierend sind zudem Gespräche mit meinen Mitarbeitern, die aufgerufen sind, ihre eigenen Ideen und Vorschläge einzubringen.

 

Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?

Spangler: Sensibel, ehrlich, fleißig.

 

Haben es Frauen in Führungspositionen schwerer als Männer?

Spangler: Das kommt auf die Unternehmenskultur an und hängt sicherlich noch von weiteren Faktoren ab. Frauen müssen prinzipiell aber oft mehr Überzeugungsarbeit als Männer leisten und ihre Hausaufgaben immer sehr gut machen. Frauen trauen sich bedauerlicherweise oftmals nicht so viel zu wie Männer. Männer stellen sich nicht immer in Frage, sie probieren einfach aus.

 

Stichwort Frau und Beruf. Wie stehen Sie dazu?

Spangler: Ich habe selbst zwei Kinder großgezogen, war ab dem Jahr 2003 alleinerziehend. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es manchmal ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

 

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dieser Erkenntnis für die Leitung der Firma?

Spangler: Ich möchte es meinen Mitarbeitern ermöglichen, beides zu vereinbaren. Aber dabei sind nicht nur immer die Frauen gefragt. Die Männer heutzutage wollen sich gerne mit einbringen. Wir bei Spangler versuchen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch hohe Flexibilität bei den Arbeitszeiten das zu ermöglichen: Teilzeitmodelle, Homeoffice und Jobsharing. Es ist ja nicht immer das Thema Kinder, sondern auch andere Bereiche wie Hausbau, Pflege von Angehörigen, Weiterqualifizierung und vieles mehr spielen im Berufsalltag eine Rolle. Die Mitarbeiter zu unterstützen, auf deren privaten Alltag mitunter Rücksicht zu nehmen, ist mir ein persönliches Anliegen.

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft der Firma?

Spangler: Die Pläne für die Zukunft sind unsere definierten Ziele. Eines davon ist: Wir erzielen wirtschaftliche Erfolge, damit wir innovative Lösungen für unsere Kunden und attraktive Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter zur Verfügung stellen können. Wirtschaftlicher Erfolg, sodass die Firma zu jedem Zeitpunkt eine gesunde Firma ist. Derzeit entsteht gerade eine 1200 Quadratmeter große neue Fertigungshalle. Wir denken in Generationen und wollen unseren Mitarbeitern sichere und attraktive Arbeitsplätze bieten.

 

Wie viele Stunden arbeiten Sie wöchentlich?

Spangler: Das ist ganz unterschiedlich. Im Schnitt sind es 45 bis manchmal sogar 60 Stunden. Ich versuche aber immer, dass ich den nötigen Ausgleich bekomme.

 

Stichwort Work-Life-Balance: Wie wichtig ist das für Sie und wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Wie und wobei können Sie abschalten?

Spangler: Work-Life-Balance ist für mich wahnsinnig wichtig. Ein Grund war sicher unter anderem der frühe Tod meines Mannes. Wir hatten damals nur gearbeitet. Ich habe mir nach seinem Tod geschworen, nie mehr am Wochenende zu arbeiten. Sicher klappt es nicht immer, aber ich halte noch daran fest. Ich brauche den Freiraum auch mal an etwas anderes zu denken, den Kopf frei und Platz für neue Ideen zu bekommen.

 

Welche Hobbys üben Sie aus?

Spangler: Ich liebe alles, wo ich mich bewegen kann, besonders aber das Bergsteigen, Mountainbiken, Klettern mit Seil und Haken. Mein Lebensgefährte und ich machen viele Bergtouren und immer wieder Hochtouren. Wir waren zum Beispiel vor Kurzem erst in Marokko im Hohen Atlas und anschließend in der Wüste unterwegs. Ich genieße aber auch meine Heimat. Ich muss nur aus dem Haus gehen und kann wunderschöne Wanderungen oder Radtouren unternehmen. Natur ist mir extrem wichtig, zum Entspannen, neue Kraft zu tanken. Dass man die Natur wirklich wahrnimmt, finde ich wichtig. Ich könnte mir daher ein Leben in der Großstadt nie vorstellen. Hier, wo wir leben, ist für mich ein Traum.

 

Das Gespräch führte

Katrin Hradetzky.