Dietfurt: Genussvolle Stunden im Jahr des Hahns
Perfekt zubereiteten Tee, der in China keine feste Teestunde kennt, sondern meist nach den Mahlzeiten genossen wird, servierte Kang Wei (oben). Ein frohes chinesisches Neujahr wünschten die Dietfurter. Zhou Yun zelebrierte gehobene chinesische Teekultur. - Fotos: Götz
Dietfurt

Die Dietfurter Bürgermeisterin Carolin Braun wünschte den Teilnehmern von der siebenjährigen Jule mit Vater bis zur Seniorin jenseits der 80 zum "chinesischen Tee viel Ruhe". Als "zentrales Element chinesischer Kultur" garantiere er eine "genussvolle Zeit".

Im Jahr des Hahnes finden Perfektionisten ihr Glück, erläuterte Kang Wei vom Konfuzius-Institut München, der für dieses Jahr zur Gelassenheit ermunterte, zu der auch die Teezeremonie beitrage. Bei dezenter Musik zelebrierte Zhou Yun mit eleganten Bewegungen die Zubereitung von "drei Runden Tee", die mit grünem Tee eröffnet wurde. Aufmerksam und still beobachteten die Teilnehmer des ausgebuchten Workshops, wie die zarten Teeschalen angewärmt wurden, die Teeblätter zuerst mit Wasser gewaschen und dann mit einem dünnen langen Wasserstrahl aufgegossen wurden. Poetische Texte aus China wurden im Hintergrund zum Teegenuss serviert. Sie beschrieben den zarten Duft des Getränks, der an "frischen Regen vom Himmel" erinnere.

Vom schwarzen Tee gab es vorweg eine Schnupperprobe. Dass er Müdigkeit vertreibe und den Geist reinige, versprachen die eingeblendeten Sätze. Wasser wurde zum Vorwärmen über die Teekanne gegossen und die Texte priesen das "edle Getränk" und seine Kraft. Dass die Teestunde "im Schweigen" zu geschehen habe, entspreche chinesischem Brauch, wurde erklärt. Der dritte Schluck vertreibe Kummer und Sorgen, war zu lesen, während mehrmaliges Abgießen und Umfüllen der Flüssigkeiten zu beobachten waren. Die zierliche Chinesin hantierte geschickt mit den Werkzeugen aus Holz beim Hochheben der Tassen und dem Einlegen der Teeblätter. Wenige Schlucke des Getränks aus feinem Porzellan mit perfekter Temperatur und würzigem Aroma überzeugten die erwartungsvollen Teetrinker bei der andächtigen Kostprobe. Der erste Aufguss des Oolong-Tees wurde im Tischbecken abgegossen. Die Kehle werde vom Tee "feucht geküsst", verhieß die fernöstliche Botschaft, der zweite Schluck löse "den Druck der Einsamkeit". Mit einem stillen Lächeln, das auch die ganze Zeremonie begleitet hatte, verbeugte sich die Teemeisterin zum Schluss.

Interessante Informationen zur Herkunft der Tees, zu Anbaugebieten, Aufbereitung, vielfältigen Geschmacksrichtungen, den verwendeten Geschirren und Geräten vom Teebecken über die Teezange bis zur Lotosplatte ergänzten die Vorführung. Praktische Tipps gab es zum Filtern des kalkreichen einheimischen Wassers, zum äußerlichen Vorwärmen der Teekanne und zur Bevorzugung des zweiten Aufgusses. Gefachsimpelt wurde über Yasmin-, Pu-Erh- und weißen Tee, denen außergewöhnlicher Geschmack zugeschrieben werde. Haltbarkeit, Wassertemperatur und Ziehzeit, die Art des Geschirrs und weiteres Wissenswertes zum chinesischen Nationalgetränk kamen zur Sprache. Dass die Schale nur zu zwei Dritteln mit dem aromatischen Getränk gefüllt werde, der Rest der Freundschaft reserviert bleibe und unwillkommene Gäste volle Tassen bekommen, war zu erfahren. Hochwertige Teesorten und die Utensilien zur Zubereitung waren ausgestellt.

Zweiter Bürgermeister Oliver Kuhn dankte für die "eindrucksvolle Teezeremonie", die - passend zum Jahr des Hahnes - Gelassenheit und Perfektion in allen Feinheiten gezeigt habe. Mit den Wünschen für ein schönes chinesisches Neujahr verband er die Hoffnung auf Gelassenheit.