Breitenbrunn: Kanonendonner und Musketenknall
Belagerungszustand herrscht an diesem Samstag und Sonntag im geschichtsträchtigen Marktflecken Breitenbrunn. ‹ŒArch - foto: Sturm
Breitenbrunn

Keine vergleichbare Veranstaltung im oberpfälzischen Jura verbindet Kultur, Geschichte und Gemeinschaft in diesem Ausmaß wie das Tillyfest. Für zwei Tage wird der Markt in das Leben und Treiben der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück versetzt. In allen Winkeln des Ortes lässt sich das harte Leben der damaligen Zeit erfühlen. Bei Gefechtsdarstellungen, Fakirspektakel, Ortserstürmung, Musik und Tanz, einem umfangreichen Kinderprogramm, Lagerleben in allen Winkeln, einem großen Festzug und vielem mehr wird den Besuchern von vielen Hundert Akteuren in historischen Gewändern ein realitätsgetreues Abbild der Geschichte von Breitenbrunn im Dreißigjährigen Krieg geboten.

Der historische Hintergrund für das Tillyfest ist, dass Kurfürst Maximilian I. 1624 seinen Kriegsherren Johann Tserclaes Graf von Tilly mit Breitenbrunn und Schloss Breitenegg beliehen hat. Am 7. Juni des gleichen Jahres kam der Heilige im Harnisch, wie er auch genannt wurde, zum ersten Mal nach Breitenbrunn, um sein neues Lehen in Besitz zu nehmen. Beim Tillyfest kann man den Besuch des großen Feldherrn sowie die Visite seiner Nachfahrin, Maria Anna Katharina Theresia Gräfin von Tilly-Montfort, erleben.

Wie immer haben sich die Veranstalter ein unvergleichliches Programm für beide Tage einfallen lassen: Zelte und Soldaten, Marktstände, schwedische Dragoner, bayerische Kürassiere, dazwischen Bänkelsänger und allerlei fahrendes Volk. Landsknechte, Zigeuner, Bauern, Jäger, Fischer, fahrende Handwerker, Bier brauende Mönche, Schweden und die Bürgerwehr haben ihre Lager aufgebaut. Beutelschneider, Wegelagerer, und Bettler sind unterwegs.

Kulinarische Genüsse gibt es ausreichend: Bauerngeschnetzeltes, Gulaschsuppe, Surfleisch, Zwiebelkuchen, Fisch am Stock, Fleisch im Brot, Sau vom Spieß, Räuberspieß, gefüllte Tillyrollen und vieles mehr. Kanonendonner und Musketenknall liegen in der Luft, Feldgericht und Musketendrill bieten große Spannung. Externe Gruppen wie das Regiment Matthias Gallas aus Tschechien, Bocskai Augyalai aus Ungarn, Pikeniere aus Memmingen, Rothenburg ob der Tauber und Wasserburg am Inn, die Holksche Horde und die Kroaten zu Altdorf, De Arton aus Bopfingen, die Laizer Landsknechte, der Verein Historische Nürnberger Stadtwache, Fanfarenzüge aus Straubing und Lupburg, die Burgfesttrommler aus Hilpoltstein - das Spektakel ist riesengroß.

Das Tillyfest beginnt an diesem Samstag um 15 Uhr mit der Nachstellung der Ortserstürmung. Es folgen ein Kinderturnier am Marktplatz um 16 Uhr, die Begrüßung der externen Gruppen um 17 Uhr und das Exerzitium - ein Drill nach historischem Vorbild mit Waffenschau - am Marktplatz. Um 19 Uhr stehen musikalische Darbietungen mit der Gruppe Tryzna aus Polen auf dem Programm. Um 20 Uhr ist der große Fackelzug mit allen Gruppen. Eine halbe Stunde später wird Feldgericht gehalten - es ist nicht geeignet für Kinder unter 14 Jahren - und danach geht's weiter mit Teil zwei des Konzerts der Gruppe Tryzna, einer Feuershow von Ameno Signum sowie einer nächtliche Schusseinlage mit Muskete und Kanone.

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem festlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche. Um 11.15 Uhr begrüßt der Herold die Gäste. Es gibt eine Führung auf den Spuren der Tillys. Um 11.30 Uhr ist beim Feldlager eine historische Gefechtsdarstellung. Um 12.45 Uhr ziehen Graf Tilly und Gräfin Tilly-Monfort mit Tross ein. Nach dem Standkonzert formiert sich um 14 Uhr der Festzug durch die Straßen und Gassen. Graf und Gräfin begrüßen ihr Volk, um 15 Uhr folgt ein Musik- und Fakirspektakel am Marktplatz.

Der Sonntag bietet viel für die Kinder, zum Beispiel eine Holzkegelbahn, ein Holzriesenrad, Bogenschießen und viele Bastel- und Spielmöglichkeiten in den Lagern. Für den Besuch des Tillyfestes haben die Besucher folgenden Pflasterzoll zu entrichten: Am Samstag und Sonntag zahlen Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren jeweils fünf Euro. Kinder bis einschließlich 14 Jahre sind frei. Eine Karte für das Wochenende kostet für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren acht Euro. Kinder bis 14 Jahre sind frei. Von Kopf bis Fuß historisch Gewandete zahlen keinen Eintritt.