Breitenbrunn: "Haberer schiast's, Haberer schreit's!"
Kein Blatt vor den Mund nahmen die Haberer gestern bei ihrem Auftritt in Breitenbrunn. Immer am Faschingsdienstag erinnern die wilden Gesellen an so manche Missgeschicke. - Foto: Sturm
Breitenbrunn

Um 15 Uhr versammelt sich die wilde Horde am Marktplatz. Die Gesichter sind rußgeschwärzt und auf den Hüten der Haberer prangen Federn und Zweige. Ohrenbetäubender Krawall von Waschbrettern, Blecheimern, Ratschen, Kochtöpfen und sonstigem Tand begleitet das Geschehen. Die Haberer sind in Auftrag von Kaiser Karl angetreten. Ein "Haberer schiast's, Haberer schreit's, mir san im Recht, Haberer läut's", erklingt. Der Eid wird geschworen und allen, die keinen Spaß verstehen, wird eine letzte Chance eingeräumt, die Flucht zu ergreifen. Musikanten spielen auf, die Faschingsfreunde verkaufen Glühwein, es geht los.

Als Erstes ergießt sich der Spott der Haberer über die hohe Politik in Berlin. Eine Schande sei es, dass es bisher immer noch nicht gelungen ist, eine neue Regierung zu bilden. Dann wird über ein ortsbekanntes Feuerwehrtrio berichtet. Das soll bei einem Tagesausflug zum Skifahren nach Österreich ohne Mautplakette an der Frontscheibe unterwegs gewesen sein. "Da ist ihnen das Lachen vergangen", stellte Haberermeister Thomas fest. Danach bekommt der Bürgermeister sein Fett weg, dem bei einer Wallfahrt ein volles Weizenglas aus den Händen geglitten und geborsten sein soll. Dazu der Habererchef: "Mit dem Geld der Gemeinde kannst du machen was du magst, aber die Verschwendung des bayerischen Lebenssaftes namens Bier hat ab sofort ein Ende."

Die Prinzengarde zieht sich ebenfalls die Lacher der Schaulustigen zu. Der sei beim Training das Malheur passiert, dass ein Gymnastikball platzte und diverse Gardemädels nach einem kurzen Knall mit ihrem Hintern direkt auf dem Boden landeten. Außerdem sei sauer aufgestoßen, dass die Mädels im Fasching bei den "Katzenfliachan" in Schnufenhofen unterwegs waren. Es sei schon ein Eklat, wenn eine Breitenbrunner Garde anstatt "Helau", im Faschingszug "Miau Miau" schreie.

So geht es lustig weiter, unter anderem wenn es um die in heimtückischen Tiefschlafattacken endenden Selbstversuche in Sachen Alkohol eines Breitenbrunner Zeitgenossen geht. Ein Bauherr habe außerdem viel Vitamin B gebraucht, damit er sein Haus schon vor Beginn der Kanal- und Straßenerschließung bauen konnte. Auch die Kirchweihburschen und Mädchen hätten im letzten Jahr wieder ganz schön gehaust und so manchen Gartenzaun beim Baumtransport umgehauen. Ein Ehepaar musste sich Vorwürfe gefallen lassen, weil es beim Tillyfest keinen Pflasterzoll entrichten wollte. Da sei es an der Kasse ganz narrisch zugegangen, fast wie im Dreißigjährigen Krieg. Die eindeutige Warnung: "Beim nächsten Tillyfest stellen wir an jede Kasse zwei Rußgeschwärzte von uns, dann gibt es keine Diskussion mehr." Ärgerlich sei für einen ehrenwerten Bürger das Missgeschick geworden, dass er vor einer Fahrt zum Arzt Öl in seinem Auto nachgefüllt habe, ohne den Öldeckel danach wieder aufzuschrauben. Für einen anderen Zeitgenossen wäre es vermutlich besser gewesen, nach der Rocknacht seinen Körper gehen zu lassen, anstatt mit seinem Roller jede Kurve zu verpassen. Hanebüchen auch die Geschichte von den Kaffeestammtischlern, die in einem Wirtshaus Torten und Kuchen für den Vatertagsausflug vorbestellt hatten, aber an diesem Tag dann ganz woanders zum Kaffeetrinken landeten. "Die Folge dieser Gedächtnislücke waren sechs Torten und eine saure Wirtin", schimpfte der Haberermeister. Jede der Geschichten wird von einem "Haberer is woahr" des Meisters begleitet. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: "Woahr is."

Vor der traditionellen Wirtshaus-Runde, wird ein Sünder dazu verurteilt, den Rasen um das Fußballtor am Spielplatz das ganze Jahr über mit der Schere zu schneiden. Eine gerechte Strafe sei das, habe er es doch ohne Nacht und Nebel am helllichten Tag geschafft, das von der Gemeinde aufgestellte und von den Kirchweihburschen gesponserte Tor absichtlich zu Fall zu bringen. "Für so Manchen stellen spielende Kinder anscheinend unerträgliche Qualen dar", hieß es in der Urteilsbegründung.

Wegen einer "Trockenwäsche" in einer Autowaschanlage wird ein Mann mit der Strafe belegt, einer Mitbürgerin das Auto mit der Hand zu waschen und zu polieren. Nach einem "Schlüsselerlebnis" vor verschlossener Haustüre muss ein Mann den Haberern so viel Bier auszugeben, bis alle über ein Promille kommen. Alle Strafen stellvertretend für die Verurteilten in Empfang nehmen, muss wieder einmal der arme Bauer. Abgeführt wird er schließlich von der hohen Gendarmerie.