Beilngries: "Was für ein weiches Fell"
Ein Leckerli für Rudi: Rosa Herzog (r.) gab anfangs zögernd, dann aber gern dem Therapiehund seine Belohnung. Therese Perras (2.v.r.) konnte es kaum erwarten, bis sie an der Reihe war und der Vierbeiner zu ihr kam. „Ich hatte mein Leben lang Hunde und liebe sie“, erzählte sie lebhaft. Jeden Mittwoch kommt die Beilngrieser Logopädin Katharina Schulte (l.) mit Rudi künftig zu den Senioren. - Foto: Adam
Beilngries
Auf Rudi reagiert jeder anders. Eine Seniorin ist so begeistert von dem Vierbeiner, dass sie lebhaft ruft: „Der darf zu mir auf den Schoß, und weg lass ich dich nimmer, gell mein Schatzilein!“ Eine andere streichelt Rudi zuerst vorsichtig, zögernd, dann aber erzählt sie plötzlich von früher, von ihrem Struppi, der leider viel zu früh gestorben ist, der aber auch so ein lieber Hund war. Und wieder eine andere Dame schüttelt vehement den Kopf: „Nein, anfassen will ich den nicht!“

Muss sie auch nicht, wenn sie nicht mag. Denn wichtig ist vor allem die Reaktion, die Rudi hervorruft. „Rudi ist eine Art Sprechmotivator“, erklärt Katharina Schulte, die mit ihrem Therapiehund schon sehr positive Erfolge hatte. „Die Menschen, ob das nun Senioren, Behinderte oder auch scheue und schüchterne Kinder sind, öffnen sich leichter, wenn ich Rudi dabei habe“, sagt Schulte.

Bei der ersten Therapiestunde im Seniorenzentrum hat die Logopädin verschiedene kleine Übungen auf dem Plan. Zuerst einmal darf sich Rudi jedem vorstellen. Brav setzt sich der Therapiehund vor jeden Senior, hebt auf Kommando die Pfote, wedelt freundlich mit dem Schwanz, egal, wie der entsprechende Mensch vor ihm reagiert. Wer mag, darf Rudi ein Leckerli geben, bei Angst vor der nassen Schnauze auch mithilfe eines Kochlöffels, darf streicheln, anfassen. Berührungsängste kennt Rudi nicht. „Was für ein weiches Fell“, sagen viele der Senioren und kraulen nach anfänglicher Zurückhaltung schnell mutiger.

Der erste Kontakt ist so hergestellt, und Katharina Schulte hat ihr Ziel erreicht: Die Senioren sind gefordert, schenken ihr und Rudi Aufmerksamkeit. Leichte Bewegungsübungen folgen spielerisch, wenn die Senioren für Rudi ein Spielzeug werfen dürfen, das der Therapiehund folgsam holt und bringt. Lachen gibt es, als Rudi ein verstecktes Quietscheschweinchen finden soll, denn der Australian Shepherd verfolgt aufmerksam, wo Katharina Schulte hingeht. Eine Seniorin ruft: „Das ist ein Schlawiner, der schummelt und schaut ja!“ Kaum ein Heimbewohner bleibt unbeteiligt beim Besuch von Rudi. Künftig kommt Katharina Schulte jeden Mittwoch in das Seniorenzentrum, um mit den Heimbewohnern zu arbeiten.

Beim Beilngrieser Gesundheitstag am Sonntag, 14. April, stellt die Beilngrieser Logopädin ihre Arbeit vor. Zeitweise wird auch Rudi, der seine Ausbildung zum Behinderten- und Therapiehund erst vor einem Jahr mit Bravour absolvierte, mit dabei sein.