Um dem Gremium die Bedeutung und die Aufgaben dieses Dienstes zu erläutern, hatte Andrea Dengler von der hiesigen Grundschule eine Power-Point-Präsentation vorbereitet. Durch ihre Tätigkeit als Schulpsychologin werde ihr quasi täglich vor Augen geführt, wie wichtig eine zusätzliche Betreuung im schulischen Alltag sei. Die Fallzahlen von Kindern, die eine weiterführende Betreuung benötigen würde, steigen kontinuierlich an. Dabei gehe es beispielsweise um Konzentrationsschwächen, Probleme im Sozialverhalten und nicht zuletzt auch um Sprachdefizite. Letztere Problematik betreffe vor allem die Flüchtlingskinder, die an der Grundschule unterrichtet werden, erläuterte Andrea Dengler. Für die Lehrkraft im Klassenzimmer wäre eine unterstützende Kraft daher von großer Hilfe, wie sie zusammenfasste.

Als wichtigen Baustein könnte sich die Beilngrieser Grundschule in diesem Zusammenhang den Bundesfreiwilligendienst vorstellen. Ein solcher kann bekanntermaßen in unterschiedlichen Institutionen - zum Beispiel Seniorenheime, Krankenhäuser, Schulen - geleistet werden. Bewerben kann sich jede Person ab 16 Jahren, eine Altersobergrenze gibt es nicht. Es gibt ein Taschengeld und Geldersatzleistungen, auch ausländische Bewerber sind zugelassen, die Arbeitszeit wird in der Regel auf ein Jahr festgeschrieben. Profitieren sollen alle Seiten - der Betrieb hat eine weitere Arbeitskraft, der Engagierte im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) kann einen neuen Aufgabenbereich im Alltag des Berufslebens kennenlernen und die Kontaktpersonen in den Einrichtungen haben einen weiteren Ansprechpartner.

An der Beilngrieser Grundschule könnte das Aufgabengebiet laut Andrea Dengler sehr vielschichtig angelegt werden. Der Bufdi könne lernschwachen Schülern im Unterricht zur Seite stehen, die Mittagsbetreuung unterstützen, für Flüchtlingskinder übersetzen, eine Arbeitsgruppe übernehmen, die Verwaltung bei einfachen Büroarbeiten unterstützen - und vieles mehr. Allein mit den Schülern im Klassenzimmer werde der Freiwillige aber nie gelassen, betonte die Referentin.

Die Grundschule hatte bereits seit Monaten auf verschiedenen Wegen nach Interessierten gesucht. Aktuell gebe es eine 16-jährige Realschulabsolventin sowie zwei Flüchtlinge, die gerne als Bufdi anfangen möchten. Als Favorit kristallisierte sich am Donnerstabend eine "Tandemlösung" - die 16-Jährige und ein Flüchtling - heraus. Die Stadt müsste dabei für ein gesamtes Jahr Kosten in Höhe von etwa 4500 Euro tragen.

"Wir sollten da auf jeden Fall zustimmen", sagte Rüdiger Stein (SPD). In Richtung der Staatsregierung merkte er kritisch an, dass solche Initiativen in der Regel vor Ort ergriffen werden müssten und die Schulen beispielsweise in Sachen Personal zu oft im Regen stehen gelassen würden. Anton Bauer (BL/FW) betonte, dass er aus seiner eigenen Zeit im Schuldienst wisse, wie wichtig eine solche Unterstützung, wie sie ein Bufdi leisten könne, sei. CSU-Fraktionssprecher Johannes Regnath räumte ein, zunächst skeptisch gewesen zu sein - vor allem hinsichtlich der pädagogischen Möglichkeiten eines solchen Freiwilligendienstes. Andrea Denglers Vortrag habe ihn aber überzeugt, weshalb er der Tandemlösung gerne zustimmen könne.

Dem folgte das komplette Gremium. An der Grundschule dürfen für die Laufzeit von einem Jahr zwei Bufdi-Stellen mit Gesamtkosten für die Stadt von 5000 Euro geschaffen werden. Dann will man Bilanz ziehen und das Programm eventuell verlängern. Die Grundschule will nun mit den Interessenten konkrete Gespräche führen und dann so schnell wie möglich starten.