Beilngries: Heimatverbunden und "sauber beinander"
Die Pflege von Originaltrachten wird beim Beilngrieser Trachtenverein groß geschrieben. Der Ehrenvorsitzende Alfons Adam und seine bereits verstorbene Frau Rosa Herzog präsentierten dereinst die festliche Oberpfälzer Volkstracht. Für Manuel (v. l.), Maria und Lukas Neger, in Gebirgstracht, stehen allerdings weniger die Kleider als vielmehr die Tänze und Plattler im Mittelpunkt des Interesses. ‹ŒArchivfot - Foto: Adam
Beilngries

2025 wird das beim Heimatabend zum feierlichen Jahresabschluss nicht anders sein, als es 2015 war, 2005 oder in den vielen vergangenen Jahrzehnten zuvor: "Wir möchten die alten bayerischen Trachten zeigen, Traditionen pflegen, Volkstänze, Plattler und die entsprechende Musik für die Nachwelt erhalten", sagt Matthias Rehacek (Foto), der heute den Beilngrieser Trachtenverein D'Hirschbergler Stamm leitet. Seit 2007 ist der gebürtige Thüringer Vorsitzender bei den Beilngrieser Trachtlern, "weil mir dieser Verein wichtig ist. Als sich bei der Wahl niemand anders bereit erklärte, dachte ich damals: Dann mache ich es halt. Ein Trachtenverein hat für mich etwas mit Heimat zu tun und Heimat ist immer da, wo man sich wohlfühlt. Bayern ist für mich zur Heimat geworden. Deshalb ist es für mich auf keinen Fall ein Widerspruch, dass ich als Nichtbayer solch einen bayerischen Verein führe."

Der Erfolg bei der Entwicklung des Vereins unter seiner Führung gibt Rehacek recht. Während viele Vereine mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, sind erfreulich viele Kinder und Jugendliche im Trachtenverein aktiv. Sie treffen sich regelmäßig mit Jugendleiterin Ulrike Singer zu Probenstunden und treten beim Heimatabend, bei Trachtenfesten und Feiern auf. Die Hoffnung, dass auch 2025 genügend engagierte Trachtler in Beilngries sein werden, die die alten Traditionen fortpflegen wollen, ist also durchaus nicht utopisch.

Gegründet wurde der Trachtenverein Beilngries im Juli 1953 auf Initiative von Xaver Kallmünzer, erster Vorsitzender war Hans Hermann, den bereits im Januar 1954 Xaver Kallmünzer ablöste. 44 Interessenten waren bei der Gründungsversammlung anwesend, einer davon: Alfons Adam. "Mein Bruder Hans hat mir damals von der geplanten Gründung erzählt und mir hat die Idee gleich gut gefallen. Als ich ein junger Bursche war, gab es nicht viele Vereine in Beilngries, da war solch eine Möglichkeit natürlich interessant", erinnert sich Adam. Im Trachtenverein, bei dem man sich von Anfang an auf die Fahne geschrieben hatte, alte Tänze, Musikstücke und Lieder zu pflegen sowie Traditionen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, fühlte sich Adam so wohl, dass er 1969 den Vorsitz übernahm. Viele Jahrzehnte leitete er mit viel Herzblut die Geschicke des Vereins. Heute ist er Ehrenmitglied, Ehrenvorsitzender und nach wie vor überzeugter Trachtler: "Mir ist nie der Gedanke gekommen, dem Verein den Rücken zuzukehren. Die Plattler und Tänze haben mir immer gefallen, auch wenn ich mir nicht immer alle Namen oder Schritte merken konnte. Aber ein Blick zum Vortänzer genügte", erklärt Adam schmunzelnd. Für den Verein wünscht er sich, "dass weiter viele Junge angeworben werden. Das funktioniert ja derzeit gut, auch dank unserer engagierten Jugendleiterin. Aber da darf man nicht nachlassen, Jugend gehört in einen gesunden Verein."

Drei, die zu dieser Jugend gehören, sind die Geschwister Maria, Lukas (beide 11) und Manuel (8) Neger aus Parleithen bei Dietfurt. Die Zwillinge wurden schon im Kindergarten von Jugendleiterin Ulrike Singer angesprochen, ob ihnen das Tanzen im Trachtenverein nicht Spaß machen würde. Nach der ersten Schnupperjugendstunde war beiden klar: "Das gefällt uns!" Vor allem Maria war und ist begeistert von den Volkstänzen, bei denen sie sich fürsorglich um die kleinsten Trachtler kümmert. "Ich tanze immer mit den Kleinen, die neu dazukommen, damit die das lernen." Ehrensache, dass sie auch ihren jüngeren Bruder Manuel bei den Tänzen führte, als der - "Wenn die anderen dabei sind, will ich das auch!" - endlich mitmachen durfte.

Heute stehen für die Buben allerdings die Volkstänze nicht an erster Stelle. "Nur das Platteln ist richtig cool", erklärt Lukas und grinst. "Weil das einfach sportlicher ist, da ist mehr Action dabei." Den "Reit im Winkler" können die Buben schon ganz gut, Lukas auch noch zwei weitere Plattler.

Was außer den richtigen Schritten am Tanzparkett dazu gehört, um ein "richtiger Trachtler" zu sein, wissen sie alle genau: "Das richtige Gwand und dass man ordentlich bei-nander ist." Für Mädchen bedeutet das, dass sie keine offenen langen Haare zur Tracht tragen dürfen, Zopf oder Haardutt muss sein. Die Schürze muss ordentlich gebunden sein, Modeschmuck geht auf keinen Fall. "Alles muss so sein, wie es früher auch war", weiß die vernünftige Maria. Ihr kleiner Bruder sieht das allerdings nicht bedingungslos ein: "Manchmal nervt das aber auch. Die Trachtenstrümpfe zum Beispiel sind stachlig, da hätte ich viel bequemere im Schrank und darf sie nicht anziehen."

Die Kindertrachten werden vom Beilngrieser Trachtenverein gestellt, für eine Originaltracht kommen schnell einige Hundert Euro zusammen. Deshalb wird alles gut gepflegt, ausgebessert und an kleinere Kinder "weitervererbt".

Ein besonders Jahr für den Trachtenverein Beilngries soll nicht das Jahr 2025, sondern das Jahr 2028 werden: "Dann feiern wir unser 75-jähriges Bestehen. Und ich hoffe, dass dann genau so gefeiert wird, mit genau dieser Musik und diesen Tänzen, wie auch unsere Alten ihre Feste gestaltet haben. Dann haben wir das Vereinsziel erfüllt, wie hoffentlich noch viele Generationen nach uns", sagt Rehacek.