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28.05.2007 18:03 Uhr | 124x gelesen
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Schon in der Steinzeit gefragt


Bild:  Schon in der Steinzeit gefragt .  Kratzmühle (jr) Dass Leder schon in der Steinzeit eine bedeutende Rolle im täglichen Leben spielte und noch viel mehr über die gegerbten Häute von Tieren erfuhren über 1500 Personen bei den Pfingstaktionstagen in und am Technikmuseum Kratzmühle.

Kratzmühle (jr) Dass Leder schon in der Steinzeit eine bedeutende Rolle im täglichen Leben spielte und noch viel mehr über die gegerbten Häute von Tieren erfuhren über 1500 Personen bei den Pfingstaktionstagen in und am Technikmuseum Kratzmühle.


Am Pfingstsonntag und gestern drehte sich dort alles um Leder und was man daraus macht. Aus allen Himmelsrichtungen steuerten Besucher das lebendige Museum an, denn die Pfingstaktionen zu wechselnden Themen haben schon Tradition. "Die Steinzeitmenschen waren die ersten Raumausstatter, denn sie staffierten ihre Höhlen mit Tierhäuten aus. Sie hängten das Leder als Windfang auf. Vor dem Glas wurde Leder als Wärmeschutz verwendet. Ledertapeten waren noch im Mittelalter üblich", berichtete der Raumausstatter Sebastian Brenner aus Dietfurt zahlreichen Interessierten. Er zeigte auch, wie Sessel neu aufgepolstert und mit Leder bezogen werden. Dabei erfuhren die Besucher auch viel über Lederqualitäten. Viele staunten, als sie hörten, dass der Sattler zum Beziehen eines Sessels rund 2,6 Quadratmeter Leder benötigt.

Den Weg von der abgezogenen Tierhaut bis zum fertigen Leder, das Gerben, zeigte ein Film in der Schulabteilung des Museums. Der rund 30 Jahre alte Streifen verriet sämtliche Arbeitsgänge in der Pförringer Gerberei Strobl.

Viele ehemalige Handschuhmacherinnen und Handschuhmacher kamen ins Museum, um Erinnerungen aufzufrischen. Anna Wagner aus Beilngries hat von 1950 bis 1957 die Blütezeit dieses Handwerks erlebt. Sie erzählte: "Vor Weihnachten, vor Oster und vor Pfingsten haben wir oft bis Mitternacht, auch an Samstagen und oft sogar sonntags von 8 bis 12 Uhr gearbeitet, um die Bestellungen zu erfüllen. Schuhe, Handtasche und Handschuhe mussten damals einfach optisch zusammenpassen. Die Leute haben bei der Fronleichnamsprozession sehr wohl darauf geachtet, was man getragen hat. Es war eine ganz andere Zeit. Die Handschuhmacherei war ein wichtiger Erwerbszweig, viel wurde auch in Heimarbeit erledigt."

Siegfried Paulus aus Kottingwörth, gelernter Handschuhmacher, arbeitete von 1964 bis 1970 bei der Firma Lorenz. Helga Zehentmeier aus Beilngries hat von 1952 bis 1974 Handschuhe gefertigt. Von ihnen und anderen Ehemaligen erfuhren die Besucher Näheres zu den Arbeitsschritten Daxieren (Sortieren), Depencieren, Ridellieren, Evationieren (auf richtige Schablonengröße ziehen), Nummerieren , Stanzen, Alorgieren, Schichtel- und Saumlederschneiden sowie über Handschuhnaht, Köbelnaht, Steppnaht, Futtereinziehen, Umsteppen, Dressieren und Zusammennähen. Eine wahre Kunst war das Verzieren von Reit-, Motorrad-, Golf-, Auto- und Uniformhandschuhen. Begeistert von Aktionen und Ausstellungen im Technikmuseum zeigte sich Oskar Kreißl, der einst eine Handschuhmacherfirma besaß und seit vielen Jahren mit Familie erfolgreich eine Lederreinigung betreibt: "Es wird so gezeigt, wie es wirklich war."

Viel bestaunt wurde die von Andreas Veith und Museumsfreunden eingerichtete Sonderausstellung zum Thema Leder. Eingebunden in die Aktionstage wurden auch die jungen Museumsbesucher, denn sie erhielten kostenlos Lederbänder ausgehändigt, die dann mit ausgestanzten und in der Druckerei mit Namen bedruckten Lederherzen versehen wurden. Mitglieder des Kulturhistorischen Vereins Beilngries-Kinding sowie der Beilngrieser Schustermeister Ludwig Schmidt hatten alle Hände voll zu tun.

Im Museumshof gab es Schmankerln und zünftige Musik. Auch lebende Fellträger durften nicht fehlen. Die Schafe der Biberbacher Familie Gomringer wurden am Sonntag fleißig gestreichelt.

Josef Riedl


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