Wenn der zuständige Finanzdirektor von der Transaktion mangels tiefgreifender wirtschaftlicher Kenntnisse überfordert gewesen sein soll, hätte er dieses Amt nicht annehmen oder er hätte von der Diözesanleitung mit diesem Amt nicht betraut werden dürfen. Sich aber nun wegen Unwissenheit oder Überforderung von der Verantwortung wegzuschleichen, kann schon allein wegen der großen Geldmenge von bis zu 60 Millionen Dollar nicht gelingen, denn selbst ein gesunder Menschenverstand reicht aus, diese Betragshöhe wahrnehmen zu können. Und wenn ein Geistlicher mit akademischer Bildung das verneint, riecht dies doch sehr stark nach Unwahrheit. Dagegen steht das Wort Gottes: "Du sollst nicht lügen." Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Aussage des inhaftierten Stellvertreters.

Rückhaltlose Aufklärung, umfassende Aufarbeitung, Transparenzoffensive starten, Vertrauen schaffen, das waren die ersten Schlagworte. Aber gleichzeitig weist man wieder jegliche Schuld von sich und findet sich wieder in der Opferrolle und keineswegs als Täter. Erst später zeigt sich Bischof Hanke laut Pressebericht "beschämt" und übt Selbstkritik. Aber zunächst lässt er bedauerlicherweise den sichtlich angeschlagenen Generalvikar bei der Pressekonferenz am 6. Februar allein und bleibt auf Anraten des Rechtsanwaltes fern.

Diese Verfahrensweise ist typisch für Bischof Gregor Maria Hanke: Hat er nicht auch das Amt des Großkanzlers an der Katholischen Universität gemieden? Hat er sich nicht bei den umstrittenen Leuchtern im Dom - wohlgemerkt in seiner Bischofskirche - total herausgehalten? Und nun folgt er dem Rat eines Rechtsanwaltes mehr als seiner Verantwortung, die seinem Gottesvolk und dem lieben Gott geschuldet ist.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die Silvesterpredigt unseres Bischofs am 31. Dezember 2013, als er - zum Ärger vieler Besucher - die Affäre um den früheren Limburger Bischof Tebartz van Elst kleinredete und dabei auch den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff wegen dessen Ungereimtheiten in Schutz nahm. In Gegensatz dazu hat der frühere Bischof Karl Braun in den 1980er-Jahren eine Silvesterpredigt gehalten mit der Aussage, dass "die Kirche auch die Kirche der Sünder" sei. Bischof Karl Braun erntete dabei großen Respekt für diese ehrliche "Mea Culpa". Wahrscheinlich hat unser Bischof durch die Verzögerung der Selbstkritik die ganze Sache noch höher gekocht.

So sehen wir Laien erneut die "reiche" Kirche, die bei jeder Gelegenheit zum Spenden aufruft und schon seit langer Zeit zur materiellen "Rechtskirche" abgestiegen ist und sich immer weiter entfernt von der eigentlichen Kirche - nämlich von der "Liebeskirche" von der Kirche Jesu Christi.

Albert Freundl

Eichstätt