Kaum vorstellbar, aber trotzdem wahr: Ein Präsident und kein geringerer als der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika muss sich auf seine körperliche Fitness und seine geistige Zurechnungsfähigkeit hin untersuchen lassen. Ob die Untersuchungsergebnisse positiv oder negativ sind, ist uninteressant, zumindest für Trumps Wählerschaft. Für Trump übrigens auch, denn der entscheidet selbstherrlich über Wahrheiten oder Unwahrheiten und haut genüsslich jeden Morgen seine Tweets via Twitter raus, die Mehrzahl davon Fakes (2000 im Jahr).

Die Einzigen, die den Präsidenten noch walten und schalten lassen, sind die reichen und superreichen Profiteure seiner Dekrete. Die füllen sich rücksichtslos die Taschen mit Dollars und betrachten Trump als reinen Pausenclown. Trump selbst wird doch mittlerweile weltweit nicht mehr ernst genommen. Das allerdings kann brandgefährlich werden, falls er vielleicht noch versucht, mit dem roten Knopf zu spielen. Ich denke, dass die Versuchung bei ihm groß ist. Hoffentlich habe ich unrecht.

Aber welche Wirkung Trumps "America First"-Parole, insbesondere seine Steuerreform zeigt, spiegelte sich im Weltwirtschaftsgipfel von Davos wider. Die dort versammelten Finanzjongleure kann man getrost dem Trump-Fanblock zuordnen, allen voran Siemens-Chef Joe Käser. Wer bitteschön kann bei all dem dort veranstalteten Pomp noch einen Funken Verantwortlichkeit, Solidarität oder Menschlichkeit erkennen? Für Normalbürger ist diese Veranstaltung nur noch peinlich. Wenn ich das Davoser Treffen ernsthaft betrachte, glaube ich, dass selbst Regierungen finanzstarker Staaten ihre Handlungshoheit schon längst an die dort versammelte Equipe verspielt haben.

Aber schuld an dem ganzen Dilemma sind nicht immer nur die Reichen und Superreichen, vielmehr haben wir alle eine Mitschuld. Warum wird normalerweise weggeschaut, wenn es um eigene Vorteile geht. Ein Beispiel: Warum wird dieses Jahr wieder verstärkt die Türkei als Urlaubsziel gebucht, nach all den Anfeindungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan gegenüber Deutschland? Ein anderes Beispiel: Warum fliegt jemand mit Ryan Air, obwohl allgemein bekannt ist, wie dort mit Personal, Steuervermeidung etc. umgegangen wird?

Oder ist es vielleicht in Ordnung, sich beim Einzelhandel jede erforderliche Information kostenlos zu besorgen, um dann die Ware im Internet zu bestellen? Oftmals geht eine dadurch erzielte Ersparnis zulasten der Paketdienstzusteller oder der Angestellten in den Logistikzentren wie zum Beispiel Amazon.

Braucht man unbedingt ein Internetportal, um sich eine Pizza zu bestellen oder das passende Restaurant zu finden? Warum geht man nicht einfach zum nächsten Italiener, Griechen, Chinesen usw., die freuen sich über jeden einzelnen Gast.

Muss es immer der "Cafe to go", also der Kaffee zum Mitnehmen, sein, bei dem am Ende nur wieder unnötiger Müll übrigbleibt? Den Espresso oder Kaffee vor Ort zu trinken, dauert auch nur ein paar Minuten und hat zudem den Vorteil, dass man dabei etwas entschleunigen und sich nebenbei noch mit anderen Anwesenden unterhalten kann. So viel Zeit sollte sein, auch bei Workaholics. Viele der Stressgeplagten sollten einmal darüber nachdenken, wie viel unnötige Zeit sie mit dem permanentem Kontrollieren ihrer Smartphones verschwenden. Diese Zeit könnte wesentlich sinnvoller anderweitig genutzt werden.

Die Reichen haben mittlerweile ein ganz neues Problem, denn in Weltmetropolen wie London, Paris, New York oder Berlin kämpfen Millionäre gegen Milliardäre um die besten Wohnimmobilien, die dann hinterher meistens leer stehen. Es geht also nur um reine Geldanlagen. Investigative Recherchen haben zu dem Ergebnis geführt, dass rund 80 Prozent Briefkastenfirmen dahinterstecken. Bei all den moralischen Verwerfungen in unserer Gesellschaft wäre trotzdem mehr Solidarität bei der Allgemeinheit angebracht und etwas weniger Egoismus.

Horst Jentsch

Ingolstadt