Auch bei den Riester-Verträgen für eine private Altersvorsorge zeigt sich jetzt, dass nur die Versicherer und deren Vertreter davon profitieren. Für die meisten Versicherten bleibt nach einer langen Ansparphase unter dem Strich nichts übrig. Von allen privaten Altersvorsorgemodellen hat nur die Versicherungswirtschaft einen sicheren Gewinn, aber nicht der Anleger, für den sie eigentlich gedacht sind.

Das hat sich auch bei den Direktversicherungen schon gezeigt, wo nach einer Gesetzesänderung die Krankenkassen bei der Auszahlung einer privaten Lebensversicherung plötzlich noch einmal den doppelten Kassenbeitrag verlangen. Den Sparern, die Jahrzehnte eingezahlt haben, bleibt von einer Rendite nichts mehr übrig. Die müssen froh sein, wenn sie noch das ausbezahlt bekommen, was sie über viele Jahre für eine staatlich geförderte Altersvorsorge abgezweigt haben.

Die Ursache dafür sehe ich darin, dass die Lobbyisten aus der Wirtschaft bei der Gesetzgebung die Federführung haben. Wir Bürger haben keine Lobby. Für uns sollten sich eigentlich unsere Abgeordneten einsetzen, aber da haben die Damen und Herren wohl nicht allzu viel Interesse dran.

Bei der Pflegeversicherung ist es ja genauso. Arbeitnehmer und Rentner zahlen in die Pflegekassen ein und finanzieren damit die Dividenden der Aktionäre der Pflegeheime. Die Pflegerinnen und Pfleger, die dort die Arbeit machen, dürfen dafür mit Minilöhnen auskommen. Das alles nur, weil unser Gesetzgeber keine vernünftige Altersvorsorge und Pflege organisieren kann und alles der freien Wirtschaft überlässt.

Die Rentenversicherung soll auf private Vorsorge umgestellt werden. Damit werden die Arbeitgeber entlastet, weil sie ja nicht verpflichtet sind, weiterhin die Hälfte der Altersvorsorge mitzufinanzieren, und die Arbeitnehmer können sehen, wie sie zurechtkommen. Gerade die Ärmsten in unserer Gesellschaft haben aber nicht die Mittel für eine private Vorsorge. Wenn sie dann im Alter nicht verhungern sollen, wird doch wieder der Staat für sie aufkommen müssen. Ich hoffe, dass wir bald einmal eine Regierung bekommen, die das erkennt und auch wieder etwas für den ärmeren Anteil ihrer Wähler tut.

Johann Gröller

Pfaffenhofen