Geht es wirklich noch um Glyphosat, oder geht es nicht vielmehr darum, wer in Sachen Landwirtschaft zukünftig die Deutungshoheit haben soll? Am "Fall Glyphosat" wird das in meinen Augen exerziert. Was ist Wissenschaft noch wert beziehungsweise wozu brauchen wir sie überhaupt noch, wenn sie als gekauft gilt, sobald das Ergebnis nicht ins eigene Weltbild passt? Werden Entscheidungen künftig nur noch nach Stimmungen gefällt? Hat derjenige, der die meisten Unterschriften im Netz gesammelt hat oder die größten Massen mobilisiert, auch recht? Irgendwie erinnert mich das alles an das alte Rom, wo Tausende in der Arena saßen und den Daumen nach Bauchgefühl mal nach oben, mal nach unten drehten. Was dabei herauskam, ist allen bekannt. Als Landwirt werde ich schon sehr nachdenklich, wenn ich sehe, wie in meinen Augen sachliche Argumente ziemlich hochnäsig abqualifiziert und Tatsachen nicht akzeptiert werden, wenn sie der eigenen Meinung widersprechen.

Ich will wahrlich kein Oberlehrer sein, aber einige Aussagen über die Landwirtschaft in den Leserbriefen zum Thema Glyphosat zeigen mir doch, dass die Verfasserinnen oder Verfasser außer einer "gefühlten" Qualifikation, womöglich erreicht durch eine kurze Internetrecherche, fachlich leider nicht viel zu bieten haben.

Wirklich erschreckend finde ich es aber, wenn man sich darüber beklagt, dass einem Andersdenkenden so viel Platz für seine vermeintlich falsche Meinung eingeräumt wird, während man für sich selbstverständlich in Anspruch nimmt, die einzig richtige Wahrheit zu kennen und zu vertreten. Wo soll das alles noch hinführen?

Andreas Brummer

Schweitenkirchen