Der Skandal um den Hauptstadtflughafen BER nimmt immer größere Ausmaße an. Es ist beschämend für das Ansehen unseres Landes, wie Politiker und die am Bau beteiligten Firmen versuchen, Jahr für Jahr die deutsche Öffentlichkeit mit immer neuen Eröffnungsterminen zu täuschen. Vermutlich wird dank maßlos überzogener und weltweit unvergleichbarer Brandschutzvorschriften eine totale Entkernung des BER-Hauptgebäudes nicht mehr zu umgehen sein. Die Eröffnung dürfte dann, wenn überhaupt, frühestens 2027 oder später sein.

Politiker, Manager und Bauleute, die bisher am Hauptstadtflughafen erfolglos herumgemurkst haben, sehen sich 2022 einem besonderen Jubiläum gegenüber. Es ist das Jahr der zehnjährigen Eröffnungsverschiebung im Zeichen unbeschreiblichen Versagens und gigantischer Verschwendung von Steuergeldern. Die Einzigen, die sich über dieses Debakel in Deutschland freuen dürften, sind die Manager der Flughäfen Frankfurt und München, denen auf Jahre hinaus ein gutes Geschäft ohne den Konkurrenten Berlin sicher ist. Vielleicht besinnt sich die Politik doch noch, nutzt den nutzbaren Teil des BER als Regionalflugplatz und baut für den Großraum Berlin mit heute schon 4,7 Millionen Einwohnern weit draußen einen echten Großflughafen, wie kluge, vorausschauende Köpfe es vor 15 Jahren vorgeschlagen haben. Man könnte natürlich auch das Gelände an die Türkei verpachten mit dem Ziel, dass diese den Flughafen zeitnah fertigstellt. Die Türkei baut nämlich gerade nahe Istanbul einen Weltflughafen mit sechs Start- und Landebahnen in einer Zeit, in welcher es den BER-Leuten schwindlig werden dürfte. Aber dieser Vorschlag ist nicht ganz ernst gemeint.

Wolfgang Prestel

Ingolstadt